KI-Infrastruktur-Boom: Caterpillar, Vertiv und Applied Digital im Vergleich
Der KI-Boom treibt einen massiven Investitionszyklus in Rechenzentren – drei Unternehmen profitieren mit sehr unterschiedlichen Risikoprofilen.

Der Ausbau der künstlichen Intelligenz ist längst kein reines Softwarephänomen mehr. Im Hintergrund läuft ein gewaltiges physisches Infrastrukturprojekt: Rechenzentren, Kühlsysteme, Stromversorgung und Datenleitungen werden in einem Tempo ausgebaut, das Investoren weltweit aufhorchen lässt. Drei Unternehmen stehen dabei besonders im Fokus – Caterpillar, Vertiv Holdings und Applied Digital – und bieten Anlegern ganz unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten in diesen Megatrend.
Die Mitte der 2020er-Jahre wird von einem massiven Investitionszyklus geprägt, der durch den KI-Boom ausgelöst wurde. Unternehmen aus nahezu allen Branchen integrieren KI in ihre Prozesse, was einen enormen Bedarf an Rechenkapazität erzeugt. Die physische Infrastruktur dahinter – insbesondere Rechenzentren – ist zum Brennpunkt eines bedeutenden Anlagetrends geworden.
Caterpillar: Vom Bagger zum Stromversorger der KI-Ära
Caterpillar ist vielen Investoren vor allem als Hersteller schwerer Baumaschinen bekannt. Doch das Unternehmen hat sich still und leise zu einem zentralen Akteur im Rechenzentrumsmarkt entwickelt – über seine Sparte für Energie- und Stromerzeugung. Da der KI-Ausbau bestehende Stromnetze zunehmend belastet, greifen Rechenzentrumsbetreiber verstärkt auf Caterpillars Kolbenmotoren und Generatoren als primäre Stromversorgungslösungen zurück.
Die Nachfrage ist so robust, dass Caterpillar seine Prognose für den Umsatz mit Stromerzeugungsprodukten bis 2030 im Vergleich zu 2024 verdreifacht hat. Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz im Segment Energie und Strom um 21 Prozent im Jahresvergleich auf 7 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtumsatz des Konzerns legte dabei um 22 Prozent zu – ein starkes Signal für die wachsende Bedeutung dieses Geschäftsbereichs.
Vertiv Holdings: Spezialist für missionskritische Rechenzentrum-Hardware
Vertiv Holdings ist ein noch spezialisierterer Profiteur des KI-Infrastrukturbooms. Das Unternehmen konzentriert sich auf Hardware, die für den Betrieb KI-fähiger Rechenzentren unverzichtbar ist: Flüssigkühlsysteme, Stromversorgungslösungen, Schaltanlagen und Sammelschienen. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil liegt in der Fähigkeit, sowohl Neubauprojekte als auch die Nachrüstung bestehender Anlagen zu bedienen.
Die Finanzkennzahlen sind beeindruckend: Im ersten Quartal stiegen die Nettoumsätze um 30 Prozent im Jahresvergleich auf 2,65 Milliarden US-Dollar. Noch deutlicher fiel die Entwicklung bei der Profitabilität aus: Der Free Cashflow nach Non-GAAP-Methode schnellte um 147 Prozent auf 653 Millionen US-Dollar hoch, während der Nettogewinn auf 390 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt wurde.
Das Management hat die Prognosen zuletzt wiederholt angehoben und erwartet für 2025 ein Umsatzwachstum von annähernd 30 Prozent, mit einem erwarteten Gesamtumsatz zwischen 13,5 und 14 Milliarden US-Dollar. Trotz einer ambitionierten Bewertung gilt Vertiv bei Analysten als nahezu unbestrittener Kauf aufgrund seiner dominanten Nischenpositionierung.
Applied Digital: Hohes Wachstum, hohes Risiko
Applied Digital (APLD) bietet eine deutlich spekulativere Investitionsmöglichkeit. Das Unternehmen spezialisiert sich auf den Bau und die Vermietung von Rechenzentren, die speziell für KI-Verarbeitung ausgelegt sind. Goldman Sachs prognostiziert, dass der US-amerikanische Energiebedarf für Rechenzentren bis zum nächsten Jahr verdoppelt wird – ein Markt, in dem Applied Digital aggressiv wächst.
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Zur AktienanalyseDas Unternehmen hat bereits Verträge gesichert, die einen Lifetime-Leasingumsatz von mindestens 36 Milliarden US-Dollar repräsentieren, mit einem potenziellen Höchstwert von 86 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz im dritten Quartal stieg um beeindruckende 139 Prozent im Jahresvergleich. Doch die Kehrseite ist erheblich: Applied Digital ist weiterhin nicht profitabel und verzeichnete im dritten Quartal einen Nettoverlust von 101 Millionen US-Dollar.
Hinzu kommt eine hohe Verschuldung, die durch das aggressive Bauvorhaben entstanden ist. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von zuletzt 31 ist die Aktie ambitioniert bewertet und damit anfällig für Volatilität – etwa wenn ein Kunde einen Vertrag nicht erfüllt oder sich das Marktumfeld eintrübt. Zwar besteht das Potenzial, dass sich die Aktie bis 2030 verdreifacht, doch bleibt dies ein hochspekulatives Investment, das einen schrittweisen Aufbau der Position nahelegt.
Für Anleger ergibt sich damit eine klare Wahl: Caterpillar und Vertiv bieten als etablierte Industriekonzerne verlässliche, cashgenerierende Beteiligungen am KI-Infrastrukturtrend. Applied Digital hingegen steht für das aggressive, kapitalintensive Wachstumssegment – mit entsprechend höherem Chancen- und Risikoprofil. Der gemeinsame Nenner aller drei: Der KI-Boom ist ein physisches Bauprojekt von historischem Ausmaß.


