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KI in Verwaltungen: Worms zeigt, wie Digitalisierung funktioniert

Die Stadt Worms setzt seit einem halben Jahr KI-Assistenten in Bauamt und Stadtentwicklung ein. Die digitalen Helfer sollen Bürokratie abbauen und den Fachkräftemangel abfedern.

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KI in Verwaltungen: Worms zeigt, wie Digitalisierung funktioniert

Wenn Timo Horst, Beigeordneter der Stadt Worms, von "Justus" spricht, meint er keinen neuen Kollegen aus Fleisch und Blut. Justus ist einer von sieben KI-Assistenten, die seit einem halben Jahr die Stadtverwaltung unterstützen. Das Besondere: Die digitalen Helfer entlasten die Mitarbeiter spürbar und könnten zum Vorbild für andere Kommunen werden.

Digitale Assistenten beschleunigen Verwaltungsprozesse

Die KI-Agenten kommen vor allem im Bauamt und der Stadtentwicklung zum Einsatz. Innerhalb von Sekunden beantworten sie bürokratische, rechtliche und organisatorische Fragen. Wer beispielsweise eine neue Kita plant, erhält sofort alle relevanten Informationen – ohne langwierige Recherche oder Rückfragen bei Kollegen.

"Man muss mit vielen Behörden kommunizieren – und gerade diesen ganzen Schriftverkehr schneller abzuwickeln, dabei hilft die KI unglaublich", erklärt Horst. Bei Straßenbauprojekten müssen unterirdische Stromleitungen, Grünflächen und zahlreiche weitere Faktoren berücksichtigt werden. Die KI übernimmt einen erheblichen Teil dieser Bürokratie.

Antwort auf den Fachkräftemangel

Der Personalmangel im öffentlichen Dienst ist dramatisch: Deutschlandweit fehlen laut Deutschem Beamtenbund (dbb) 600.000 Stellen. Die Stadt Worms will mit dem KI-Einsatz gegensteuern. "Unsere Ingenieure sollen Straßen bauen, Architekten sollen Schulen und Kitas bauen – und sich nicht um bürokratischen Kram kümmern", betont Horst.

Annett Böttner, Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung, sieht einen weiteren Vorteil: Die moderne Technologie macht die Verwaltung als Arbeitgeber attraktiver. "Wenn wir sagen können, wir nutzen KI, sehen die Leute das positiv", berichtet sie aus Bewerbungsgesprächen.

Satware entwickelt maßgeschneiderte Lösung

Entwickelt wurden die KI-Assistenten vom Wormser IT-Dienstleister Satware. Vorstandschef Dietmar Schönig verweist auf die Informationsflut: "Die Menge an neuen Gesetzen und Verordnungen kann ein Mensch nicht mehr allein bewältigen." Die KI bündelt Informationen und reduziert sie auf das Wesentliche.

Stadt und Unternehmen versichern, dass alle Daten in einem geschützten System bleiben. Ein wichtiger Punkt, denn Datenschutz ist gerade in Verwaltungen sensibel.

Werkzeug statt Ersatz

Zehn Mitarbeiter arbeiten derzeit mit den digitalen Assistenten. Doch die KI bleibt ein Werkzeug, kein Ersatz für menschliche Entscheidungen. "Natürlich muss man prüfen, ob das Ganze Sinn ergibt", betont Horst. Ein Faktencheck sei unerlässlich.

Böttner sieht keine Gefahr für Arbeitsplätze: "Wir haben so viele Themen, die wir bearbeiten müssen. Die Infrastruktur in Deutschland wird immer schlechter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir arbeitslos werden."

Politischer Rückenwind für Digitalisierung

Der dbb fordert schon länger mehr Tempo bei der Digitalisierung. Vorsitzender Volker Geyer kritisiert auf der Jahrestagung in Köln die Bundesregierung: Zuletzt seien acht Prozent der Stellen in der Bundesverwaltung gestrichen worden. Statt Modernisierung schwäche man das "Rückgrat des Staates".

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will KI künftig verstärkt in Sicherheitsbehörden einsetzen. Das Wormser Modell könnte Schule machen: Bereits jetzt gibt es Anfragen von Kommunen aus anderen Bundesländern.

Ausblick: Schnellere Genehmigungen, bessere Infrastruktur

Die Stadt Worms erhofft sich konkrete Verbesserungen: Straßen sollen zügiger saniert, Kitas und Schulen schneller gebaut werden. "Wir hoffen, dass durch KI Genehmigungsprozesse schneller laufen und wir am Ende auch schneller bauen können", sagt Horst.

Abschließende Auswertungen zur Entlastungswirkung stehen noch aus. Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase. Doch die ersten Erfahrungen sind vielversprechend – und könnten zum Blaupause für die Modernisierung deutscher Verwaltungen werden.

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