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KI-Fonds Situational Awareness: Richtig gelegen, falsch gehebelt

Leopold Aschenbrenners KI-Fonds traf die Zukunft, scheiterte aber an Schulden und kurzfristiger Volatilität.

KI-Fonds Situational Awareness: Richtig gelegen, falsch gehebelt

Leopold Aschenbrenner galt als einer der hellsichtigsten Köpfe der KI-Branche. Der ehemalige OpenAI-Mitarbeiter gründete 2024 den Fonds „Situational Awareness" – und wurde zunächst als großer Prognostiker gefeiert. Doch nun liefert sein Missgeschick eine lehrreiche Lektion für die gesamte KI-Investmentwelt: Man kann mit seiner These richtig liegen und dennoch scheitern.

Der Fonds musste den Großteil seiner börsennotierten Wertpapiere an den Konkurrenten Citadel verkaufen, nachdem Banken ihre Kredite fällig gestellt hatten. Der Hergang ist dabei auf den ersten Blick simpel: Aschenbrenner setzte auf eine bestimmte Kursentwicklung bei KI-bezogenen Aktien – die Kurse bewegten sich in die entgegengesetzte Richtung. Da er seine Positionen mit Fremdkapital finanziert hatte, führte dies rasch zu einem Liquiditätsengpass.

Die Zahlen hinter dem Einbruch

Die Dimension des Kursrückgangs verdeutlicht das Ausmaß des Problems. Von den 29 in den USA börsennotierten Aktien, die der Fonds Ende März gemeldet hatte, fiel der durchschnittliche Aktienkurs im letzten Monat um 21 Prozent. Besonders hart traf es den Chiphersteller Sandisk, eine der größten Positionen des Fonds: Hier betrug das Minus satte 45 Prozent. Wer mit Hebel investiert ist, kann solche Schwankungen nicht einfach aussitzen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Aschenbrenners grundsätzliche Einschätzung falsch war. Er selbst behauptet, der Fonds liege in diesem Jahr immer noch mit 80 Prozent im Plus. Situational Awareness hält weiterhin ungehebelte Aktien sowie eine Beteiligung am noch nicht börsennotierten KI-Labor Anthropic. Nachdem er auf die harte Tour gelernt hat, dass sich Schulden und Unvorhersehbarkeit nicht vertragen, kann er diese Kronjuwelen nun halten, ohne sie unter Druck verkaufen zu müssen.

Eine Warnung für die gesamte KI-Infrastruktur

Die eigentliche Brisanz der Geschichte liegt jedoch in ihrer Übertragbarkeit auf die gesamte Branche. Laut Schätzungen von Lex werden die Erbauer von KI-Rechenzentren bis 2030 rund 9 Billionen US-Dollar investieren – und laufen dabei Gefahr, ähnliche Fehler zu begehen, wenn auch über Jahre statt über Tage hinweg.

Die Man Group bezeichnet dieses Phänomen als „zeitliches Missverhältnis": Wer enorme Mengen an Fremdkapital aufnimmt, um Infrastruktur aufzubauen, setzt sich strukturellen Risiken aus. Chips könnten verschleißen, bevor die damit besicherten Kredite zurückgezahlt sind. Neue Effizienzsteigerungen bei KI-Modellen könnten bestehende Rechenzentren überflüssig machen. Und chinesische Modelle wie Kimi K3, die mit weniger Aufwand mehr erreichen, könnten zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die übergeordnete These – dass KI eine Massenanwendung finden wird – könnte dabei vollkommen richtig sein. Dennoch können die konkreten Renditen, die spezifischen Gewinner und die Zeitrahmen stark variieren. Für jene, die Kreditgeber zufriedenstellen müssen, kann genau diese Varianz zum Desaster werden.

Banken kennen die Geschichte – und handeln entsprechend

Zu Aschenbrenners Verteidigung lässt sich anmerken: Er steckte noch in den Kinderschuhen, als die Finanzkrise 2008 ausbrach. Seine Banken hingegen nicht. Es überrascht daher kaum, dass sie sich zurückzogen, sobald sich der Markt gegen ihn wandte. Bemerkenswert ist dabei, dass große Kreditgeber es zwar vermieden haben, mit ihren eigenen Bilanzen auf den KI-Boom zu wetten – aber weiterhin gerne bereit sind, anderen gegen eine Gebühr dabei zu helfen.

Die Schlussfolgerung ist so einfach wie zeitlos: Die Lehren der Geschichte stehen jenen offen, die sie beherzigen. Und Hebel stehen weiterhin jenen zur Verfügung, die dies nicht tun.

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