KI-Chip-Ausverkauf trifft KOSPI und Nikkei mit heftigen Verlusten
Südkoreanische und japanische Aktien brechen ein, da Sorgen über KI-Ausgaben globale Halbleiterwerte belasten.

Südkoreanische Aktien führten am Donnerstag die Verluste in Asien an. Der KOSPI verlor rund 5%, während die Chipgiganten Samsung Electronics und SK Hynix um 7,5% beziehungsweise 9,2% einbrachen. Auslöser war ein erneuter Ausverkauf bei globalen KI-bezogenen Titeln, der die gesamte Halbleiterbranche erfasste.
Der Rückgang folgte auf Berichte, wonach Meta Platforms den Aufbau eines eigenen Cloud-Infrastrukturgeschäfts prüft, um KI-Rechenkapazitäten zu verkaufen. Dies schürte Befürchtungen, dass die Ausgaben für sogenannte Hyperscale-KI-Infrastruktur künftig disziplinierter ausfallen könnten – ein Szenario, das Chipherstellern empfindlich schaden würde.
Zusätzlichen Druck erzeugten Berichte, wonach Apple Speicherchips von chinesischen Zulieferern prüft. Das belastete die Stimmung gegenüber den dominierenden südkoreanischen Speicherherstellern erheblich. Bereits in der Nacht zuvor hatten der US-Speicherhersteller Micron Technology und SanDisk Corporation an der Wall Street jeweils mehr als 10% verloren.
Südkoreas Technologieschwergewichte unter massivem Druck
SK Hynix fiel auf den niedrigsten Stand seit dem 17. Juni, Samsung Electronics auf den schwächsten Wert seit dem 8. Juni. Die Kursbewegungen spiegeln die wachsende Vorsicht der Anleger wider, ob die KI-getriebene Chip-Rallye ihr rasantes Tempo beibehalten kann.
Der Druck breitete sich auf die gesamte Halbleiter-Lieferkette aus. In Japan sank der Nikkei 225 um 1,6%, während der breiter gefasste TOPIX gegen den Trend um 0,5% zulegte. Besonders hart traf es chipnahe Werte: Kioxia Holdings brach um 13,3% ein, Mitsui Mining and Smelting verlor 9,6%, Ibiden gab 7,9% nach, und sowohl Murata Manufacturing als auch Furukawa Electric fielen jeweils um 7,2%.
Auch taiwanische Chiphersteller gerieten unter Druck. TSMC weitete zusammen mit anderen Titeln aus der KI-Lieferkette die jüngsten Verluste aus, da Anleger die hohen Bewertungen des Sektors nach der starken Rallye in diesem Jahr neu bewerteten.
Einzelne Gewinner trotz breitem Abverkauf
Außerhalb des Technologiesektors gab es vereinzelte Lichtblicke. SoftBank Group stieg um 1,5%, nachdem Reuters berichtet hatte, dass das Unternehmen Gespräche über einen durch seine OpenAI-Beteiligung besicherten Kredit in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar wieder aufgenommen hat, um seine KI-Investitionspläne zu finanzieren. KakakuCom legte ebenfalls zu, nachdem Berichte über ein erhöhtes Übernahmeangebot von Bain Capital und LY Corp für den Online-Preisvergleichsbetreiber bekannt wurden.
Die Märkte auf dem chinesischen Festland erwiesen sich als relativ widerstandsfähig. Der Shanghai Composite fiel um 1,9%, der CSI 300 gab 0,9% nach – trotz positiver Umfragen aus dem verarbeitenden Gewerbe und Erwartungen an zusätzliche politische Unterstützung. Indonesiens Jakarta-Index stieg hingegen um 1,8%, und die indischen Nifty-50-Futures legten um 0,4% zu.
Wirtschaftsdaten treten in den Hintergrund
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseRegionale Konjunkturdaten spielten kaum eine Rolle. Industrieumfragen aus China, Japan und weiten Teilen Südostasiens hatten ein weitgehend robustes Bild der Produktionstätigkeit gezeichnet. Südkoreas Inflationsdaten entsprachen den Erwartungen, und das Exportwachstum unterstrich weiterhin die Widerstandsfähigkeit des Außenhandelssektors.
Australiens ASX 200 gab leicht nach, nachdem das Land im Mai ein unerwartetes Handelsbilanzdefizit verzeichnete. Dies schürte Sorgen über eine abkühlende Übersee-Nachfrage nach Rohstoffen. Die US-Futures auf Nasdaq 100 und S&P 500 zeigten sich kaum verändert, da Anleger im Vorfeld neuer US-Wirtschaftsdaten den anfänglichen Ausverkauf weitgehend ignorierten.
Die Märkte blieben zudem vorsichtig im Vorfeld von Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Anleger achteten auf Kommentare zur Handels- und Wirtschaftspolitik, die die globale Risikostimmung weiter beeinflussen könnten. Der starke Rückgang am Donnerstag war damit klar auf eine Stimmungsänderung im globalen Technologiesektor zurückzuführen – nicht auf schwächere inländische Fundamentaldaten.


