KI-Boom treibt Speicherpreise und US-Inflation in die Höhe
Wolfe Research warnt: Steigende Speicherchip-Preise durch KI-Ausbau erhöhen die US-Kerninflation bereits spürbar.

Die künstliche Intelligenz gilt als Technologie der Zukunft – doch sie hat bereits eine unerwartete Nebenwirkung: steigende Verbraucherpreise. Das US-Analysehaus Wolfe Research warnt, dass der rasante Ausbau der KI-Infrastruktur die Preise für Speicherchips massiv in die Höhe treibt und damit die amerikanische Kerninflation bereits messbar belastet. Analystin Stephanie Roth schätzt, dass höhere Speicherpreise die Kern-PCE-Inflation – das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank Fed – um etwa 30 Basispunkte erhöht haben.
Roth kommentierte die Entwicklung mit einem bemerkenswerten Satz: „KI sollte eigentlich alles billiger machen. Stattdessen zeigt sie sich an einer der ersten Stellen in Form von höheren Preisen." Diese Einschätzung steht im Widerspruch zu den weitverbreiteten Erwartungen, wonach KI langfristig zu Produktivitätssteigerungen und sinkenden Kosten führen sollte.
Hintergrund der Preisentwicklung ist die explodierende Nachfrage nach DRAM- und NAND-Flash-Speichern. Große Technologiekonzerne – sogenannte Hyperscaler – bauen ihre KI-Infrastruktur massiv aus und benötigen dafür enorme Mengen an Speicherkapazität. Laut Wolfe Research hat diese Nachfrage die Speicherpreise um das Zwei- bis Sechsfache in die Höhe getrieben.
Computerpreise steigen so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Besonders auffällig ist der Wandel bei Computerpreisen. Diese galten über viele Jahre hinweg als verlässliche Quelle für Disinflation – also als Faktor, der die Gesamtinflation dämpfte. Günstigere Elektronik war ein strukturelles Merkmal der modernen Wirtschaft. Doch laut Wolfe Research steigen Computerpreise nun „so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr".
Besondere Aufmerksamkeit erregen dabei die jüngsten Preiserhöhungen von Apple. Wolfe Research schätzt, dass allein die geplanten Preisanhebungen des Unternehmens für das MacBook, das iPad und das iPhone die Kern-PCE-Inflation um etwa 5 Basispunkte erhöhen könnten. Zum Vergleich: 100 Basispunkte entsprechen einem Prozentpunkt.
Unter Berufung auf Schätzungen von TechInsights, die das Wall Street Journal zitierte, weist Wolfe Research darauf hin, dass höhere Speicher- und Lagerkosten die geschätzten Materialkosten eines iPhones um rund 25 Prozent erhöhen könnten. Sollten diese Mehrkosten vollständig an die Verbraucher weitergegeben werden, würde dies eine Preiserhöhung von mehr als 200 US-Dollar pro Gerät bedeuten.
Methodikänderung könnte Inflationsmaß leicht dämpfen
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Zur AktienanalyseWolfe Research weist jedoch auch auf einen gegenläufigen Effekt hin. Ab September plant die US-Behörde Bureau of Economic Analysis (BEA) eine Änderung der Berechnungsmethodik für die Computersoftware-Komponente des Kern-PCE. Laut Wolfe Research könnte diese methodische Anpassung – basierend auf einer hypothetischen Gleichgewichtung der drei beteiligten Preisindizes – etwa 10 Basispunkte vom Inflationsmaß abziehen.
Unter dem Strich bleibt die Botschaft von Wolfe Research dennoch klar: Der KI-getriebene Speicherpreisanstieg ist ein realer und wachsender Inflationstreiber. Da die gestiegenen Kosten zunehmend durch die gesamte Lieferkette für Unterhaltungselektronik durchsickern, dürfte der Inflationsdruck in diesem Bereich in den kommenden Monaten weiter zunehmen. Für Verbraucher – auch in Deutschland, wo Apple-Produkte weit verbreitet sind – könnte das spürbare Auswirkungen auf die Geldbörse haben.


