KI-Boom treibt Chip-Aktien: STMicro, Kioxia und physische KI
Analysten heben Kursziele an, Umsatzprognosen steigen – der KI-Hunger der Industrie beflügelt den Halbleitersektor.

Die Nachfrage nach künstlicher Intelligenz sorgt weiter für Bewegung im Halbleitersektor. Gleich mehrere Analysehäuser haben ihre Einschätzungen zu führenden Chip- und Speicherunternehmen angehoben – und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
STMicroelectronics verdoppelt Datencenter-Ziel
Der europäische Chiphersteller STMicroelectronics hat sein Umsatzziel für das Datencenter-Geschäft deutlich angehoben. Statt der bisherigen Prognose von mehr als 500 Millionen US-Dollar erwartet das Unternehmen nun für das laufende Jahr einen Datencenter-Umsatz von rund einer Milliarde US-Dollar. Das entspricht einer Verdopplung der ursprünglichen Erwartungen.
Die Analysten von Jefferies werten diesen Schritt als klares Signal: Die Entscheidung spiegele die Zuversicht des Unternehmens wider, die Kapazitäten ausbauen zu können, um die hohe Nachfrage nach KI zu bedienen. Darüber hinaus stellte STMicroelectronics in Aussicht, dass sich der Datencenter-Umsatz bis 2027 erneut verdoppeln könnte – sofern die Nachfrage stark bleibt. Die bisherige Prognose für 2027 hatte noch deutlich über einer Milliarde Dollar gelegen. Die Aktie notierte zum Zeitpunkt der Meldung 0,3 Prozent tiefer bei 68,11 Euro.
Kioxia: Kursziel mehr als verdoppelt
Noch spektakulärer fällt die Neubewertung beim japanischen Speicherchiphersteller Kioxia Holdings aus. Analyst SK Kim von Daiwa Capital Markets hat das Kursziel für die Aktie von 50.000 Yen auf 123.000 Yen angehoben – eine Steigerung von fast 150 Prozent. Die Kaufempfehlung bleibt unverändert bestehen. Die Aktien legten zum Zeitpunkt der Analyse 2,4 Prozent auf 79.400 Yen zu.
Hintergrund ist der Investorentag des Unternehmens, auf dem das Management einen bevorstehenden Superzyklus im Speicherchipmarkt skizzierte. Dieser soll auf der Nachfrage nach KI-Infrastruktur sowie langfristigen Lieferverträgen basieren. Kioxia plant zudem, die Migration seiner Flash-Speicherprodukte der Generationen „BiCS 8" und „BiCS 10" zu beschleunigen, um die Technologieführerschaft zu behaupten. Das Management erwartet bis Ende 2027 ein knappes Angebot bei NAND-Speichern – angetrieben durch sogenannte Inferenz-KI, also KI-Systeme, die trainierte Modelle in der Praxis anwenden. Daiwa hebt seine Gewinnschätzungen (EPS) für Kioxia für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 um 32 bis 35 Prozent an.
Physische KI: Von der Fabrikhalle zur nächsten Wachstumswelle
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Zur AktienanalyseNeben den Datencenter-Trends rückt ein weiteres Thema in den Fokus der Analysten: physische KI. Die Experten von Macquarie beschreiben in einer aktuellen Mitteilung, wie sich die KI-Branche von generischen Anwendungen hin zu physischer KI wandelt. Diese soll künftig eingesetzt werden, um Kosten zu senken und die betriebliche Effizienz in Fabrikhallen zu verbessern.
Physische KI nutzt fortschrittliche Daten- und Testsimulationen, um das Training und Testen von KI-Modellen für reale, physische Umgebungen zu beschleunigen. Große Chiphersteller bauen dafür bereits robuste Ökosysteme auf: Sie veröffentlichen sogenannte Referenzdesigns für Roboter, die es Entwicklern ermöglichen, Prototypen auf Basis proprietärer Chipsätze zu erstellen. Als Beispiele nennt Macquarie Nvidias GR00T und Qualcomms IQ10. Der entscheidende Vorteil: Die Entwicklungszeit für Prototypen soll sich dadurch von Monaten auf wenige Tage verkürzen.
Die drei Meldungen zeichnen ein konsistentes Bild: Der KI-Investitionszyklus ist in vollem Gange und erfasst zunehmend auch spezialisierte Hardware-Segmente jenseits der klassischen Grafikprozessoren. Für Anleger im Technologiesektor bleiben Halbleiterunternehmen damit ein zentrales Thema.


