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KI-Boom könnte Fed-Chef Warsh bei Zinssenkungen bremsen

Apollo-Chefökonom Torsten Slok warnt: Der KI-Infrastrukturausbau heizt die Inflation an und erschwert schnelle Zinssenkungen.

KI-Boom könnte Fed-Chef Warsh bei Zinssenkungen bremsen

Der massive Ausbau der KI-Infrastruktur in den USA könnte den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh dazu zwingen, geplante Zinssenkungen zu verzögern. Das warnt Torsten Slok, Chefökonom von Apollo Global Management, in einer aktuellen Analyse. Der Experte sieht im KI-Boom einen unterschätzten Inflationstreiber, der die Geldpolitik der US-Notenbank erheblich unter Druck setzen dürfte.

„Wir werden wahrscheinlich noch ein wenig darauf warten müssen, da der KI-Boom anfangs sicherlich inflationär wirken wird", sagte Slok am Montag in der Bloomberg-TV-Sendung „Surveillance". Als konkrete Belege für den Inflationsdruck nannte er steigende Halbleiterpreise, höhere Energiekosten sowie steigende Arbeitskosten im Technologiesektor. „Wir sollten tatsächlich damit rechnen, dass der Ausbau von KI-Rechenzentren eher inflationär als disinflationär wirkt", so Slok weiter.

Warsh setzt auf KI-Produktivitätsgewinne – Slok widerspricht

Warsh hatte zuvor eine andere Sichtweise vertreten: Er argumentierte, dass Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz eine lockerere Geldpolitik ermöglichen sollten. Slok stellt diese Einschätzung nun infrage und betont, dass die kurzfristigen Inflationseffekte des KI-Ausbaus schwerer wiegen könnten als die erhofften Produktivitätsgewinne.

Der Inflationsdruck ist bereits in den aktuellen Daten spürbar. Der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed – erreichte im April 3,8 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2023. Das liegt deutlich über dem Zielwert der Fed von 2 Prozent. Zusätzlich zu den KI-bedingten Kosten tragen laut Slok auch verzögerte Auswirkungen von Zöllen sowie höhere Energiepreise zur Inflation bei.

Warsh wird am 16. und 17. Juni seine erste Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) leiten – ein wichtiger Termin, der von den Märkten genau beobachtet wird. Händler sehen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent, dass der FOMC die Zinsen in diesem Jahr anheben wird. Zum Vergleich: Noch vor dem 28. Februar hatten die Märkte auf mehr als zwei Zinssenkungen der Fed bis zum Jahresende gewettet.

Billionen-Investitionen der Tech-Giganten als Inflationsmotor

Ein zentraler Faktor für den Inflationsdruck ist das schiere Ausmaß der geplanten KI-Investitionen. Die größten US-Technologieunternehmen planen in diesem Jahr Investitionsausgaben von bis zu 725 Milliarden US-Dollar, primär für die Ausstattung von KI-Rechenzentren. Diese enormen Summen treiben die Nachfrage nach Chips, Energie und Fachkräften in die Höhe – mit entsprechenden Preisfolgen für die Gesamtwirtschaft.

Warshs Vorgänger Jerome Powell stand zuletzt unter erheblichem politischem Druck. Präsident Donald Trump kritisierte Powell scharf dafür, die Zinsen nicht schnell oder tief genug gesenkt zu haben. Warsh übernimmt das Amt damit in einem schwierigen Umfeld: hohe Inflation, geopolitische Unsicherheiten und ein technologischer Investitionsboom, dessen inflationäre Nebenwirkungen die Handlungsspielräume der Notenbank deutlich einengen könnten.

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