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KI-Boom in der Spielebranche: Große Entwickler profitieren am meisten

Künstliche Intelligenz verändert die Spieleentwicklung – doch der Vorteil landet vor allem bei etablierten Studios mit Ressourcen.

KI-Boom in der Spielebranche: Große Entwickler profitieren am meisten

Die Spielebranche erlebt durch generative Künstliche Intelligenz einen tiefgreifenden Wandel. Doch wie ein Insider aus der Mobile-Gaming-Welt berichtet, sind die Produktivitätsgewinne bislang bescheidener ausgefallen als vielfach erwartet – und die großen Entwickler dominieren weiterhin das Geschäft.

Stanislas Marchand, der bis 2024 die Spieleentwicklung beim französischen Mobile-Gaming-Einhorn Voodoo leitete, gibt seltene Einblicke in die Realität hinter dem KI-Hype. Sein Team testete jährlich rund 3.000 neue Spieletitel – ein schier unvorstellbares Volumen. „Es war ein industrieller Prozess", beschreibt Marchand diesen Ansatz. Die ernüchternde Bilanz: Von diesen 3.000 Ideen spielten lediglich ein oder zwei Titel mehr als 10 Millionen US-Dollar pro Jahr ein.

Die getesteten Spiele stammten dabei sowohl von Voodoos internen Teams als auch von unabhängigen Studios. Das zeigt, wie breit das Netz ausgeworfen wurde, um die wenigen erfolgreichen Titel zu identifizieren – ein klassisches Trichtermodell, bei dem nur ein Bruchteil der Ideen die Marktreife erreicht.

KI verkürzt Entwicklungszeit – aber nicht dramatisch

Vor dem Einsatz generativer KI dauerte es laut Marchand etwa 14 Tage, ein Handyspiel zu entwerfen, zu testen und marktreif zu machen. Mit dem Einsatz von KI-Tools konnte dieses Zeitfenster verkürzt werden – doch selbst nach dem Aufkommen der neuen Technologie seien die Produktivitätsgewinne „relativ bescheiden" geblieben, betont der ehemalige Voodoo-Manager ausdrücklich.

Diese Einschätzung ist bemerkenswert, denn sie kommt aus einem Unternehmen, das im Mobile-Gaming als eines der innovativsten Einhorns Europas gilt. Voodoo hat sich mit Hypercasual-Spielen einen Namen gemacht – also einfachen, schnell konsumierbaren Titeln, die auf maximale Reichweite ausgelegt sind. Gerade in diesem Segment, wo Geschwindigkeit und Volumen entscheidend sind, wären die Vorteile von KI besonders spürbar sein sollten.

Strukturelle Dominanz großer Studios bleibt bestehen

Die Zahlen verdeutlichen eine grundlegende Herausforderung der Branche: Selbst bei einem industriellen Testprozess mit Tausenden von Titeln pro Jahr schaffen es nur verschwindend wenige Spiele, wirtschaftlich relevant zu werden. Diese Selektion begünstigt Unternehmen mit tiefen Taschen und etablierten Vertriebskanälen – also genau jene großen Entwickler, die ohnehin bereits marktdominant sind.

Für unabhängige Studios und kleinere Entwickler bedeutet das: Auch wenn KI die Einstiegshürde bei der Spieleentwicklung senkt und die Produktion beschleunigt, bleibt der Zugang zu Testressourcen, Marketingbudgets und Distributionsplattformen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil der Großen. Der KI-Boom allein reicht nicht aus, um die strukturellen Ungleichgewichte in der Spielebranche zu überwinden.

Für deutsche Privatanleger, die in Gaming-Aktien oder entsprechende ETFs investieren, liefert diese Perspektive eine wichtige Einordnung: Der KI-getriebene Produktivitätsschub in der Spielebranche dürfte vor allem den bereits etablierten Playern zugutekommen – weniger den aufstrebenden Indie-Studios.

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