KI-Boom bedroht US-Gasexporte
Rechenzentren treiben Strombedarf und Preise, LNG-Anlagen geraten wirtschaftlich unter Druck

Der steigende Energiebedarf durch den rasanten Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz könnte erhebliche Auswirkungen auf die Exportwirtschaft für verflüssigtes Erdgas (LNG) in den Vereinigten Staaten haben. Während das Land über große Erdgasreserven verfügt und sich in den vergangenen 15 Jahren zum weltweit führenden LNG-Exporteur entwickelt hat, droht der zunehmende Stromverbrauch durch Rechenzentren die heimische Infrastruktur zu überlasten und die Erdgaspreise in die Höhe zu treiben. Die daraus resultierenden Preissteigerungen könnten die Wirtschaftlichkeit bestehender und geplanter LNG-Anlagen gefährden.
Die größten US-Technologieunternehmen wie Meta, Google, Amazon und Microsoft investieren derzeit Milliardenbeträge in neue Rechenzentren, um KI-Modelle zu trainieren und zu betreiben. Laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur wird der Anteil dieser Rechenzentren am US-amerikanischen Strommarkt von derzeit sechs auf 13 Prozent im Jahr 2030 steigen und damit fast die Hälfte des erwarteten Nachfragewachstums ausmachen. Allein zwischen 2024 und 2030 wird ein zusätzlicher Strombedarf von rund 240 Terawattstunden erwartet, wovon über 130 Terawattstunden durch Erdgas gedeckt werden sollen.
Obwohl viele Technologieunternehmen auch in erneuerbare Energien und Kernkraft investieren, spielt Erdgas aufgrund seiner Versorgungssicherheit weiterhin eine zentrale Rolle. Rechenzentren müssen besonders zuverlässig mit Strom versorgt werden und streben eine Betriebszeit von 99,999 Prozent an. Gas ist schon heute die wichtigste Energiequelle für Rechenzentren in den USA und deckt rund 40 Prozent ihres Bedarfs. Neue gasbetriebene Kraftwerke entstehen zunehmend in unmittelbarer Nähe zu Rechenzentren, wie etwa beim Stargate-Projekt in Texas.
Der Ausbau der US-Gasproduktion soll bis 2028 auf 27 Milliarden Kubikfuß pro Tag steigen und langfristig bis auf 40 Milliarden. Laut Prognosen der US-Energiebehörde wird die Produktion jedoch in den frühen 2030er Jahren ihren Höhepunkt erreichen. Parallel dazu erwarten Experten, dass der Preis für Erdgas von derzeit 2,94 auf 5,49 Dollar pro Million britischer Wärmeeinheiten im Jahr 2035 steigen wird. Hinzu kommt, dass der Bau von Gaskraftwerken deutlich teurer geworden ist und Engpässe bei Turbinen und Infrastruktur den Preisdruck weiter erhöhen.
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Zur AktienanalyseDie US-Energieinfrastruktur stößt bereits heute an ihre Grenzen. Veraltete Stromnetze und unzureichende Investitionen führten in den letzten Jahren zu großflächigen Stromausfällen, etwa in Texas und Florida. Sollten die Erdgaspreise weiter steigen, könnten LNG-Exporteure in den USA zunehmend unter Druck geraten, da ihre Betriebskosten deutlich steigen und ihre Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt sinkt.


