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KI-Ausverkauf trifft Technologieaktien: Nasdaq 100 im Korrekturbereich

Globale Halbleiteraktien brechen massiv ein, während Anleger die Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben hinterfragen.

KI-Ausverkauf trifft Technologieaktien: Nasdaq 100 im Korrekturbereich

US-Technologieaktien sind am Dienstag tief in den Korrekturbereich gerutscht. Der Nasdaq 100 verlor im frühen Handel 1,4 Prozent und hat damit seit seinem Allzeithoch Anfang Juni mehr als 10 Prozent eingebüßt. Auslöser ist ein sich verschärfender Ausverkauf bei globalen Chipherstellern, der von wachsenden Zweifeln an der Nachhaltigkeit des KI-Booms angetrieben wird.

Besonders hart traf es den Speicherlösungsriesen Sandisk: Nach einem Einbruch von 11 Prozent am Montag verlor die Aktie kurz nach Marktöffnung weitere 12,7 Prozent. Im vergangenen Monat hat Sandisk damit mehr als 40 Prozent seines Wertes vernichtet – liegt aber dennoch rund fünfmal höher als zu Beginn des Jahres 2026. Western Digital gab um 12,4 Prozent nach, während Micron, Advanced Micro Devices und Intel alle um mehr als 5 Prozent fielen.

Der breite S&P 500 zeigte sich dagegen widerstandsfähiger und verlor lediglich 0,3 Prozent. Sektoren wie Banken und Konsumgüter behaupteten sich, während Technologiewerte den Markt belasteten. Der S&P 500 liegt damit nur rund 3 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Anfang Juni.

Globale Märkte unter Druck

Der Ausverkauf erfasste auch die asiatischen Märkte. Der südkoreanische Kospi führte die Verluste an und fiel am frühen Dienstag um mehr als 10 Prozent – stark genug, um eine kurze Handelsunterbrechung auszulösen. Anleger stießen massiv Aktien der Chiphersteller SK Hynix und Samsung Electronics ab. SK Hynix hatte bereits am Montag 14,6 Prozent verloren, Samsung Electronics 13,4 Prozent. Im Juli sind die Aktienkurse beider Unternehmen um mehr als ein Drittel gefallen – im bisherigen Jahresverlauf liegen sie aber noch immer 138 Prozent (SK Hynix) bzw. 83 Prozent (Samsung) im Plus.

In Tokio fiel der Nikkei 225 um 4,4 Prozent. Der Speicherchiphersteller Kioxia brach um mehr als 18 Prozent ein. Seit Beginn des Ausverkaufs in diesem Monat hat sich der Aktienkurs von Kioxia halbiert. In Europa verlor ASML, der weltweit größte Hersteller von Anlagen zur Chipproduktion, 2,9 Prozent.

Zusätzlich zur Stimmung belasteten Sorgen über ein künftiges Überangebot. SK Hynix und Samsung haben angekündigt, jeweils zwei neue Chipwerke in Südkorea zu bauen – als Teil einer gemeinsamen Investition von 800 Billionen Won (rund 548 Milliarden US-Dollar), um die DRAM-Produktionskapazität innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln.

Berichtssaison als nächster Stresstest

Die Turbulenzen ereignen sich mitten in der Berichtssaison für das zweite Quartal. In dieser Woche legen die Tech-Giganten Microsoft, Meta, Apple und Amazon ihre Ergebnisse vor. Die bisherigen Berichte haben die Nervosität der Anleger bereits deutlich offenbart: Der Aktienkurs von Alphabet fiel vergangene Woche an einem einzigen Tag um 7 Prozent, nachdem das Unternehmen bekannt gegeben hatte, dass Google im zweiten Quartal Barmittel verbrannt habe, um die Ausgaben für die KI-Infrastruktur zu finanzieren.

„Sorgen um Finanzierungsunsicherheiten, steigende Investitionsausgaben und der freie Cashflow von Big Tech sind in den Mittelpunkt gerückt", erklärte Venu Krishna, Leiter der US-Aktienstrategie bei Barclays. Marija Veitmane, Leiterin der Aktienanalyse bei State Street, beschrieb die Lage als eine sich aufbauende „Spirale" mit negativem Momentum. Sie betonte jedoch auch: „Wenn man die Ergebnisse der Unternehmen liest, die bisher berichtet haben, ist die Nachfrage immer noch fantastisch stark – für uns ist das eine Gelegenheit zum Einstieg bei Kursrücksetzern."

Albert Saporta, Group Chief Executive des Vermögensverwalters GAM, sieht die Bewegungen als Zeichen einer grundlegenderen Ernüchterung. Er führte den Ausverkauf auf „die Erkenntnis zurück, dass dieser KI-Investitionsrausch wie alle Investitionsräusche in einem Zusammenbruch enden wird." Saporta verwies zudem auf steigende Preise für Credit Default Swaps bei Unternehmen wie Oracle, SpaceX, Alphabet, Amazon, Meta, Broadcom und Nvidia als Hinweis auf eine „Abrechnung der Anleger" mit den KI-Ausgabenplänen.

Chinesische KI-Konkurrenz als zusätzlicher Belastungsfaktor

Neben den Bewertungsfragen sorgt auch der Wettbewerb aus China für Unruhe. Das chinesische KI-Start-up Moonshot veröffentlichte vergangene Woche ein großes Sprachmodell, das Fähigkeiten zu besitzen scheint, die denen führender US-Labore wie Anthropic nahekommen. Diese Enthüllung verunsicherte Anleger, die auf die Dominanz der Silicon-Valley-Giganten gesetzt hatten.

„Tech-Sorgen waren heute Morgen der dominierende Faktor in Asien, da erneute Bedenken über KI-Investitionsausgaben und der Wettbewerb durch günstigere chinesische Unternehmen einen weiteren Ausverkauf bei globalen Halbleiteraktien ausgelöst haben", kommentierte Jim Reid, Analyst bei der Deutschen Bank. Die Kombination aus Bewertungsdruck, Überangebots-Sorgen und chinesischer Konkurrenz setzt die gesamte Halbleiterbranche unter erheblichen Druck – ausgerechnet in einer Woche, in der die wichtigsten Quartalsergebnisse der Tech-Branche anstehen.

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