KI-Aktien unter Druck: Platzt die Technologie-Blase jetzt?
Starke Kursverluste bei Chipherstellern schüren Sorgen, ob die KI-Euphorie an den Märkten nachhaltig ist.

Kursverluste bei führenden Chipherstellern haben Anleger weltweit aufgeschreckt und eine alte Frage neu entfacht: Steckt die Begeisterung rund um künstliche Intelligenz in einer Blase – und steht diese kurz vor dem Platzen? Die KI-Revolution versprach, Arbeits- und Lebensweise grundlegend zu verändern, und hat Anlegern einer Handvoll Unternehmen enormen Wohlstand beschert. Doch nun zeigen sich erste Risse in der Euphorie.
Sir Demis Hassabis, Gründer des britischen KI-Unternehmens DeepMind – das vor einem Jahrzehnt von Google übernommen wurde – hatte die Bedeutung der Technologie einst in dramatische Worte gefasst. Künstliche Intelligenz sei „nicht mit standardmäßigen technologischen Durchbrüchen vergleichbar, selbst nicht mit so folgenreichen wie dem Internet oder dem Mobilfunk", sagte er. Sie ähnle vielmehr „der Entdeckung der Elektrizität oder des Feuers." Mit Blick auf die Siliziumchips, die aus Sand bestehen, fügte er hinzu: „Wir haben im Wesentlichen einen Weg gefunden, Sand zum Denken zu bringen. Es ist ein Wunder."
Massive Kursverluste in Asien
Besonders heftig traf es zuletzt asiatische Chiphersteller. Die Aktien des koreanischen Unternehmens SK Hynix verloren im vergangenen Monat rund 46 Prozent ihres Wertes, Samsung-Aktien brachen um 35 Prozent ein. Hintergrund ist die Sorge der Anleger, dass der jüngste Nachfrageboom nach KI-Chips nicht nachhaltig sein könnte. Dennoch relativiert sich das Bild im Jahresvergleich: SK Hynix hat sich gegenüber dem Vorjahr verfünffacht, Samsung immerhin verdreifacht – viele Marktbeobachter sehen die Korrekturen daher als gesunde Gewinnmitnahmen nach extremen Kursgewinnen.
Die Sorgen griffen jedoch auch auf US-Schwergewichte über. Aktien von Google und Tesla brachen kurzzeitig ein, erholten sich aber wieder, nachdem beide Unternehmen weitere milliardenschwere KI-Investitionen für die kommenden Monate und Jahre angekündigt hatten – obwohl sie damit bislang Verluste schreiben. Der technologielastige Nasdaq-Index beendete einen Handelstag rund 9 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Juni, was teilweise auf Bedenken über die hohen KI-Ausgaben zurückzuführen war.
Skepsis über Renditen wächst
„Es gibt immer noch eine gesunde Skepsis hinsichtlich der Fähigkeit dieser Investitionen, eine angemessene Rendite zu erwirtschaften", sagte Russ Mould, Investmentdirektor bei AJ Bell. Tatsächlich stehen Unternehmen wie Meta, Alphabet, OpenAI und Anthropic vor der schwierigen Aufgabe, Endnutzern genug in Rechnung zu stellen, um die Hunderte Milliarden Dollar zu rechtfertigen, die für Chips und Rechenzentren ausgegeben werden. Unternehmen, die massive Steigerungen ihrer KI-Ausgaben ankündigten, wurden von Anlegern zuletzt nicht mehr automatisch mit Begeisterung belohnt.
Die führende Tech-Investorin Eileen Burbidge sieht dennoch keine unmittelbare Katastrophe. „Die KI-Blase ist nicht geplatzt, aber sie lässt Luft ab", sagte sie der BBC. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Kursentwicklungen wider: Während SpaceX – das überwiegend als KI-Unternehmen gilt – seit seinem vielbeachteten Börsendebüt rund 14 Prozent verlor und fast 50 Prozent unter seinem Höchststand vom Juni notiert, konnte Apple – das sich beim KI-Wettrüsten weitgehend zurückgehalten hat – seine Aktien im letzten Monat um 21 Prozent steigern und damit den Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt vom Chiphersteller Nvidia zurückerobern.
Geopolitik und strukturelle Risiken
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Zur AktienanalyseZusätzliche Unruhe stiftete ein berichteter Durchbruch eines chinesischen Unternehmens im Chipfertigungsprozess, der China bei Design und Produktion von Halbleitern potenziell unabhängiger machen könnte. Dies verschärft die ohnehin bestehenden geopolitischen Spannungen im globalen Chipmarkt und könnte die Wettbewerbsposition westlicher Unternehmen langfristig belasten.
Hinzu kommen strukturelle Risiken: Anders als Eisenbahngleise, die nach ihrem Bau jahrzehntelang nutzbar sind, müssen Rechenzentren wahrscheinlich häufig modernisiert werden, um die neuesten Prozessoren zu integrieren. Zudem bestehen Sorgen über zirkuläre Finanzierungsstrukturen, bei denen große KI-Unternehmen gegenseitig Beteiligungen eingegangen sind oder sich Geld geliehen haben – potenzielle Ausfälle könnten so kettenartig auf andere durchschlagen.
Auch gesellschaftlicher Widerstand wächst: Eine zunehmende Zahl von Regierungen auf nationaler, staatlicher und lokaler Ebene stoppt oder beschränkt den Bau neuer Rechenzentren aus Umweltgründen – wegen deren enormem Wasser- und Energiebedarf. Prominente KI-Befürworter wurden von Studenten ausgebuht, die fürchten, dass KI viele Arbeitsplätze vernichten könnte. Der Londoner FTSE 100, den manche als „Anti-Tech-Index" bezeichnen, erreichte derweil kurzzeitig ein Rekordhoch – eine der wenigen Perioden, in denen er davon profitierte, nicht technologielastig zu sein.


