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Kevin Warsh prägt Nachfolgesuche bei der Atlanta Fed

Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh greift aktiv in die Präsidentensuche der Atlanta Fed ein – mit politischer Brisanz.

Kevin Warsh prägt Nachfolgesuche bei der Atlanta Fed

Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, mischt sich aktiv in die Besetzung des vakanten Präsidentenpostens der Atlanta Fed ein. Wie zwei mit dem Einstellungsprozess vertraute Personen gegenüber CNBC unter der Bedingung der Anonymität erklärten, wurde der ursprünglich unter Jerome Powell gestartete Auswahlprozess teilweise unterbrochen, um Warsh die Aufsicht über die Ernennung zu ermöglichen. Der Posten ist seit Februar 2026 vakant, als Raphael Bostic nach dem Ende seiner Amtszeit zurücktrat.

Als möglicher Kandidat für die Position wurde Michael Faulkender ins Spiel gebracht. Faulkender war von März bis August 2025 stellvertretender Finanzminister unter Präsident Donald Trump und ist heute Finanzprofessor an der University of Maryland. Er fungierte zudem kurzzeitig als kommissarischer Leiter der US-Steuerbehörde IRS, bevor er von seinem Posten im Finanzministerium zurücktrat, nachdem Trump das Vertrauen in ihn verloren hatte. Ob Faulkender weiterhin als Kandidat gilt, ist unklar. Die Atlanta Fed, die Fed selbst und Faulkender lehnten eine Stellungnahme ab.

Warsh will die Fed umgestalten

Warsh hat seit seinem Amtsantritt einen sogenannten „Regimewechsel" bei der Fed versprochen. Dieser soll ein Überdenken der Zinsfestsetzung und der Bilanzpolitik, der Kommunikation sowie der Daten umfassen, die die Zentralbank zur Einschätzung der Wirtschaft heranzieht. Gleichzeitig übernimmt er eine Institution, deren Mitglieder überwiegend von Powell und dessen Vorgängern geprägt wurden. Jenseits der Atlanta-Ernennung hat Warsh nur wenige unmittelbare Möglichkeiten, Verbündete in den Offenmarktausschuss (FOMC) zu bringen.

Kürzlich kündigte Warsh fünf Task Forces an, die untersuchen sollen, was er bei der Fed verändern möchte. Diese werden mit externen Experten besetzt – keine amtierenden Gouverneure oder Regionalpräsidenten der Fed werden darin vertreten sein. Das unterstreicht Warshs Absicht, frische Perspektiven von außen einzubringen.

Bei seiner ersten FOMC-Sitzung widersetzte sich Warsh den Erwartungen vieler Analysten und gab Trumps Forderungen nach raschen Zinssenkungen nicht nach. Seine hawkishe Pressekonferenz veranlasste die Märkte dazu, ihre Zinsprognosen anzuheben. Beobachter sehen in der Ernennung für Atlanta eine weitere Gelegenheit für Warsh, seine Unabhängigkeit von der Trump-Regierung zu demonstrieren.

So funktioniert die Auswahl regionaler Fed-Präsidenten

Das Verfahren zur Besetzung regionaler Fed-Präsidenten ist im Federal Reserve Act geregelt. Die zwölf regionalen Bankpräsidenten werden in einem Abstimmungsprozess zwischen den Direktoren der jeweiligen Regionalbank und dem Gouverneursrat in Washington ausgewählt. Ziel dieser Regelung ist es, die Macht des Washingtoner Rates und der einflussreichen New York Fed durch regionale Vertretung auszubalancieren.

Üblicherweise beauftragen die Direktoren der lokalen Bank eine Personalberatung und erstellen eine Kandidatenliste. Nach Rücksprache mit Washington wählen die Direktoren dann einen Präsidenten, der für den Rat und den Vorsitzenden akzeptabel ist. Im aktuellen Fall leitet die Personalberatung Heidrick & Struggles die Suche. Das Unternehmen reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.

Bankdirektoren verfolgen dabei oft eigene Agenden. So hat beispielsweise die Kansas City Fed über Jahrzehnte hinweg eine Reihe restriktiver Kandidaten gewählt, die die meisten Gegenstimmen im FOMC gegen Zinssenkungen gesammelt haben. Der Präsident der Atlanta Fed wird im Jahr 2027 im FOMC stimmberechtigt sein. Derzeit wird die Bank von der interimistischen Präsidentin Cheryl Venable geleitet.

Politische Unabhängigkeit der Fed steht auf dem Spiel

Die Besetzung der Atlanta-Position wird von Beobachtern genau auf Anzeichen von Loyalität gegenüber oder Unabhängigkeit von der Trump-Regierung geprüft werden. Powell hatte in seiner letzten Pressekonferenz als Vorsitzender ausdrücklich Besorgnis über politische Einflussnahme auf die Regionalpräsidenten geäußert. „Wäre das der Anfang vom Ende der Fähigkeit der Fed, Geldpolitik unabhängig zu gestalten", sagte Powell im April.

Warsh erklärte bei seiner Bestätigungsanhörung im April, dass er mit dem geforderten „Regimewechsel" nicht die Ersetzung der regionalen Bankpräsidenten gemeint habe. Dennoch bleibt die Frage seiner Unabhängigkeit von der Trump-Regierung ein zentrales Thema. Raphael Bostic, dessen Nachfolge nun gesucht wird, war 2017 der erste Afroamerikaner an der Spitze einer regionalen Notenbank – ernannt unter dem Druck des Kongresses und externer Interessengruppen, die eine Diversifizierung der Fed-Führung forderten.

Langfristig könnte Warsh das FOMC-Gremium stärker umgestalten. Der Oberste Gerichtshof wird bald darüber entscheiden, ob Gouverneurin Lisa Cook ihr Amt weiter ausüben darf, nachdem Trump im vergangenen Jahr versucht hatte, sie zu entlassen. Zudem laufen 2028 die Amtszeiten von Powell sowie der Regionalpräsidenten John Williams (New York), Mary Daly (San Francisco) und Tom Barkin (Richmond) aus. Besonders die Nachfolge von Williams gilt als strategisch bedeutsam: Der Präsident der New York Fed besitzt als einziger regionaler Bankchef ein ständiges Stimmrecht im FOMC.

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