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Kevin Warsh prägt Fed-Kurs mit schlankem Zentralbankansatz

Bei seiner ersten geldpolitischen Sitzung setzt der neue Fed-Chef auf knappe Kommunikation – mit unerwarteten Marktfolgen.

Kevin Warsh prägt Fed-Kurs mit schlankem Zentralbankansatz

Kevin Warsh hat bei seiner ersten Sitzung als Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve einen klaren Kurswechsel signalisiert. Die Zinsen blieben unverändert in der Spanne von 3,50 % bis 3,75 %, in der sie sich seit Dezember befinden. Doch nicht die Zinsentscheidung selbst sorgte für Aufsehen, sondern die Art und Weise, wie Warsh sie kommunizierte.

Der neue Fed-Chef orientiert sich erkennbar am Kommunikationsstil der 1990er Jahre – einer Ära, in der Alan Greenspan berühmt dafür war, die Öffentlichkeit möglichst wenig an seinen Überlegungen teilhaben zu lassen. Warsh strebt damit eine Rückkehr zum reduzierten Zentralbankwesen an, bevor die Krisen des 21. Jahrhunderts die Fed ins Zentrum des Wirtschaftsmanagements rückten und ihren Chef zum obersten Tröster für Märkte und Öffentlichkeit machten.

Märkte reagieren mit steigenden Anleiherenditen

Die knappe Pressekonferenz am Mittwoch hatte unmittelbare Folgen an den Finanzmärkten. Warshs starker Fokus auf das Thema Inflation – ohne nuanciertere Erläuterungen zur Hürde für mögliche Zinserhöhungen – ließ Anleger auf eine baldige Anhebung schließen. Die Anleiherenditen begannen daraufhin zu steigen.

Krishna Guha, ehemaliger hochrangiger Kommunikationsverantwortlicher der New York Fed und heute Vizevorsitzender sowie Leiter der Abteilung für Wirtschaft und Zentralbankstrategie bei Evercore ISI, kommentierte die Reaktion scharf. Die Marktbewegung sei „durch die Warsh-Pressekonferenz massiv verstärkt" worden, die eine „falkenhafte, fast ausschließlich auf das Mandat der Preisstabilität ausgerichtete Betonung mit dem völligen Fehlen jeglicher modulierender Diskussion über die Strategie oder die Reaktionsfunktion der Fed kombinierte". Guha betonte, dass genau diese Diskussion „ein effektiveres Zentralbankwesen unterstützt" – ein Grundpfeiler der aktuellen Notenbankpraxis.

Gleichzeitig lieferte der sogenannte „Dot Plot" – das Instrument zur Darstellung der Zinsprojektionen der Fed-Entscheidungsträger – jene Informationen, über die Warsh in der Pressekonferenz nicht sprechen wollte: Die Mehrheit der Entscheidungsträger tendiert zur wahrscheinlichen Notwendigkeit von Zinserhöhungen noch in diesem Jahr.

Neue Formulierungen werfen neue Fragen auf

Neben dem Kommunikationsstil fiel auch die veränderte Sprache in der offiziellen Erklärung auf. Unter dem früheren Vorsitzenden Jerome Powell hieß es schlicht, die Inflation sei „erhöht". Die erste Warsh-Erklärung formulierte dies konditionaler: Die Inflation sei „im Vergleich zum 2%-Ziel des Ausschusses" erhöht. Diese Formulierung könnte darauf hindeuten, dass die Inflation im absoluten Sinne nicht als übermäßig betrachtet wird.

Warsh bekräftigte zwar das 2%-Inflationsziel, erklärte jedoch auch, dass die Nachkommastellen keine Rolle spielten. Dies lässt auf eine gewisse Toleranz gegenüber einer Inflation schließen, die lediglich in der Nähe des Ziels liegt – ohne es exakt zu treffen.

Auch die Beschreibung des Arbeitsmarkts wurde neu gefasst. Anstatt das Beschäftigungswachstum direkt zu charakterisieren, heißt es in der neuen Erklärung, die Beschäftigungszuwächse hätten „mit der Erwerbsbevölkerung Schritt gehalten". Diese Formulierung umgeht eine direkte Bewertung und lässt mehr Interpretationsspielraum offen.

Die zentrale Frage bleibt damit unbeantwortet: Ob der reduzierte Ansatz, den Warsh für die Fed anstrebt, mit einer komplexer gewordenen Welt, einem polarisierten Informationsumfeld und Märkten vereinbar ist, die an eine stetige Versorgung mit Kommentaren der wichtigsten Entscheidungsträger gewöhnt sind. Knappe Erklärungen bedeuten eben nicht zwangsläufig klare Erklärungen – wie die erste Sitzung unter Warsh eindrücklich gezeigt hat.

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