Kasachstan stellt OPEC+ vor Zerreißprobe
Riad droht mit Preiskampf – Allianz droht an innerem Widerstand zu zerbrechen

Kasachstans offene Abkehr von den Produktionsvorgaben der OPEC+-Allianz könnte auf einen bevorstehenden Austritt des zentralasiatischen Landes aus dem Bündnis hindeuten. Diese Entwicklung birgt das Potenzial, Saudi-Arabien zu einer neuen Öl-Preisschlacht zu zwingen. Der neu ernannte Energieminister Kasachstans, Erlan Akkenzhenov, erklärte, dass das Land künftig nationale Interessen über die Vereinbarungen mit OPEC+ stellen werde. Damit deutete er an, dass sich Kasachstan nicht mehr an die vereinbarten Förderkürzungen halten werde, auf die sich die Mitgliedsstaaten verständigt hatten.
Seit dem Jahr 2022 hatten sich die Mitglieder von OPEC+ auf gemeinsame Förderkürzungen in Höhe von insgesamt rund 5,85 Millionen Barrel pro Tag verständigt, was etwa sechs Prozent der weltweiten Ölproduktion entspricht. Diese Vereinbarungen wurden jedoch nicht von allen Mitgliedern konsequent eingehalten. Neben Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten hat insbesondere Kasachstan in jüngster Zeit deutlich über dem vereinbarten Produktionsziel gefördert. Im März stieg die kasachische Rohölförderung auf 1,85 Millionen Barrel pro Tag, nachdem die Erweiterung des riesigen Tengiz-Ölfeldes in Betrieb genommen wurde. Das liegt deutlich über dem Förderlimit von 1,468 Millionen Barrel täglich, das für das Land festgelegt worden war.
Diese Entwicklung stellt die Stabilität der OPEC+-Allianz infrage. Insbesondere Saudi-Arabien, das laut Schätzungen des IWF einen Ölpreis von über 90 US-Dollar pro Barrel benötigt, um seinen Staatshaushalt auszugleichen, zeigt sich zunehmend unzufrieden mit der mangelnden Disziplin innerhalb der Allianz. Anfang April reagierten Saudi-Arabien und andere Mitglieder mit einer unerwarteten Einigung zur Erhöhung der Fördermenge um 411.000 Barrel pro Tag im Mai. Gleichzeitig senkte Saudi-Arabien seine Verkaufspreise für den asiatischen Markt auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten.
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Zur AktienanalyseEin anhaltender Preiswettbewerb könnte zahlreiche Ölfelder weltweit unrentabel machen und kleinere Produzenten zwingen, ihre Förderung einzustellen. In einem solchen Szenario könnten Produzenten mit besonders niedrigen Produktionskosten, wie Saudi-Arabien und andere Golfstaaten, ihre Marktanteile ausbauen. Zugleich wäre ein langanhaltender Preisverfall für sie selbst finanziell schmerzhaft. Kasachstans Haltung könnte andere Mitglieder dazu ermutigen, eigene Interessen über die Einhaltung der Fördervereinbarungen zu stellen, was die Allianz weiter schwächen würde.


