Kann KI das globale Produktivitätsproblem endlich lösen?
Stanford-Ökonom Nick Bloom analysiert im FT-Podcast, warum KI die Wirtschaft massiv ankurbeln könnte – und welche Rolle Homeoffice spielt.

Die Produktivität in den Industrieländern stagniert seit 15 Jahren. Schwache Nachfrage, mangelnder Wettbewerb und ein Mangel an neuen Ideen gelten als Hauptursachen für diesen anhaltenden Trend. Nun stellt sich eine entscheidende Frage: Könnte Künstliche Intelligenz diesen Stillstand endlich durchbrechen?
Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Folge des FT-Podcasts, moderiert von Soumaya Keynes. Zu Gast ist Nick Bloom, Ökonomieprofessor an der renommierten Stanford University. Bloom gehört zu den führenden Forschern, die sich mit Produktivität, Arbeitsmarkt und den Auswirkungen neuer Technologien auf die Wirtschaft befassen.
KI als Hoffnungsträger für Unternehmen
Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Erwartungshaltung in der Unternehmenswelt. Laut Bloom erwarten CFOs und CEOs, dass KI ihre Unternehmen massiv ankurbeln wird. Diese Zuversicht auf Führungsebene ist bemerkenswert – und wirft zugleich die Frage auf, ob das Produktivitätswachstum durch KI bereits greifbar ist oder ob es sich noch um Zukunftshoffnungen handelt.
Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt ist die Verteilung der wirtschaftlichen Gewinne durch KI. Bloom beleuchtet, wie konzentriert – oder eben nicht konzentriert – diese Gewinne ausfallen könnten. Für Anleger und Wirtschaftsbeobachter ist dies eine entscheidende Frage: Profitieren vor allem große Technologiekonzerne, oder verteilen sich die Vorteile breiter über verschiedene Branchen und Unternehmen?
Homeoffice, Produktivität und Geburtenraten
Neben dem KI-Schwerpunkt greift das Gespräch ein weiteres aktuelles Thema auf: die Auswirkungen von Homeoffice auf die Arbeitsleistung. Bloom, der als einer der weltweit führenden Forscher zum Thema Remote Work gilt, argumentiert, dass Homeoffice nicht nur gut für die Produktivität sein kann, sondern möglicherweise auch positive Effekte auf die Geburtenraten hat. Dieser Zusammenhang ist für politische Entscheidungsträger und Ökonomen gleichermaßen relevant, da viele westliche Länder – darunter auch Deutschland – mit demografischen Herausforderungen kämpfen.
Das Produktivitätsrätsel beschäftigt Ökonomen weltweit seit der Finanzkrise 2008. Trotz enormer technologischer Fortschritte – von Smartphones über Cloud-Computing bis hin zu Big Data – blieb das erhoffte Produktivitätswachstum in den meisten Industrieländern aus. Dieses Phänomen wird in der Wirtschaftswissenschaft auch als „Produktivitätsparadoxon" bezeichnet. KI gilt nun als möglicherweise transformative Technologie, die diesen Trend brechen könnte – ähnlich wie einst die Einführung von Elektrizität oder des Internets.
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Zur AktienanalyseWie viel Wert schafft KI wirklich?
Die entscheidende Frage bleibt, wie viel Wert KI tatsächlich schafft. Während Technologieunternehmen und Unternehmenslenker optimistisch sind, mahnen manche Ökonomen zur Vorsicht. Die Erfahrung zeigt, dass es oft Jahrzehnte dauert, bis neue Technologien ihren vollen wirtschaftlichen Effekt entfalten. Der FT-Podcast mit Nick Bloom liefert dazu wichtige Einordnungen und Perspektiven.
Der Podcast „Soumaya Keynes" ist auf Apple Podcasts, Spotify, Pocket Casts sowie auf weiteren Plattformen verfügbar. Ein vollständiges Transkript der Folge ist auf FT.com abrufbar. Produziert wurde die Folge von Mischa Frankl-Duval, mit Originalmusik von Breen Turner und Sounddesign von Sean McGarrity.


