Jysk trotzt Möbelkrise: Dänischer Händler wächst stark
Während die deutsche Möbelbranche schwächelt, verzeichnet Jysk Rekordumsätze. Der dänische Händler profitiert von seiner Preisstrategie und wächst auch gegenüber Platzhirsch Ikea.

Die deutsche Möbelbranche steckt in der Krise. Im ersten Dreivierteljahr 2025 sank der Branchenumsatz um 4,3 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Verband der Deutschen Möbelindustrie einen Rückgang auf knapp 16 Milliarden Euro – das niedrigste Niveau seit 2010.
Doch es gibt eine bemerkenswerte Ausnahme: Der dänische Möbelhändler Jysk verzeichnet das vierte Jahr in Folge Rekordumsätze. Im Geschäftsjahr 2024/25 steigerte das Unternehmen seinen Deutschland-Umsatz um über fünf Prozent auf fast 1,3 Milliarden Euro.
Weltweites Wachstum gegen den Trend
Global präsentiert sich das Bild noch eindrucksvoller: Der Konzernumsatz kletterte um 11,8 Prozent auf rund 6,2 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern sprang um fast 27 Prozent auf 753 Millionen Euro. Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zur stockenden Branche.
"Der Möbelhandel wird bestenfalls eine Seitwärtsbewegung machen", analysiert Philipp Hoog von der Handelsberatung BBE. Die zurückhaltende Konsumstimmung und hohe Sparneigung der Verbraucher spielen Jysk dabei "stark in die Karten". Der Händler bietet kleines Wohnglück zum kleinen Preis – genau das, was Kunden in unsicheren Zeiten suchen.
Preiswerthaltig statt Billigladen
Jysk positioniert sich geschickt zwischen den Extremen. "Wir sehen uns nicht als Discounter, sondern als Fachmarkt", betont Deutschlandchef Christian Schirmer. Das Konzept verbindet niedrige Preise mit ansprechender Warenpräsentation und skandinavischem Design.
Handelsexperte Hoog bezeichnet Jysk als "Value-Retailer mit extremem Fokus auf das Preis-Leistungs-Verhältnis". Handtücher gibt es bereits ab zwei Euro, Kommoden deutlich unter 100 Euro. Gleichzeitig wirkt die Verkaufsfläche wertig und folgt dem beliebten "Hygge"-Konzept mit ruhigen Farbtönen und nordischem Design.
Mutiges Rebranding zahlt sich aus
Das größte Projekt der Unternehmensgeschichte war die Umbenennung vom "Dänischen Bettenlager" zu Jysk im Jahr 2021. Rund 270 Millionen Euro investierte das Unternehmen in die Transformation – fast eine Viertelmillion Euro pro Standort.
Zunächst sackte die Markenbekanntheit von 82 Prozent auf nur 40 Prozent ab. Heute kennen laut Yougov wieder 70 Prozent der Deutschen die Marke. Mehr als 800 der über 900 deutschen Filialen wurden bereits auf das neue Konzept umgestellt.
Ikea unter Druck
Die Schweden spüren den Gegenwind deutlich. Während Ikea in Deutschland 2024 einen Umsatzrückgang von gut vier Prozent auf 6,2 Milliarden Euro hinnehmen musste, wächst Jysk kontinuierlich. Der Klassenunterschied besteht zwar noch, doch er schrumpft.
"Was für Ikea gefährlich werden kann, sind die margenstarken Ergänzungskäufe von preisgetriebenen Kunden", warnt Handelsexperte Hoog. Diese tätigen Verbraucher zunehmend bei Jysk. Mit über 3500 Läden in 50 Ländern verfügt der dänische Händler über eine beeindruckende globale Präsenz.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAufholbedarf im Online-Geschäft
Trotz des Erfolgs gibt es Nachholbedarf: Der Online-Anteil liegt noch unter zehn Prozent, obwohl das digitale Geschäft jährlich um 20 bis 30 Prozent wächst. Ikea meldet dagegen bereits einen Online-Anteil von 25 Prozent – das entspricht 1,5 Milliarden Euro und damit mehr als Jysks gesamter Deutschland-Umsatz.
Schirmer plant dennoch ambitioniert: "Am liebsten würde ich pro Jahr zehn neue Stores eröffnen." Prioritär sei jedoch die Optimierung des bestehenden Portfolios. Mit kompakten 950 Quadratmetern Verkaufsfläche kann Jysk flexibel auf Marktveränderungen reagieren – ein Vorteil gegenüber den großflächigen Ikea-Filialen mit über 30.000 Quadratmetern.
Ausblick für Anleger
Jysk beweist, dass auch in einer schwächelnden Branche profitables Wachstum möglich ist. Die Kombination aus konsequenter Preisstrategie, skandinavischem Design und flexiblem Filialkonzept überzeugt Kunden. Während etablierte Wettbewerber unter Druck stehen, baut der dänische Herausforderer seine Marktposition systematisch aus.


