JPMorgan senkt Goldprognose 2026 – Erholung im zweiten Halbjahr erwartet
Schwache Nachfrage und gedämpfte ETF-Zuflüsse zwingen JPMorgan zur Revision – langfristiges Kursziel von 6.000 Dollar bleibt bestehen.

JPMorgan hat seine Goldpreisprognose für das Jahr 2026 deutlich nach unten korrigiert. Die US-Großbank senkte ihre Schätzung für den durchschnittlichen Goldpreis von zuvor 5.708 Dollar auf 5.243 Dollar pro Unze. Als Hauptgrund nennt das Institut eine nachlassende Dynamik der kurzfristigen Nachfrage sowie eine verhaltene Positionierung der Anleger.
Trotz der Revision hält JPMorgan an seinem optimistischen Basisszenario fest. Die Bank sieht Gold bis zum Jahresende weiterhin auf 6.000 Dollar pro Feinunze steigen – ein ambitioniertes Ziel, das auf strukturellen Langfristtreibern basiert. Aktuell bewegt sich der Goldpreis zwischen dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei rund 4.340 Dollar und dem 50-Tage-Durchschnitt bei 4.730 Dollar pro Unze.
Anleger halten sich zurück
„Gold steht für die meisten Anleger momentan hinten an", schrieben die Analysten der Bank unter der Leitung von Gregory Shearer. Als wesentlichen Belastungsfaktor nennen sie die wachsende Sorge, dass die US-Notenbank Federal Reserve auf eine energiegetriebene Inflation mit Zinserhöhungen reagieren muss. Sowohl das Open Interest bei Gold-Futures als auch die ETF-Zuflüsse bleiben laut JPMorgan weiterhin gering.
Die Bank betont jedoch, dass der aktuelle Rücksetzer eher eine Atempause als eine strukturelle Veränderung darstellt. Das langfristig optimistische Szenario – gestützt auf fiskalische Risiken, Währungsabwertung, geopolitische Fragmentierung und Sorgen über die Unvorhersehbarkeit der US-Politik – bleibe intakt. Es sei lediglich „pausiert, bis mehr Klarheit über eine Beilegung des Iran-Konflikts herrscht", so die Analysten.
Straße von Hormus als entscheidender Katalysator
Als wichtigsten Auslöser für eine Erholungsrallye beobachtet JPMorgan eine potenzielle Wiedereröffnung der Straße von Hormus, die die Ölanalysten der Bank für Juni erwarten. Eine klare Lösung des Konflikts würde die Inflationsrisiken mindern und die jüngste Stärke des US-Dollars sowie der Realrenditen umkehren. In diesem Szenario könnte Gold in Richtung des technischen Widerstands von 4.900 bis 5.100 Dollar pro Unze ansteigen.
Von diesem Niveau aus rechnet die Bank damit, dass Anleger, die ihre Goldbestände zur Risikoreduzierung abgebaut haben, wieder in den Markt einsteigen. Die Nachfrage dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte erneut beschleunigen, so die Einschätzung der Analysten.
Zentralbankkäufe und ETF-Zuflüsse revidiert
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Zur AktienanalyseJPMorgan passte auch seine Erwartungen für die Zentralbanknachfrage an. Die Schätzung für Zentralbankkäufe im Jahr 2026 wurde von 800 Tonnen auf 640 Tonnen gesenkt. Hintergrund sind schwache gemeldete Nettokäufe im ersten Quartal: Diese lagen bei lediglich 16 Tonnen, da die Verkäufe sprunghaft anstiegen. Die Gesamtkäufe inklusive nicht gemeldeter Transaktionen beliefen sich laut Schätzungen des World Gold Council und von Metals Focus dennoch auf 244 Tonnen im Quartal.
Auch die Prognose für ETF-Zuflüsse wurde für das Gesamtjahr von 580 Tonnen auf rund 400 Tonnen reduziert. Dennoch verweist JPMorgan darauf, dass die weltweiten ETF-Bestände seit Jahresbeginn immer noch um 108 Tonnen gestiegen sind – ein Zeichen, dass das Interesse an Gold als Anlageklasse nicht vollständig erlahmt ist.
Das größte Abwärtsrisiko für den Ausblick sehen die Analysten in einem Szenario, in dem ein starker US-Arbeitsmarkt und beschleunigte Inflation die Fed in einen anhaltenden Zinserhöhungszyklus zwingen. Dies könnte dauerhafte Abflüsse aus westlichen Gold-ETFs auslösen und den Aufwärtstrend beim Goldpreis nachhaltig bremsen.


