JPMorgan muss Anwaltskosten für Frank-Gründerin weiter zahlen
Ein Delaware-Gericht verpflichtet JPMorgan Chase, die Verteidigungskosten der verurteilten Frank-Gründerin Charlie Javice weiter zu übernehmen.

Ein Richter des Delaware Court of Chancery hat entschieden, dass JPMorgan Chase die Anwaltskosten für Charlie Javice und Olivier Amar weiterhin tragen muss. Beide ehemaligen Führungskräfte des Fintech-Startups Frank wurden wegen Betrugs verurteilt. Das Gericht sieht die Bank an ihre vertragliche Pflicht zur Kostenübernahme gebunden.
JPMorgan hatte das auf Studienfinanzierung spezialisierte Startup Frank im Jahr 2021 für 175 Millionen US-Dollar übernommen. Nach der Akquisition stellte die Bank fest, dass Javice Kundendaten gefälscht hatte, um den Wert des Unternehmens künstlich aufzublähen. Im März 2025 wurden Javice und der ehemalige Chief Growth Officer Amar in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen – darunter Bankbetrug, Wertpapierbetrug, Überweisungsbetrug und Verschwörung. Javice wurde zu über sieben Jahren (85 Monate) Haft verurteilt, Amar erhielt eine Strafe von 68 Monaten. Beide haben Berufung eingelegt.
Kosten explodieren auf 144 Millionen Dollar
Seit Juni 2023 ist JPMorgan vertraglich verpflichtet, die Verteidigungskosten beider Personen im Rahmen einer sogenannten „Fee Advancement"-Klausel zu übernehmen. Diese Klausel verpflichtet Unternehmen, Anwaltskosten für ehemalige Führungskräfte während laufender Rechtsstreitigkeiten vorzustrecken. Doch die Kosten stiegen dramatisch: Bis November 2025 beliefen sich die kombinierten Anwaltsrechnungen für Javice und Amar auf 115 Millionen Dollar. Inzwischen sollen die Gesamtkosten auf 144,2 Millionen Dollar angewachsen sein – ein Betrag, der nahezu dem ursprünglichen Kaufpreis von Frank entspricht.
JPMorgan wehrte sich vehement gegen die weiteren Zahlungen und bezeichnete die Abrechnungen als „astronomisch" und missbräuchlich. Die Bank argumentierte, dass allein die schiere Höhe der Ausgaben sie von weiteren Vorschüssen befreien sollte. Besonders pikant: JPMorgan hob in Gerichtsunterlagen einzelne Posten hervor, die es als extravagant und irrelevant einstufte – darunter eine Rechnung über 529 Dollar für Gummibärchen, ein Abendessen für 581 Dollar mit einem Meeresfrüchte-Turm für 161 Dollar, ein Kleinkindspielzeug der Marke Cookie Monster sowie „Cellulite-Butter". Die Bank kritisierte zudem, dass Javices Verteidigungsteam aus fünf verschiedenen Anwaltskanzleien bestand und die Verpflichtung der Bank wie einen „Blankoscheck" behandelt habe. JPMorgan verwies darauf, dass Javices Anwaltskosten mehr als doppelt so hoch seien wie jene von Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes – obwohl der Holmes-Fall einen deutlich größeren und komplexeren Betrug umfasste.
Gericht weist JPMorgans Antrag zurück
Richter Christian Wright lehnte JPMorgans Antrag auf Zahlungsstopp ab. Die Bank habe die „anspruchsvolle Beweislast" nicht erfüllt, nachzuweisen, dass die Gebühren in böser Absicht oder „offensichtlich unzumutbar" seien. Das Urteil betrifft konkret rund 21,4 Millionen Dollar an kombinierten Anwaltskosten, die zwischen Januar und September 2025 angefallen sind – davon 10,1 Millionen Dollar für Javice und 11,3 Millionen Dollar für Amar.
Richter Wright verzichtete bewusst auf eine zeilenweise Prüfung der Ausgaben und betonte, dass „Perfektion nicht erforderlich" sei. Er verwies auf eine Studie von Thomson Reuters zum rasanten Anstieg von Anwaltshonoraren, um die aktuellen Marktsätze zu rechtfertigen. Es sei nicht Aufgabe des Gerichts, Verteidigungsteams vorzuschreiben, wie sie ihre Ressourcen einsetzen, oder eine „hypothetische Obergrenze" für Verteidigungskosten festzulegen. Die primäre Pflicht des Gerichts bestehe darin, den Vertrag so durchzusetzen, wie er geschrieben wurde.
Vertreter von Javice begrüßten das Urteil und erklärten, das Gericht habe „über die Schlagzeilen hinausgeschaut" und sich auf die sachliche Durchsetzung des unterzeichneten Vertrags konzentriert. Die Fokussierung auf einzelne Posten wie Gummibärchen habe von der rechtlichen Realität des Vertrags abgelenkt.
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Zur AktienanalyseJPMorgan prüft weitere rechtliche Schritte
JPMorgan zeigte sich hingegen klar unzufrieden mit dem Ausgang. Sprecher Pablo Rodriguez erklärte: „Wir sind respektvoll anderer Meinung als das Delaware-Gericht hinsichtlich der Grenzen der Zumutbarkeit und prüfen die nächsten Schritte." Die Bank erwägt demnach, weitere rechtliche Wege zu beschreiten, um die laufenden Zahlungen anzufechten.
JPMorgan-CEO Jamie Dimon hatte die Übernahme von Frank bereits zuvor als „riesigen Fehler" bezeichnet. Der Fall hat sich zu einem der kostspieligsten und umstrittensten Rechtsstreitigkeiten der jüngeren Unternehmensgeschichte entwickelt. Zusätzliche Brisanz erhält die Angelegenheit durch Berichte, wonach Javice – während sie ihre Berufung verfolgt – auch einen Präsidentenbegnadigungsantrag bei US-Präsident Donald Trump gestellt haben soll.


