JPMorgan hebt S&P 500-Ziel auf 7.800 Punkte an
Die US-Großbank begründet die Anhebung mit einem beispiellosen Zyklus von Gewinnheraufstufungen, angetrieben durch den KI-Investitionsboom.

JPMorgan hat sein Kursziel für den S&P 500 zum Jahresende auf 7.800 Punkte angehoben. Die US-Großbank nannte in einer Mitteilung vom Mittwoch einen Zyklus von Gewinnheraufstufungen als Hauptgrund, den sie als „beispiellos" bezeichnete. Treiber sind demnach der Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) sowie ein verbessertes geopolitisches Umfeld nach Fortschritten im Friedensprozess zwischen den USA und dem Iran.
Analyst Dubravko Lakos-Bujas erklärte in einem Ausblick zur Jahresmitte, dass das Konsens-Gewinnwachstum für die nächsten zwei Jahre im Durchschnitt um rund 20 Prozent nach oben korrigiert wurde – „im Gleichschritt mit einer nahezu verdoppelten KI-Investitionsquote". JPMorgan ist der Ansicht, dass das Ausmaß dieser positiven Schätzungsrevisionen „normalerweise nur nach einem Schock oder nach einer Rezession zu beobachten ist" – ein Hinweis darauf, wie außergewöhnlich die aktuelle Dynamik an den Märkten ist.
Deutlich angehobene Gewinnprognosen für 2026 und 2027
Die Bank hob ihre Schätzung für den Gewinn je Aktie (EPS) des S&P 500 für das Jahr 2026 auf 350 US-Dollar an, was einem Wachstum von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für 2027 prognostiziert JPMorgan einen EPS-Wert von 390 US-Dollar. Dieser Wert liegt allerdings unter dem aktuellen Marktkonsens, was laut der Bank „das Risiko einer schwindenden KI-bezogenen Preismacht" widerspiegele.
Als wesentliche Katalysatoren in diesem Revisionszyklus nennt JPMorgan die erhöhten Investitionsbudgets der vergangenen Berichtssaison sowie die Schlagzeilen rund um das KI-Unternehmen Anthropic im April, welche „die Tragfähigkeit von KI-Diensten bestätigten". Diese Entwicklungen hätten das Vertrauen der Investoren in die langfristige Profitabilität von KI-Geschäftsmodellen deutlich gestärkt.
Warnung vor Flash-Crash und nicht-linearem Kursverlauf
Trotz des optimistischen Kursziels mahnt JPMorgan zur Vorsicht. Lakos-Bujas warnte, dass „der Weg nach oben wahrscheinlich nicht linear verlaufen wird". Der Analyst wies auf ein extremes „Crowding" bei Momentum-Faktoren hin – also eine starke Konzentration von Anlegergeldern in bestimmten Marktsegmenten –, insbesondere in Bereichen mit geringer Qualität und spekulativem Wachstum, bei denen eine „hohe Wahrscheinlichkeit für einen Flash-Crash" bestehe.
Zusätzliche Risikofaktoren sieht die Bank in einem rasch zunehmenden Aktienangebot sowie in einer potenziell strafferen Geldpolitik, die die Bewertungskennzahlen begrenzen könnten. Für deutsche Anleger, die über ETFs oder Direktinvestments in US-Aktien engagiert sind, sind diese Warnungen besonders relevant, da der S&P 500 als globaler Leitindex die Stimmung an den Weltbörsen maßgeblich beeinflusst.
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Zur AktienanalyseSektorpositionierung: Technologie und Banken bevorzugt
Bei der Sektorallokation bleibt JPMorgan in den Bereichen Technologie, KI-Upstream-Werte, Verteidigung und Banken übergewichtet. Gleichzeitig weist die Bank auf zunehmendes Potenzial im Gesundheitssektor hin. Der Energiesektor hingegen wird trotz eines Zuwachses von rund 19 Prozent seit Jahresbeginn als „reif für Gewinnmitnahmen" eingestuft – ein Signal, dass JPMorgan hier kurzfristig keine weiteren größeren Kursgewinne erwartet.


