J.P. Morgan: Bitcoin könnte jährlich 10% Rendite erzielen
Die Kryptowährung notiert 35% unter ihrem Allzeithoch – doch die US-Bank prognostiziert für das kommende Jahrzehnt deutlich höhere Renditen als bei Gold und Aktien.

Bitcoin steckt in einer schwierigen Phase. Die größte Kryptowährung der Welt liegt im Jahresverlauf 7% unter dem Vorjahresniveau und 35% von ihrem Allzeithoch von 126.000 Dollar entfernt, das im vergangenen Oktober erreicht wurde. Eine spektakuläre Rallye im August hat sich erledigt, und die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass Bitcoin in diesem Jahr nicht einmal die Marke von 100.000 Dollar erreichen wird.
Trotz dieser trüben Gegenwart hat die US-Investmentbank J.P. Morgan Asset Management nun eine langfristige Prognose vorgelegt, die für Aufsehen sorgt. Demnach könnte Bitcoin über das nächste Jahrzehnt jährliche Renditen von 10% verbuchen – und damit besser abschneiden als US-Staatsanleihen, Gold, Large-Cap-Aktien oder Small-Cap-Aktien.
Mit anderen Worten: Die Bank sieht Bitcoin als eine der top-performenden Anlageklassen des kommenden Jahrzehnts. Für Anleger, die angesichts des Kursrutsches verunsichert sind, ist das ein wichtiges Signal – allerdings eines mit erheblichen Vorbehalten.
Die Details
J.P. Morgan Asset Management hat seine Erwartungen für die wichtigsten Anlageklassen offengelegt. Die Prognose für Bitcoin liegt bei jährlichen Renditen von 10% im Basisszenario. Zum Vergleich: Für Gold erwartet die Bank lediglich 5,5% pro Jahr, für Anleihen 6% und für Aktien 7,5%.
Die beste Nachricht für Krypto-Anhänger: Die 10% sind der Basisfall, nicht das optimistische Extrem. In einem Bullenmarkt-Szenario würde Bitcoin jährliche Renditen von 17% erzielen. Falls dies eintritt, könnte der Kurs bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts auf bis zu 400.000 Dollar steigen. Zufälligerweise entspricht diese Marke genau dem Kursziel, das Coinbase-Global-CEO Brian Armstrong für Bitcoin im Jahr 2030 festgelegt hat.
Doch die Bank macht auch unmissverständlich klar, dass es kein kostenloses Mittagessen gibt. Im Gegensatz zu anderen Investmentfirmen, die Bitcoin als einzigartiges Mittel zur Portfolio-Diversifizierung anpreisen, bezeichnet J.P. Morgan die Kryptowährung als riskantes, volatiles Asset mit instabilen Korrelationen zu den wichtigsten Anlageklassen. Es sei nahezu unmöglich, Bitcoin für Zwecke der Portfolio-Diversifizierung zu modellieren.
Angesichts des Mangels an fundamentalen Werten sei Bitcoin rein „eine Wette auf die Ausweitung der Fiat-Währung“, so die Einschätzung der Bank. Anders formuliert: Investieren Sie nur dann in Bitcoin, wenn Sie davon ausgehen, dass die US-Regierung die Geldmaschinen anwirft. Bei einer Schuldenlast von 40 Billionen Dollar könnte dies möglicherweise der einzige Ausweg aus der aktuellen Misere sein. Falls dem so ist, könnte Bitcoin „einen Schutz gegen geldpolitische Lockerungen“ bieten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Diskussion ist Teil einer längeren Entwicklung, die aktien.news in den vergangenen Monaten begleitet hat. Bereits am 05.02.2026 berichtete aktien.news, dass JPMorgan Bitcoin trotz der jüngsten Kursschwäche langfristig besser positioniert sieht als Gold. Nach Einschätzung des quantitativen Strategen Nikolaos Panigirtzoglou hatte sich die relative Attraktivität der Kryptowährung gegenüber dem Edelmetall deutlich verbessert – begründet mit der starken Outperformance von Gold seit Oktober und der gestiegenen Goldvolatilität. Zugleich standen die Kryptomärkte unter erheblichem Druck, auch wegen eines Hacks bei Solanas Step Finance im Volumen von 26 Millionen US-Dollar.
Am 28.07.2026 berichtete aktien.news, dass Bitcoin seit Anfang Juni 2026 unter der Marke von 70.000 Dollar gehandelt wird. Am 24. Juli 2026 lag der Kurs bei rund 64.000 Dollar – ein Rückgang von 49% gegenüber dem Allzeithoch vom Oktober 2025. Damals stellte sich für viele Anleger die Frage, ob dies eine Kaufgelegenheit oder eine Falle sei.
Am 28.09.2026 meldete aktien.news, dass Bitcoin seit Mitte August deutlich an Dynamik gewonnen hat, obwohl der sogenannte Clarity Act bislang noch nicht verabschiedet wurde. Trotz dieser Erholung lag Bitcoin weiterhin weit entfernt von den Höchstständen des Vorjahres, und die Marktdebatte drehte sich um die Frage, ob der Kurs bis Ende 2026 die Marke von 100.000 US-Dollar erreichen könnte.
Ergänzend hatte aktien.news am 26.02.2026 berichtet, dass J.P. Morgan sein langfristiges Gold-Rahmenwerk grundlegend überarbeitet und die strukturelle Goldpreisprognose auf 4.500 Dollar je Unze angehoben hat.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die J.P. Morgan-Prognose ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht die Aussicht auf zweistellige jährliche Renditen, die Bitcoin im Vergleich zu klassischen Anlageklassen attraktiv erscheinen lassen. Auf der anderen Seite warnt dieselbe Bank davor, Bitcoin als verlässlichen Diversifizierungsbaustein zu betrachten.
Besonders wichtig ist der Hinweis auf das Bärenmarkt-Szenario. In einem Worst-Case-Szenario könnte Bitcoin laut J.P. Morgan über das nächste Jahrzehnt annualisierte Renditen von -9,7% liefern. Mit anderen Worten: Der Preis von Bitcoin könnte vollständig zusammenbrechen. Langjährige Bitcoin-Investoren sind sich dieser Möglichkeit bewusst – im Laufe seiner 17-jährigen Geschichte gab es zahlreiche Drawdowns von 65% oder mehr.
Wer in Bitcoin investiert, sollte also sowohl die Chance auf 400.000 Dollar als auch das Risiko eines Totalverlusts im Blick behalten. Entscheidend sind die eigene Risikotragfähigkeit und ein Anlagehorizont, der Schwankungen von mehr als 65% aushält. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Was die Renditen von Bitcoin betrifft, haben die guten Jahre die schlechten Jahre stets mehr als ausgeglichen – und wenn J.P. Morgan recht behält, wird sich dies auch über das nächste Jahrzehnt so verhalten. Vor diesem Hintergrund bleibt Bitcoin bei einem stark rabattierten Preis von lediglich 82.000 Dollar aus Sicht der Quelle ein Kauf.
Ob der Kurs bis Ende 2026 noch die 100.000-Dollar-Marke erreicht, bleibt offen. Klar ist nur: Die langfristige Prognose der Bank steht, während die kurzfristige Entwicklung weiterhin von erheblicher Unsicherheit geprägt ist.
Kurz erklärt
- Allzeithoch: Der höchste Kurs, den ein Wertpapier oder eine Kryptowährung jemals erreicht hat.
- Drawdown: Der prozentuale Rückgang vom Höchststand bis zum darauffolgenden Tiefstand.
- Portfolio-Diversifizierung: Die Verteilung von Kapital auf verschiedene Anlageklassen, um Risiken zu streuen.
