JetZero: US-Start-up will Boeing mit radikalem Flugzeugdesign herausfordern
Die US-Regierung unterstützt JetZero mit bis zu 3 Milliarden Dollar – für ein Flugzeug, das wie ein Mantarochen aussieht.

Das amerikanische Start-up JetZero aus Long Beach, Kalifornien, will nichts Geringeres als Boeing als einzigen großen US-Hersteller von Verkehrsflugzeugen ablösen. Rückenwind bekommt das Unternehmen dabei von höchster Stelle: Die US-Regierung stellt sich im Rahmen ihrer „Make More in America"-Initiative hinter das ehrgeizige Vorhaben. In der vergangenen Woche schloss JetZero eine vorläufige Vereinbarung mit der U.S. Export-Import Bank über Kredite und Garantien in Höhe von bis zu 3 Milliarden Dollar ab.
Das Geld soll dem Unternehmen ermöglichen, seine erste Fabrik zu bauen. Für den Vorstandsvorsitzenden von JetZero ist die Vorabvereinbarung ein wichtiges Signal: Sie hilft ihm, eine Frage zu beantworten, die ihn seit Jahren beschäftigt – ob dieses Projekt überhaupt realisierbar ist.
Ein Design wie kein anderes seit der Concorde
Das Flugzeug, mit dem JetZero seine Ambitionen verwirklichen will, ist so radikal wie das Vorhaben selbst. Statt des klassischen Röhren-mit-Flügeln-Konzepts, das seit über 70 Jahren den Standard im Flugzeugbau definiert, setzt JetZero auf ein sogenanntes „Blended-Wing-Body"-Design. Das Flugzeug ähnelt dabei eher einem Mantarochen als einem herkömmlichen Passagierjet.
Sollte JetZero der Durchbruch gelingen, wäre es der bedeutendste Wandel im Design von Passagierjets seit der Concorde – dem legendären Überschallflugzeug, das von 1976 bis 2003 im Linienbetrieb flog. Das Blended-Wing-Body-Konzept, bei dem Rumpf und Flügel nahtlos ineinander übergehen, verspricht aerodynamische Vorteile gegenüber konventionellen Bauformen.
Vier Gänge und digitale Fenster statt Bullauge
Die Kabinengestaltung des JetZero-Flugzeugs bricht ebenfalls mit allen Konventionen. Das Modell soll über vier Gänge verfügen – ein deutlicher Unterschied zu den ein oder zwei Gängen heutiger Verkehrsflugzeuge. Zudem ist geplant, dass das Flugzeug etwa 10.000 Fuß höher fliegt als aktuelle Passagiermaschinen.
Erste Entwürfe sehen vor, die klassischen Passagierfenster durch digitale Bildschirme zu ersetzen. Als Ausgleich soll ein Dachfenster in der Kabinendecke natürliches Licht in den Innenraum lassen. Komfortorientierte Passagiere dürfen sich zudem über ein eigenes Gepäckfach über jedem Sitzplatz sowie einen separaten Wartebereich vor jeder Toilette freuen.
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Zur AktienanalyseHerausforderung für Boeing und die Luftfahrtindustrie
Für die globale Luftfahrtbranche wäre ein erfolgreicher Markteintritt von JetZero eine historische Zäsur. Boeing ist seit Jahrzehnten der einzige amerikanische Großhersteller von Verkehrsflugzeugen und konkurriert auf dem Weltmarkt vor allem mit dem europäischen Konzern Airbus. Ein dritter Anbieter mit völlig neuem Designansatz würde die Kräfteverhältnisse grundlegend verschieben.
Ob JetZero diesen Anspruch einlösen kann, bleibt abzuwarten. Die nun gesicherte Finanzierungszusage der US-Regierung ist jedoch ein bedeutender erster Schritt – und ein klares politisches Signal, dass Washington die heimische Luftfahrtindustrie stärken und diversifizieren will.


