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Jerome Powells Erbe: Mehr als nur Geldpolitik bei der Fed

Nach acht turbulenten Jahren endet Powells Amtszeit – sein größtes Talent war womöglich die Pflege politischer Beziehungen in Washington.

Jerome Powells Erbe: Mehr als nur Geldpolitik bei der Fed

WASHINGTON – Jerome Powell verlässt den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve mit einem Vermächtnis, das weit über Zinsentscheidungen und Anleihekäufe hinausgeht. Der Jurist und ehemalige Private-Equity-Investor bewies in acht turbulenten Jahren als Fed-Chef eine Fähigkeit, die seine akademisch geprägten Vorgänger so nicht mitbrachten: den systematischen Aufbau von Beziehungen zum US-Kongress.

Powell senkte die Zinsen während der COVID-19-Pandemie auf faktisch null und kaufte Anleihen in einem nie dagewesenen Tempo, um Wirtschaft und Märkte zu stützen. Anschließend hob er die Zinsen im schnellsten Tempo seit vier Jahrzehnten an, um die im Gefolge der Pandemie entstandene Inflation zu bekämpfen. Er reformierte das geldpolitische Regelwerk der Fed gleich zweimal und kommunizierte häufiger mit der Öffentlichkeit als jeder frühere Notenbankchef.

Kongress als wichtigstes Bollwerk der Fed-Unabhängigkeit

Doch was Powell möglicherweise von seinen Vorgängern unterschied, war sein unermüdliches Engagement hinter den Kulissen. Als gebürtiger Washingtoner, ehemaliger Beamter im Finanzministerium und Analyst einer Denkfabrik lag der Aufbau von Beziehungen für Powell näher als für Ökonomen wie Janet Yellen oder Ben Bernanke, die akademische und wissenschaftliche Expertise auf Doktorats- oder Nobelpreisniveau in das Amt einbrachten.

Powell betrachtete den Kongress als die wichtigste Instanz für Aufsicht und Rechenschaftspflicht der Zentralbank. Nachdem er zu Beginn seiner Amtszeit mit Präsident Donald Trump in Konflikt geraten war, sah er das Parlament zudem als wichtigstes Bollwerk gegen Versuche, die Unabhängigkeit der Fed zu untergraben – unabhängig davon, ob der Druck aus dem Oval Office oder von anderer Stelle kam.

Jüngste Untersuchungen von Thomas Drechsel, Assistenzprofessor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Maryland, belegen dies mit Zahlen. Drechsel kategorisierte Treffen der Fed-Vorsitzenden anhand öffentlich zugänglicher Kalender und stellte fest, dass Powell das Kapitol deutlich intensiver bearbeitete als Yellen und Bernanke. Die Frequenz der Treffen mit Mitgliedern beider großer Parteien – sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat – war dabei besonders hoch, wenn Trump im Amt war.

11 Treffen mit Senator Tillis – und ein entscheidender Moment

Ein konkretes Beispiel illustriert die Bedeutung dieser Strategie: Powell traf sich während seiner Amtszeit insgesamt elfmal mit dem republikanischen Senator Thom Tillis aus North Carolina. Als der Druck auf Powell durch die Trump-Administration zunahm und eine inzwischen eingestellte strafrechtliche Untersuchung im Raum stand, war es Tillis, der die Nominierung von Powells Nachfolger Kevin Warsh blockierte – bis die Ermittlungen eingestellt wurden.

„Es war systematisch", sagte Drechsel über Powells Engagement gegenüber den Gesetzgebern. „Vielleicht war es angesichts von Powells Hintergrund einfach natürlich. Bernanke und Yellen waren Akademiker. Aber angesichts des politischen Umfelds war es bemerkenswert, dass er so viel interagierte. Eine Interpretation ist, dass Powell aktiv mit dem Kongress zusammenarbeitete, vielleicht um die Fed zu schützen."

Nicht alle zeigten sich von Powells Bemühungen beeindruckt. Der republikanische Senator Bernie Moreno aus Ohio kritisierte Powell bei Auftritten vor dem Bankenausschuss des Senats im Jahr 2025 scharf. Moreno erklärte, seine beiden Treffen mit Powell hätten nichts daran geändert, dass dieser „hyperpolitisch ist und der Fed massiv geschadet hat" – eine unter Trump-Anhängern verbreitete Einschätzung.

Nachfolger Warsh könnte ähnlichen Weg einschlagen

Powells designierter Nachfolger Kevin Warsh ist ebenfalls gelernter Jurist und für sein diplomatisches Geschick bekannt. Beobachter gehen davon aus, dass er eine ähnliche Strategie der Kongresspflege verfolgen könnte – insbesondere als Absicherung für den Fall, dass die Demokraten künftig die Kontrolle über die wichtigsten Aufsichtsausschüsse der Fed übernehmen sollten.

Powells Amtszeit endet mit einem gemischten, aber substanziellen Erbe. Er navigierte die US-Notenbank durch eine Pandemie, eine historische Inflationswelle und erheblichen politischen Druck – und hinterließ dabei eine Institution, deren Unabhängigkeit trotz aller Anfeindungen weitgehend intakt blieb. Drechsel fasst es so zusammen: Die Zahlen sprechen für sich selbst.

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