Jefferies empfiehlt stressfreie Qualitätsaktien für den Sommer 2026
Angesichts wachsender KI-Risiken und steigender Marktvolatilität rät Jefferies Anlegern zu Qualitätsaktien mit geringem Momentum.

Die US-Investmentbank Jefferies empfiehlt Anlegern, den Sommer mit sogenannten „stressfreien" Qualitätsaktien zu überbrücken. Hintergrund ist die zunehmende Volatilität an den Märkten, die durch wachsende Bedenken rund um Investitionen in künstliche Intelligenz ausgelöst wird. Desh Peramunetilleke, Leiter der quantitativen Strategie bei Jefferies, legte die Strategie in einer aktuellen Mitteilung dar.
Die Sorgen im KI-Bereich sind vielfältig: Sie reichen von potenziellen Überkapazitäten über die Frage, welche Gewinne aus den geschätzten Investitionsausgaben der sogenannten Hyperscaler in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar tatsächlich resultieren werden, bis hin zu steigenden Kosten für Token – also den Gebühren, die an KI-Modelle gezahlt werden. Diese Unsicherheiten könnten die Märkte in den kommenden Monaten belasten.
Als Beleg für die extreme Popularität von KI-Titeln hat der S&P 500 Momentum-Index den breiteren Aktienmarkt seit 2024 um mehr als 70 Prozent übertroffen. Damit nähert sich dieser Index Niveaus an, die zuletzt während der Dotcom-Blase der 1990er Jahre beobachtet wurden – ein historischer Vergleich, der bei erfahrenen Marktteilnehmern die Alarmglocken läuten lässt.
KI treibt Momentum-Strategien allein voran
Peramunetilleke weist darauf hin, dass Momentum-Strategien vor dem Ausbruch des Konflikts mit dem Iran noch Material- und Verteidigungsaktien umfassten. Derzeit treibt jedoch die KI die Entwicklung nahezu allein voran. Dies erhöhe laut dem Strategen „das Risiko einer Trendwende bei negativer Stimmung" erheblich.
Um potenzielle KI-bedingte Marktstürme zu überstehen, empfiehlt Jefferies eine spezifische Auswahl von Unternehmen. Das Auswahlkriterium ist klar definiert: gesucht wurden Unternehmen mit einem hohen Qualitäts-Score, Marktwerten von mehr als 10 Milliarden US-Dollar, soliden Fundamentaldaten und langfristigen Free-Cashflow-Renditen von über 3 Prozent. Zusätzlich mussten die Aktien ein begrenztes Momentum aufweisen und für weniger als das 20-fache der erwarteten Gewinne des nächsten Jahres gehandelt werden.
AbbVie und Netflix als Top-Picks
Den höchsten Qualitäts-Score in der Jefferies-Auswahl erzielte der Pharmariese AbbVie. Die Bank prognostiziert für das Unternehmen in den Jahren 2026 bis 2027 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von fast 28 Prozent bei einer Free-Cashflow-Rendite von 5,2 Prozent – eine der stärksten Wachstums-Cashflow-Kombinationen auf der gesamten Liste. Im ersten Quartal meldete AbbVie einen weltweiten Nettoumsatz von 15 Milliarden US-Dollar, maßgeblich getragen von einem Immunologie-Portfolio im Wert von 7,3 Milliarden US-Dollar.
Zuletzt stärkte AbbVie seine Immunologie-Pipeline durch die Vereinbarung zur Übernahme von Apogee Therapeutics für 10,9 Milliarden US-Dollar – die größte Akquisition des Unternehmens seit mehr als fünf Jahren. Die Aktie des in Chicago ansässigen Konzerns ist in den letzten drei Monaten um 25 Prozent und im vergangenen Jahr um 37 Prozent gestiegen. Die Dividendenrendite liegt laut FactSet-Daten bei 2,7 Prozent. Die Quartalsergebnisse für das zweite Quartal werden voraussichtlich am 31. Juli veröffentlicht.
Ebenfalls auf der Jefferies-Liste findet sich Netflix mit einem Marktwert von 320 Milliarden US-Dollar und einer Free-Cashflow-Rendite von 3,6 Prozent. Der Streaming-Marktführer prognostizierte für das zweite Quartal ein Umsatzwachstum von 13 Prozent, warnte jedoch vor einer stärkeren Gewichtung der Ausgaben für Inhalte in der ersten Jahreshälfte. Mitte April brach die Netflix-Aktie um 10 Prozent ein, nachdem die Prognose für das zweite Quartal hinter den Erwartungen der Wall Street zurückgeblieben war. Im bisherigen Jahr 2026 liegt die Aktie rund 18 Prozent im Minus und notiert im Vergleich zu den letzten 12 Monaten fast 41 Prozent tiefer. Die Ergebnisse für das zweite Quartal werden am 16. Juli erwartet.
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Neben AbbVie und Netflix umfasst die Jefferies-Auswahl weitere bekannte Namen: der Heimwerkerbedarf-Händler Lowe's Companies, die Fast-Food-Ikone McDonald's sowie der Finanzdienstleister American Express. Diese Unternehmen vereinen nach Ansicht von Jefferies stabile Fundamentaldaten mit attraktiven Bewertungen – eine Kombination, die in einem potenziell turbulenten Marktumfeld besonders wertvoll sein kann.
Für deutsche Privatanleger bietet die Jefferies-Strategie einen interessanten Ansatz: Statt auf hochbewertete KI-Momentum-Titel zu setzen, rücken solide Cashflow-Generatoren mit moderaten Bewertungen in den Fokus. Angesichts der historisch hohen Momentum-Niveaus, die an die Dotcom-Ära erinnern, könnte eine defensivere Ausrichtung im Sommer 2026 durchaus sinnvoll sein.


