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JBS ernennt neuen CEO und meldet überraschenden Quartalsverlust

Der weltgrößte Fleischverarbeiter JBS beruft Wesley Batista Filho zum CEO und verbucht trotz Rekordumsatz einen Nettoverlust von 102 Millionen Dollar.

JBS ernennt neuen CEO und meldet überraschenden Quartalsverlust

Der brasilianische Fleischriese JBS, der weltweit größte Fleischverarbeiter, hat am Montag gleich zwei bedeutende Nachrichten veröffentlicht: die Ernennung eines neuen Vorstandsvorsitzenden sowie überraschend schwache Quartalszahlen. Wesley Batista Filho wird ab Januar 2027 die Führung des Konzerns übernehmen und löst damit Gilberto Tomazoni ab, der seit 2018 als CEO fungiert. Es ist der erste CEO-Wechsel bei JBS seit acht Jahren.

Der 34-jährige Batista Filho ist derzeit Leiter von JBS USA und Sohn von Wesley Batista, der gemeinsam mit seinem Bruder Joesley Batista die Familienholding J&F kontrolliert – die wiederum die Mehrheit an JBS hält. Damit kehrt erstmals seit Jahren wieder ein Mitglied der Gründerfamilie Batista in die oberste operative Führung des Konzerns zurück. Tomazoni wird künftig als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender und leitender Berater tätig sein.

„Dies ist ein Übergang, der von Kontinuität geprägt ist", sagte Batista Filho gegenüber Reuters. „Ein neuer CEO benötigt oft Zeit, um das Geschäft zu verstehen und eine Richtung festzulegen. Das ist hier nicht der Fall. Dieser Übergang sollte sehr unkompliziert verlaufen." Batista Filho trat bereits 2011 in das Unternehmen ein und bekleidete leitende Positionen in mehreren Kernbereichen, darunter das Rindfleisch- und Geflügelgeschäft in Brasilien sowie Aktivitäten in Uruguay, Paraguay und Kanada, bevor er 2023 die Leitung von JBS USA übernahm.

Rückkehr der Gründerfamilie

Der Führungswechsel hat einen historischen Hintergrund: Die Familie Batista hatte sich aus den operativen Führungspositionen zurückgezogen, nachdem die Gebrüder Wesley und Joesley Batista in einen schwerwiegenden Korruptionsskandal in Brasilien verwickelt worden waren. Beide wurden im Zusammenhang mit Vorwürfen des Insiderhandels im Rahmen einer versiegelten Kronzeugenregelung festgenommen und später freigesprochen. Im Jahr 2024 kehrten die Brüder in den Verwaltungsrat von JBS zurück. Das letzte Familienmitglied, das zuvor als CEO fungiert hatte, war Jose Batista Sobrinho – der Gründer des Unternehmens und Vater von Wesley und Joesley Batista.

Für die strategische Ausrichtung kündigte Batista Filho an, dass sich JBS nach einem kürzlich abgeschlossenen Deal in Indonesien auf die Expansion im Nahen Osten, Südostasien und Ozeanien konzentrieren werde. Zudem soll in höherwertige Produkte investiert und das Geschäft mit Eiern und Fisch ausgebaut werden.

Nettoverlust trotz Rekordumsatz

Parallel zur Führungsnachfolge veröffentlichte JBS seine Zahlen für das zweite Quartal (April bis Juni): Das Unternehmen wies einen Nettoverlust von 102 Millionen Dollar aus – ein drastischer Einbruch gegenüber dem Gewinn von 528 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten laut einer LSEG-Umfrage einen Gewinn von 379 Millionen Dollar erwartet. Belastet wurde das Ergebnis durch Einmaleffekte wie einen Kartellvergleich und Anleiherückkäufe.

Das bereinigte EBITDA belief sich auf 1,43 Milliarden Dollar – ein Rückgang von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jedoch weitgehend im Einklang mit den Analystenerwartungen von 1,44 Milliarden Dollar. Die bereinigte EBITDA-Marge sank von 8,4 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nun 6,0 Prozent. Auf der Umsatzseite erzielte JBS hingegen einen Rekordwert: Der Nettoumsatz erreichte 23,9 Milliarden Dollar und übertraf damit die Analystenprognose von 22,9 Milliarden Dollar deutlich.

Ein zentrales Problem bleibt das wichtige US-Rindfleischgeschäft. Ein knappes Viehangebot belastet dort die Margen erheblich. Im Juni hatte JBS bereits die Schließung von Werken in Pennsylvania und Tennessee angekündigt. Batista Filho zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sich das Viehangebot in den USA bis zum ersten Quartal 2027 verbessern werde – nachdem die Trump-Regierung ein Importverbot für mexikanisches Vieh aufgehoben hat.

Die Märkte reagierten auf die Doppelnachricht mit deutlichen Kursverlusten: Die in den USA notierten JBS-Aktien schlossen nach Bekanntgabe des Führungswechsels mit einem Minus von rund 5,8 Prozent. Im nachbörslichen Handel fielen sie nach Veröffentlichung der Quartalszahlen um weitere 2 Prozent.

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