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Japans Kerninflation bleibt viermal in Folge unter BoJ-Ziel

Trotz auslaufender Kraftstoffsubventionen verharrt Japans Kerninflation im Mai bei 1,4 Prozent – weit unter dem Zielwert der Notenbank.

Japans Kerninflation bleibt viermal in Folge unter BoJ-Ziel

Japans Kerninflation ist im Mai voraussichtlich stabil geblieben und liegt damit den vierten Monat in Folge unter dem Zielwert der Bank of Japan (BoJ) von 2 Prozent. Das ergab eine Reuters-Umfrage unter 16 Ökonomen, die am Freitag, dem 12. Juni, veröffentlicht wurde. Der landesweite Kern-Verbraucherpreisindex (CPI) – der Energiekosten einschließt, aber frische Lebensmittel ausklammert – dürfte im Jahresvergleich um 1,4 Prozent gestiegen sein.

Damit bliebe der Wert gegenüber April unverändert. Im April war mit diesem Niveau bereits der geringste Anstieg seit März 2022 verzeichnet worden. Haupttreiber dieser Entwicklung ist das Auslaufen staatlicher Kraftstoffsubventionen, die zuvor dämpfend auf die Energiepreise gewirkt hatten.

Analysten sehen gemischte Signale

Keisuke Kobayashi, Analyst bei MUFG Research & Consulting, erklärt die Stabilität des Wertes mit zwei gegenläufigen Kräften: „Obwohl sich die Teuerungsrate bei Lebensmitteln ohne frische Produkte weiter abschwächt, hat sich das Tempo des Preisrückgangs bei Energie aufgrund der Lage im Iran verringert. Daher dürfte die Vorjahresrate gegenüber dem Vormonat unverändert bleiben."

Trotz der aktuell gedämpften Kerninflation rechnen Analysten in den kommenden Monaten mit einem Anstieg des Preiswachstums. Als Hauptgrund nennen sie die steigenden Kraftstoffkosten infolge des Krieges im Nahen Osten. Dieser Energieschock macht sich bereits auf der Großhandelsebene bemerkbar: Japans Großhandelspreise stiegen im Mai um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr – so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Unternehmen geben die höheren Kosten zunehmend an die Verbraucher weiter.

Regierung schnürt milliardenschweres Hilfspaket

Um die Bevölkerung vor den Folgen der steigenden Energiekosten zu schützen, hat die japanische Regierung Anfang Juni einen Nachtragshaushalt in Höhe von 19 Milliarden US-Dollar für das laufende Geschäftsjahr verabschiedet. Das Paket soll die Auswirkungen auf private Haushalte abfedern und zeigt, wie ernst Tokio die Inflationsrisiken durch den Energieschock nimmt.

Parallel dazu steht die Bank of Japan vor einer richtungsweisenden geldpolitischen Entscheidung. Die Notenbank hält eine zweitägige Sitzung ab, die am kommenden Dienstag endet. Erwartet wird eine Anhebung der Zinssätze auf ein 31-Jahres-Hoch von 1,00 Prozent. Zudem soll die BoJ ihre Bereitschaft signalisieren, die Kreditkosten weiter zu erhöhen – dies trotz der anhaltend schwachen Kerninflation und ungeachtet der Abwesenheit ihres Gouverneurs. Im Fokus der Notenbank stehen dabei vor allem die Inflationsrisiken aus dem Krieg im Nahen Osten.

Offizielle Daten folgen am 19. Juni

Die offiziellen Verbraucherpreisdaten für Mai wird das japanische Innenministerium am Freitag, dem 19. Juni, um 8:30 Uhr Ortszeit (23:30 Uhr GMT am 18. Juni) veröffentlichen. Dann wird sich zeigen, ob die Prognosen der befragten Ökonomen zutreffen und wie stark der Energieschock bereits in den Verbraucherpreisen angekommen ist.

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Japan aus mehreren Gründen relevant: Die geldpolitische Ausrichtung der BoJ beeinflusst den Yen-Kurs und damit die Wettbewerbsfähigkeit japanischer Exporteure. Zudem gilt Japan als Barometer für die Frage, wie Industrienationen mit hartnäckig niedriger Inflation und gleichzeitig steigenden Energiepreisen umgehen.

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