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Japanischer Yen fällt auf Tiefsstand seit 1986 – Interventionsgefahr steigt

Der Yen schwächelt trotz Milliarden-Interventionen und verbaler Warnungen – Händler rechnen mit weiteren Maßnahmen Tokios.

Japanischer Yen fällt auf Tiefsstand seit 1986 – Interventionsgefahr steigt

Der japanische Yen hat am Dienstag gegenüber dem US-Dollar ein fast vier Jahrzehnte altes Tief erreicht. Im asiatischen Handel schwächte sich das Währungspaar JPY/USD kurzzeitig auf rund 162,40 Yen pro Dollar ab – der schwächste Stand seit 1986. Damit unterschritt die Währung auch ihr Tief vom Juli 2024 und setzt damit einen monatelangen Abwärtstrend fort.

Verbale Warnungen aus Tokio zeigten kaum Wirkung. Kommentare von Kabinettssekretär Minoru Kihara und Finanzministerin Satsuki Katayama konnten den Ausverkauf nicht stoppen. Die Marktteilnehmer bleiben trotz der Signale der Behörden in Erwartung einer konkreten Intervention am Devisenmarkt.

Doppelter Effekt: Exporteure profitieren, Haushalte leiden

Ein schwächerer Yen hat durchaus Gewinner: Die Gewinne japanischer Exporteure steigen, und Japans Aktienmarkt wurde auf Rekordniveau gestützt. Gleichzeitig verteuern sich jedoch in Dollar fakturierte Importe erheblich – besonders im Energiesektor. Die steigenden Kosten belasten die Haushalte und erhöhen den politischen Druck auf die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi.

Wie stark der Preisdruck bereits ist, zeigen aktuelle Daten: Japans Dienstleistungserzeugerpreise stiegen im Mai um 3,3 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich schlugen die Seefrachtkosten mit einem Plus von 61,8 % sowie internationale Flugpreise mit einem Anstieg von 17,3 % zu Buche – beides größtenteils eine Folge höherer Treibstoffkosten.

Rekordintervention ohne nachhaltige Wirkung

Tokio hat bereits massiv am Devisenmarkt eingegriffen. Zwischen dem 28. April und dem 27. Mai gab Japan die Rekordsumme von 11,73 Billionen Yen – umgerechnet rund 72,4 Milliarden US-Dollar – für Devisenmarktinterventionen aus. Ausgelöst wurde dieser Schritt, nachdem der Yen die psychologisch wichtige Marke von 160 pro Dollar durchbrochen hatte.

Dennoch blieb der Yen unter Druck. Selbst die Entscheidung der Bank of Japan, ihren Leitzins auf ein Drei-Jahrzehnte-Hoch von 1 % anzuheben, konnte die Schwäche nicht nachhaltig beenden. Anleger preisen weiterhin eine vergleichsweise restriktive US-Notenbank Federal Reserve ein, was die Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA hoch hält.

Carry-Trades befeuern den Abwärtsdruck

Die anhaltende Zinsdifferenz macht sogenannte Carry-Trades besonders attraktiv. Dabei nehmen Händler günstig Kredite in Yen auf und investieren das Kapital in höher verzinsliche Vermögenswerte im Ausland. Diese Strategie verstärkt den strukturellen Verkaufsdruck auf die japanische Währung.

Analysten von Nomura betonen, dass die anhaltende Yen-Schwäche trotz sinkender Ölpreise und Risk-off-Strömen den tiefsitzenden Abwärtsdruck auf die Währung unterstreiche. Sie fügen hinzu, dass das Finanzministerium wahrscheinlich nicht aggressiv intervenieren werde, solange die Takaichi-Administration „hinter der Kurve" bleibe. Für deutsche Anleger mit Engagements in Japan oder Positionen in Yen-notierten Wertpapieren bleibt die Entwicklung am Devisenmarkt damit ein zentrales Risikothema.

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