Japanische Haushalte erwarten Rekordanstieg der Inflation – BoJ unter Druck
Inflationserwartungen japanischer Haushalte erreichen Rekordhoch und stärken die Argumente für weitere Zinserhöhungen der Bank of Japan.

Die Inflationserwartungen japanischer Haushalte haben ein historisches Rekordhoch erreicht. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten vierteljährlichen Umfrage der Bank of Japan (BoJ) rechnen inzwischen 90,4% der Haushalte damit, dass die Preise in einem Jahr steigen werden. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2006 – und ein deutlicher Sprung gegenüber dem vorherigen Wert von 83,7%.
Auch der Blick in die fernere Zukunft zeigt wachsende Preissorgen: 86,1% der Befragten erwarten, dass die Preise in fünf Jahren steigen werden, nach 82,6% im März. Dieser Wert entspricht einem Fast-Zwei-Jahrzehnte-Hoch. Im Durchschnitt rechnen die Haushalte mit einem Preisanstieg von 13,1% innerhalb eines Jahres – nach 11,4% in der März-Umfrage, ebenfalls ein Rekordwert.
Preisdruck durch schwachen Yen und steigende Importkosten
Die Umfrageergebnisse spiegeln die realen wirtschaftlichen Belastungen wider, mit denen japanische Haushalte konfrontiert sind. Ein schwacher Yen sowie steigende Brennstoff- und Importkosten treiben die Lebenshaltungskosten in die Höhe und lösen einen sprunghaften Anstieg der Erzeugerpreise aus. Experten weisen darauf hin, dass die Inflationserwartungen der Haushalte tendenziell höher ausfallen als die tatsächliche Inflationsrate, da sie stark von den Preissteigerungen häufig gekaufter Alltagsgüter beeinflusst werden.
Besonders auffällig ist die eingetrübte Wirtschaftsstimmung: 49,9% der Befragten erwarten für das kommende Jahr eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen – gegenüber 32,8% im März. Das ist der höchste Pessimismus-Wert seit Dezember 2008, also seit der globalen Finanzkrise.
Die Ergebnisse folgen auf eine separate Erhebung, wonach auch die Inflationserwartungen der Unternehmen auf Rekordniveau gestiegen sind. Beide Umfragen zusammen zeichnen ein klares Bild: Der Preisdruck in Japan ist breit und tief verankert.
BoJ-Sitzung Ende Juli im Fokus
Die Daten dürften bei der nächsten geldpolitischen Sitzung der Bank of Japan am 30. und 31. Juli eine wichtige Rolle spielen. Während Insider gegenüber Reuters erklärten, dass die BoJ die Zinssätze in diesem Monat voraussichtlich stabil halten wird, bleibt die Zentralbank gegenüber Inflationsrisiken wachsam.
BoJ-Exekutivdirektor Koji Nakamura mahnte am Donnerstag vor dem Parlament zur Vorsicht: „Wenn die Aufwärtsrisiken für die Preise so hoch sind wie derzeit, könnte eine Verzögerung bei den notwendigen Anpassungen des Grades der geldpolitischen Unterstützung solche Risiken realisieren und die Wirtschaft belasten."
Die BoJ hatte die Zinssätze im Juni bereits auf ein 31-Jahres-Hoch von 1,0% angehoben, nachdem der zunehmende Preisdruck das Risiko erhöht hatte, dass die Inflation dauerhaft über dem Zielwert von 2% liegt. Das ehemalige BoJ-Ratsmitglied Seiji Adachi erwartet nun den nächsten Zinsschritt zwischen Oktober und Januar des kommenden Jahres – auf dann 1,25%.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWeiterer Zinsanstieg im Herbst erwartet
Adachi begründet seine Prognose mit dem zeitlichen Verlauf der Preisentwicklung: „Die Auswirkungen der steigenden Importpreise werden sich etwa von Herbst bis Winter in der Verbraucherinflation niederschlagen und der BoJ Anlass für Zinserhöhungen geben." Er ergänzte: „Die Preise steigen für eine breite Palette von Gütern, daher wird die BoJ weiterhin das Risiko eines Überschießens der Inflation betonen."
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Japan aus mehreren Gründen relevant. Japan galt jahrzehntelang als Paradebeispiel für Deflation und Nullzinspolitik. Die aktuelle Zinswende der BoJ hat globale Auswirkungen – insbesondere auf Carry-Trades, bei denen Investoren günstige Yen-Kredite aufnehmen, um in höher verzinste Anlagen zu investieren. Steigende japanische Zinsen können solche Positionen unter Druck setzen und Kapitalströme weltweit beeinflussen.


