Japanische Anleihen unter Druck: Renditen auf Rekordhoch
Die Renditen japanischer Staatsanleihen sind am Dienstag stark angestiegen und erreichten historische Höchststände. Auslöser sind Befürchtungen über fiskalische Belastungen durch Steuersenkungsversprechen im Vorfeld der Februar-Wahlen.

Die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs) mit langer Laufzeit haben am Dienstag deutlich zugelegt und neue Rekordwerte erreicht. Investoren sorgen sich, dass die von verschiedenen politischen Lagern versprochenen Steuersenkungen vor den im Februar anstehenden Wahlen die ohnehin angespannten Staatsfinanzen zusätzlich belasten könnten.
Eine schwach verlaufene Auktion für 20-jährige Schuldtitel verstärkte den Verkaufsdruck und trieb die Renditen in unbekanntes Terrain. Die Benchmark-Rendite für 10-jährige Anleihen stieg innerhalb von nur zwei Handelssitzungen um 15 Basispunkte. Seit Bekanntwerden der Wahlgerüchte Anfang des Monats summiert sich der Anstieg auf fast 25 Basispunkte. Bei 30-jährigen Anleihen fiel der Renditeanstieg mit 29 Basispunkten in zwei Tagen noch deutlicher aus.
Politische Unsicherheit belastet den Markt
Naka Matsuzawa, Chef-Makrostratege bei Nomura Securities in Tokio, führt den Renditeanstieg auf die "Angst vor der reflationären Politik von Premierministerin Sanae Takaichi" zurück. Besonders die unklare zeitliche Planung und Finanzierung von Konsumsteuersenkungen verunsichert die Anleger. "Niemand will im Moment kaufen oder das fallende Messer fangen", fasst Matsuzawa die Marktstimmung zusammen.
Charu Chanana, Chef-Investmentstratege bei Saxo in Singapur, interpretiert die schwache Nachfrage bei der 20-jährigen JGB-Auktion als deutliches Signal. Investoren verlangen angesichts der vorgezogenen Wahlen eine höhere "Fiskalprämie" und zeigen sich weniger zuversichtlich hinsichtlich der mittelfristigen Haushaltsdisziplin. Dies führt dazu, dass besonders Anleihen mit langer Laufzeit unter Druck geraten und die Zinskurve steiler wird.
Strukturelle Risiken im Fokus
Shuichi Osaki, Senior Portfolio Manager bei Meiji Yasuda Asset Management in Tokio, weist auf ein zusätzliches Risiko hin: Ausländische Investoren sind zu Hauptakteuren bei sehr langen JGBs geworden. Sollten diese ihre Positionen reduzieren, stellt sich die Frage, wer als Käufer einspringen würde.
Iichiro Miura von Nissay Asset Management erwartet steigende Staatsausgaben, unabhängig vom Wahlausgang. Zudem könnten langfristige institutionelle Anleger beginnen, sehr lange JGBs zu verkaufen, um nicht realisierte Verluste vor dem Geschäftsjahresende zu reduzieren. "Der Markt ist jetzt verlost, die Marktteilnehmer wissen nicht, auf welchem Niveau sie JGBs kaufen sollen", so Miura.
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Zur AktienanalyseVorsichtige Bewertung trotz Übertreibung
Kyle Rodda von Capital.com in Melbourne sieht den Abwärtsdruck auf JGB-Preise angesichts der politischen Unsicherheit, fiskalischen Aussichten und Inflationserwartungen als wenig überraschend. Die bevorstehenden Wahlen verstärken die Gegenwindfaktoren zusätzlich.
Ben Bennett von L&G Asset Management hält JGBs zwar fundamental für attraktiv, mahnt jedoch zur Vorsicht. Er vermutet, dass ein Teil der Bewegung durch Anleger ausgelöst wurde, die aufgrund der Volatilität ausgestoppt wurden. Die steile Zinskurve impliziere erhebliche künftige Zinserhöhungen, was jedoch hohe und anhaltende Inflations- und Wachstumsniveaus erfordere – eine hohe Messlatte für Japan. Dennoch sei es schwierig, sich der aktuellen Marktbewegung entgegenzustellen.


