Japan und USA bereit zu erneuter Yen-Intervention bei weiterem Kursverfall
Ein ehemaliger Zentralbankbeamter warnt: Bei weiterer Yen-Schwäche werden Japan und die USA „mit Sicherheit" erneut gemeinsam eingreifen.

TOKIO – Japan und die Vereinigten Staaten werden erneut gemeinsam am Devisenmarkt intervenieren, sollte der Yen seinen Abwärtstrend fortsetzen. Das erklärte Atsushi Takeuchi, ein ehemaliger Beamter der Bank of Japan, gegenüber Reuters. Takeuchi war vor mehr als einem Jahrzehnt selbst an Marktinterventionen Tokios beteiligt und hält nach eigenen Angaben weiterhin Kontakt zu amtierenden politischen Entscheidungsträgern.
Der Yen hielt am Montag seine Gewinne über den jüngsten 40-Jahres-Tiefs, nachdem Japan und die USA eine seltene gemeinsame Yen-Kaufintervention gestartet hatten. Ziel war es, Entschlossenheit im Kampf gegen den anhaltenden Ausverkauf der japanischen Währung zu demonstrieren. Takeuchi bezeichnete diese gemeinsame Aktion als „äußerst effektiv", um am Markt die Wahrnehmung zu schaffen, dass sich die einseitige Schwächung des Yen nicht fortsetzen werde.
Symbolische Stärke durch US-Rückendeckung
„Die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten hinter Japan standen und Maßnahmen ergriffen haben, hat eine enorme symbolische Bedeutung", sagte Takeuchi in einem Interview mit Reuters am Dienstag. Er betonte, dass es faktisch keine Beschränkungen gebe, die japanische Behörden an einer Intervention hinderten, da die USA theoretisch unbegrenzte Mengen an Dollar beschaffen könnten. „Wäre ich Leiter eines Hedgefonds, würde ich derzeit nicht über Wetten auf den Dollar-Yen-Kurs nachdenken", so Takeuchi.
Nachdem der Yen nach der Ankündigung der gemeinsamen Aktion ein Dreimonatshoch von 155,20 pro Dollar markiert hatte, notierte er am Dienstag bei 157,60 – deutlich entfernt vom im vergangenen Monat erreichten 40-Jahres-Tief nahe 164. Takeuchi erwartet, dass sich der Yen vorerst in einer Spanne von 155 bis 162 pro Dollar bewegen wird. „Wenn es dem Yen gelingt, noch etwa eine Woche lang stärker als 160 pro Dollar zu bleiben, werden die Märkte dieses Niveau als kurzfristigen Boden betrachten und beginnen, die Währung nach oben zu treiben", sagte er.
Glaubwürdigkeit der USA steht auf dem Spiel
Takeuchi unterstrich, dass auch die Vereinigten Staaten ein starkes Eigeninteresse an einer Stabilisierung des Yen hätten. „Nachdem sie sich so stark in Japans Bemühungen engagiert haben, riskieren die Vereinigten Staaten einen Glaubwürdigkeitsverlust, wenn sie zulassen, dass der Yen erneut abrutscht", sagte er. „Das Risiko einer weiteren drastischen Abwertung des Yen hat deutlich abgenommen."
Hintergrund der US-Beteiligung sei auch die Entwicklung am japanischen Anleihemarkt. Die Rendite der 10-jährigen japanischen Staatsanleihe (JGB) sprang im vergangenen Monat auf ein 30-Jahres-Hoch. Die Märkte interpretierten den ersten wirtschaftspolitischen Entwurf von Premierministerin Sanae Takaichi als Hinweis auf hohe Staatsausgaben und eine mögliche Einflussnahme auf die Geldpolitik der Bank of Japan. Der unaufhaltsame Anstieg der japanischen Renditen habe die USA wahrscheinlich dazu bewogen, sich Japans Bemühungen anzuschließen, so Takeuchi.
Fiskalpolitik bleibt entscheidender Faktor
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Zur AktienanalyseAuch die USA sähen sich mit einer Haushaltsverschlechterung konfrontiert, die in einem bemerkenswerten Tempo voranschreite. Das mache US-Renditen anfällig für Spillover-Effekte durch steigende japanische Renditen. „Für jeden, der den Anleihemarkt beobachtet, war der jüngste Ausverkauf bei JGBs außergewöhnlich", sagte Takeuchi. „Washington fürchtete wahrscheinlich eine breitere Ansteckung, falls die Situation eskaliert wäre."
Dennoch warnte Takeuchi vor übertriebenen Erwartungen an die Wirkung von Interventionen allein. Eine dauerhafte und signifikante Stärkung des Yen sei nur möglich, wenn Premierministerin Takaichi die Marktwahrnehmung einer expansiven Fiskalpolitik und einer Einflussnahme auf die Zinspolitik der Bank of Japan ausräume. Ohne glaubwürdige fiskal- und geldpolitische Signale bleibe die Wirkung von Devisenmarktinterventionen begrenzt.
Takeuchi, der von 2010 bis 2012 an mehreren Yen-Verkaufsinterventionen beteiligt war, ist heute Präsident des Ricoh Institute of Sustainability and Business. Seine Einschätzungen gelten als besonders gewichtig, da er sowohl praktische Erfahrung mit Marktinterventionen als auch aktuelle Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern besitzt.


