Japan: Takaichi ruft Neuwahlen aus – Anleihen unter Druck
Premierministerin Sanae Takaichi hat vorgezogene Neuwahlen für den 8. Februar angesetzt. Trotz hoher Zustimmungswerte von bis zu 78% reagierten die Anleihemärkte mit Turbulenzen – die Rendite 40-jähriger Staatsanleihen erreichte ein Rekordhoch von 4%.

Japans Premierministerin Sanae Takaichi hat nach nur einem halben Jahr im Amt das Unterhaus aufgelöst und vorgezogene Neuwahlen für den 8. Februar angesetzt. Die reguläre Legislaturperiode würde eigentlich bis Oktober 2028 laufen. Analysten werten den Schritt als Versuch, die historisch hohen Zustimmungswerte der Regierungschefin für eine Stärkung der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) zu nutzen.
Rekord-Beliebtheit trifft auf schwache Partei
Takaichis persönliche Popularität erreicht außergewöhnliche Werte: Der öffentlich-rechtliche Sender NHK ermittelte zuletzt 62% Zustimmung, während andere Umfragen Werte im 70er-Bereich meldeten. Japan News Network verzeichnete sogar 78,1%, Nikkei berichtete von 75%. Im starken Kontrast dazu steht die Zustimmung zur LDP selbst mit nur 29,7% – eine deutliche Kluft zwischen der Popularität der Premierministerin und ihrer Partei.
Die LDP hält zusammen mit ihrem Juniorpartner, der Japan Innovation Party, derzeit eine hauchdünne Mehrheit im 456 Sitze zählenden Unterhaus. Gemeinsam verfügen sie über 230 Sitze, zuzüglich dreier unabhängiger Abgeordneter – was zu einer Mehrheit von nur einem Sitz führt. Ein stärkeres Mandat würde Takaichi ermöglichen, ausländischen Staats- und Regierungschefs ein festeres politisches Fundament zu demonstrieren, so Sam Jochim, Ökonom bei der Schweizer Privatbank EFG.
Timing vor China-Spannungen
Jochim vermutet, dass Takaichi ihre Popularität nutzen will, bevor eskalierende Spannungen mit China die öffentliche Meinung belasten. Peking hat Exportkontrollen für Dual-Use-Güter nach Japan verhängt und von Reisen nach Japan abgeraten. Hintergrund ist Takaichis Aussage vom 8. November im Parlament, dass ein chinesischer Versuch, Taiwan gewaltsam einzunehmen, Japans Selbstverteidigungskräfte zu einer Intervention veranlassen könnte.
Gesamtopposition formiert sich
Trotz der Popularität der Premierministerin warnen Analysten, dass die Wählerunterstützung nicht direkt in LDP-Gewinne umgemünzt werden kann. Am 16. Januar bildeten die größte Oppositionspartei, die Konstitutionell-Demokratische Partei Japans, und die Komeito – langjähriger Koalitionspartner der LDP – ein neues Bündnis namens "Zentristische Reformallianz", das zusammen 172 Sitze kontrolliert. Norihiro Yamaguchi, Chef-Japan-Ökonom bei Oxford Economics, befürchtet, dass ohne die organisatorische Unterstützung der Komeito zahlreiche LDP-Kandidaten Schwierigkeiten haben könnten.
Jesper Koll, Expertenvorstand bei Monex Group, zeigt sich optimistischer: Er sieht in Takaichi eine "Inspiration" für junge Japaner, deren persönliche Anziehungskraft – unabhängig von der Wirtschaftspolitik – zu einem Erdrutschsieg führen könnte.
Anleihen unter Verkaufsdruck
Unmittelbar nach der Wahlankündigung kam es zu erheblichen Turbulenzen an den japanischen Anleihemärkten. Japans 40-jährige Staatsanleihen-Rendite erreichte am Dienstag einen Rekordwert von 4% – den höchsten Stand seit Einführung dieser Laufzeit. Investoren befürchten, dass geplante Kürzungen der Lebensmittelumsatzsteuer die fiskalische Lage des hochverschuldeten Landes verschlechtern könnten.
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Zur AktienanalyseAuch kurzfristigere Laufzeiten verzeichneten starke Anstiege: Die Rendite der 10-jährigen JGBs stieg um über 6 Basispunkte auf 2,3% (höchster Stand seit 1999), während die 20-jährigen Papiere um etwa 9 Basispunkte auf 3,35% zulegten. Diese Bewegung erinnert an die Volatilität vom Oktober letzten Jahres, als Takaichis Signale einer lockereren Fiskalpolitik zunächst zu Marktverwerfungen führten.
Ausblick: Steilere Zinskurve erwartet
Analysten von Crédit Agricole Corporate and Investment Bank sehen die Märkte zunehmend auf einen dauerhaften Trend hin zu einer aggressiven Fiskalpolitik unter Takaichi einstellen. Diese Haltung, die darauf abzielt, sich von den "Fesseln übermäßiger Sparpolitik" zu lösen, könnte zu höheren Defiziten führen. Es wird erwartet, dass die Zinskurve in der ersten Jahreshälfte steil bleiben wird, bevor sie sich stabilisiert, wenn sich die Muster der Anleiheemissionen anpassen und inländische Banken wieder als Käufer auftreten.
Die aktuelle Marktreaktion wird eher auf technische Faktoren und Stimmungen zurückgeführt als auf strukturelle Probleme. Dennoch zeigt die "klassische Takaichi-Handelsdynamik" – stärkerer Nikkei, schwächere Staatsanleihen und Yen – dass Investoren die fiskalischen Risiken einer zweiten Amtszeit ernst nehmen.

