Japan interveniert am Devisenmarkt zur Stützung des schwachen Yen
Japan greift erneut in den Devisenmarkt ein, um den Yen zu stützen – ausgelöst durch Ölpreisanstieg und anhaltenden Abwertungsdruck.

Japan hat am Donnerstag interveniert, um den Yen gegenüber dem US-Dollar zu stützen. Das bestätigten mit der Angelegenheit vertraute Kreise gegenüber Reuters. Es ist der jüngste Versuch der japanischen Behörden, einen anhaltenden Ausverkauf der Währung zu stoppen, der zuletzt durch steigende Ölpreise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg verschärft wurde.
Den Kreisen zufolge erwägt Japan zudem, in die Öl-Terminmärkte einzugreifen, um den Druck auf den Yen zu lindern. Politische Entscheidungsträger betrachten spekulative Preissprünge bei Energie zunehmend als eine Hauptursache für die Schwäche der japanischen Währung gegenüber dem Dollar. Japan ist bei etwa 95 Prozent seiner Ölimporte auf den Nahen Osten angewiesen – ein Umstand, der das Land besonders anfällig für geopolitisch bedingte Energiepreisschocks macht.
Hintergrund: Warum steht der Yen unter Druck?
Die japanische Währung leidet unter mehreren strukturellen Belastungsfaktoren gleichzeitig. Der langsame Rückzug der Bank of Japan (BOJ) aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik sowie Sorgen über die expansive Fiskalpolitik von Premierministerin Sanae Takaichi belasten den Yen erheblich. Takaichis Partei hatte eine vorgezogene Neuwahl im Februar mit dem Versprechen einer „verantwortungsvoller, proaktiver" Fiskalpolitik gewonnen – was neue Unsicherheit in den japanischen Finanzausblick brachte.
Hinzu kommt der Status des US-Dollars als sicherer Hafen in Krisenzeiten, der die Misere des Yen zusätzlich verschärft. Höhere Ölpreise, ausgelöst durch den Krieg der USA und Israels mit dem Iran, haben die importgetriebene Inflation in Japan weiter angeheizt. Da japanische Unternehmen ihre Produktion zunehmend ins Ausland verlagert haben, ist die Wirtschaft stark auf Importe angewiesen – von Treibstoffen und Rohstoffen bis hin zu Maschinenteilen.
Wie funktioniert eine Yen-Kaufintervention?
Um den Yen zu stützen, greifen die japanischen Behörden auf die Währungsreserven des Landes zurück: Sie verkaufen Dollar und kaufen dafür Yen. Den Interventionsbefehl erteilt der Finanzminister, die BOJ führt den Auftrag als Agent des Ministeriums aus. Im umgekehrten Fall – wenn Japan eine Aufwertung des Yen verhindern will – gibt das Finanzministerium kurzfristige Schatzwechsel aus, um Yen zu beschaffen und diese anschließend zu verkaufen.
Yen-Kaufinterventionen waren historisch gesehen selten. Weitaus häufiger hat das Finanzministerium in der Vergangenheit Yen verkauft, um zu verhindern, dass ein starker Yen die exportabhängige Wirtschaft belastet. Doch die Yen-Schwäche wird nun als ernstes Problem angesehen, da sie die Importkosten in die Höhe treibt und die Inflation befeuert.
Japan führte im September 2022 zum ersten Mal seit 1998 Yen-Kaufinterventionen durch. Seither hat das Land vier solcher Operationen durchgeführt. Zuletzt griff Japan im Juli 2024 in den Devisenmarkt ein, nachdem der Yen mit 161,96 pro Dollar ein 38-Jahres-Tief erreicht hatte.
Warnsignale vor einer Intervention
Beobachter achten auf bestimmte Signale, die eine bevorstehende Intervention ankündigen. Wenn japanische Behörden ihre verbalen Warnungen verschärfen und erklären, sie seien „bereit, entschlossen zu handeln", gilt dies als deutliches Zeichen. Sogenannte „Rate Checks" der BOJ – bei denen Zentralbankbeamte Händler anrufen und nach Kauf- oder Verkaufskursen für den Yen fragen – werden von Marktteilnehmern ebenfalls als möglicher Vorbote einer Intervention gewertet.
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Zur AktienanalyseVor dem Umschwung im Dollar-Yen-Handel am Donnerstag hatte Finanzministerin Satsuki Katayama gewarnt, dass „entschlossene" Maßnahmen unmittelbar bevorstünden. Japans oberster Währungsdiplomat Atsushi Mimura richtete eine unmissverständliche Botschaft an die Märkte: „Dies ist unsere letzte Evakuierungswarnung an die Märkte." Selbst nachdem er nur wenige Stunden zuvor interveniert hatte, betonte Mimura, dass die Behörden bereit seien, erneut in die Märkte einzugreifen.
Rückendeckung aus Washington
Die japanischen Behörden legen großen Wert auf die Unterstützung der G7-Partner, insbesondere der USA, wenn die Intervention den Dollar betrifft. Washington gab seine stillschweigende Zustimmung, als Japan 2022 und 2024 intervenierte. In einer im September unterzeichneten gemeinsamen Erklärung bekräftigten das japanische und das US-amerikanische Finanzministerium ihr Bekenntnis zu marktbestimmten Wechselkursen, vereinbarten jedoch, dass Interventionen der Bekämpfung übermäßiger Volatilität vorbehalten bleiben sollten. Katayama betonte, die Regierung stehe in engem und ständigem Kontakt mit den US-Behörden.

