Japan droht mit Yen-Intervention: Währung fällt auf 160 Dollar
Tokio bekräftigt Bereitschaft zur Devisenmarkt-Intervention, während der Yen auf ein Zwei-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar fällt.

Japans Regierung hat erneut unmissverständlich klargemacht, dass sie bereit ist, in den Devisenmarkt einzugreifen. Kabinettschef Minoru Kihara erklärte am Donnerstag auf einer regulären Pressekonferenz: „Wir sind bereit, bei Bedarf jederzeit angemessen auf Währungsbewegungen zu reagieren." Auslöser war der erneute Kursverfall des Yen, der am Mittwoch kurzzeitig auf 160,795 Yen pro Dollar abrutschte – ein Niveau, das seit fast zwei Jahren nicht mehr erreicht worden war.
Der schwache Yen stellt Japan vor ein wirtschaftliches Dilemma. Einerseits profitieren exportorientierte Unternehmen von der günstigen Währung, da ihre im Inland produzierten Waren auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger werden. Andererseits steigen die Importkosten für Unternehmen und Haushalte erheblich. „Wir müssen solche Auswirkungen umfassend prüfen", betonte Kihara und kündigte an, die Marktentwicklungen weiterhin genau zu beobachten.
Rekordintervention ohne nachhaltige Wirkung
Bereits Ende April hatte Tokio massiv eingegriffen: Zwischen Ende April und Anfang Mai gaben die japanischen Behörden einen Rekordbetrag von 11,7 Billionen Yen – umgerechnet rund 72,87 Milliarden Dollar – für Devisenmarktinterventionen aus, um den Yen zu stützen. Der Effekt war jedoch nur von kurzer Dauer. Die Währung hat seitdem alle nach der Intervention erzielten Gewinne wieder abgegeben und notiert aktuell bei rund 160,76 Yen pro Dollar.
Auch die Entscheidung der Bank of Japan (BOJ), die Zinsen am Dienstag auf ein 31-Jahres-Hoch anzuheben, konnte den Yen kaum stabilisieren. Der Leitzins liegt weiterhin bei lediglich 1 Prozent – weit unter der Spanne der US-Notenbank Federal Reserve von 3,50 bis 3,75 Prozent. Diese erhebliche Zinsdifferenz bleibt der entscheidende Belastungsfaktor für die japanische Währung.
Fed-Kurs verschärft Druck auf den Yen
Die Federal Reserve hielt die Zinssätze zwar am Mittwoch stabil, signalisierte jedoch angesichts wachsender Inflationssorgen eine wahrscheinliche Erhöhung im weiteren Jahresverlauf. Diese falkenhaften Signale aus Washington verstärken den Druck auf den Yen zusätzlich. Steigende Wetten darauf, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinserhöhung sein könnte, hatten die breite Dollar-Rally ausgelöst, die den Yen nach unten drückte.
Für Japan ist die anhaltende Yen-Schwäche besonders problematisch, da sie die Importkosten in die Höhe treibt und den Preisdruck verstärkt. Der durch den Nahost-Konflikt ausgelöste Energieschock hat die Treibstoffkosten bereits erhöht, was die BOJ zu der Warnung veranlasste, dass sie Gefahr läuft, bei der Inflation hinter die Kurve zu geraten. Seisaku Kameda, ehemaliger Chefökonom der Zentralbank und heute leitender Ökonom am Sompo Institute Plus, erläuterte: „Die wichtigste Änderung, die die BOJ am Dienstag vornahm, bestand darin, ihre Zinserhöhung damit zu begründen, dem Risiko vorzubeugen, hinter die Kurve zu geraten."
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Zur AktienanalyseMarktpessimismus trotz Zinserhöhungsaussichten
Die Aussichten auf weitere Zinserhöhungen der BOJ konnten den Marktpessimismus gegenüber dem Yen bislang kaum zerstreuen. Die spekulativen Netto-Short-Positionen auf den Yen stiegen auf den höchsten Stand seit Juli 2024, wie aktuelle Termindaten zeigen. Ataru Okumura, Senior-Zinsstratege bei SMBC Nikko Securities, sieht als Hauptursache die wachsende geldpolitische Kluft: „Ein Schlüsselfaktor für die Beschleunigung der Yen-Schwäche war bisher die deutlich größer werdende Kluft zwischen der inländischen und der ausländischen Geldpolitik."
Okumura geht davon aus, dass das Dollar-Yen-Paar aufgrund zeitweiser Interventionen der Behörden nicht deutlich über die Marke von 160 ausbrechen dürfte. Gleichzeitig sieht er die BOJ unter Zugzwang: „Da man erkennt, dass diese Situation nicht nachhaltig ist, wird die Bank of Japan wahrscheinlich gezwungen sein, die Zinssätze etwas früher als erwartet anzuheben." Auch Finanzministerin Satsuki Katayama hatte bereits vergangene Woche gewarnt, dass die Behörden „jederzeit bereit sind, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen".


