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Jamie Dimon warnt vor Staatsanleihen – Anleger setzen auf Kurzläufer

JPMorgan-Chef Jamie Dimon meidet langlaufende US-Staatsanleihen. Viele Anleger haben diese Entscheidung längst vorweggenommen.

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Jamie Dimon warnt vor Staatsanleihen – Anleger setzen auf Kurzläufer

Jamie Dimon, CEO von JPMorgan und Chef der größten Bank der USA, hat in dieser Woche eine doppelte Warnung ausgesprochen: Sowohl der Aktienmarkt als auch der Markt für langlaufende US-Staatsanleihen seien aus seiner Sicht unattraktiv. In einem Interview mit CNBC sagte Dimon, er würde keine langlaufenden Staatsanleihen kaufen. „Die 10-jährige Anleihe sollte wahrscheinlich bei 4% bis 4,5% liegen", so der Bankenchef wörtlich.

Derzeit rentiert die 10-jährige US-Staatsanleihe bei 4,6%. Die Rendite ist im Jahresverlauf gestiegen, weil der Markt seine Erwartungen verschoben hat – weg von baldigen Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve, hin zu der Einschätzung, dass eine Zinserhöhung wahrscheinlicher sein könnte. Da Anleihekurse und Renditen sich entgegengesetzt bewegen, bedeutet steigende Rendite fallende Kurse – ein ungünstiges Umfeld für Inhaber langlaufender Papiere.

Dimon sieht selbst dann kaum Aufwärtspotenzial für langlaufende Staatsanleihen, wenn die Inflation wieder näher an das 2%-Ziel der Fed heranrücken sollte. Zusätzlich belasten allgemeine Sorgen über die US-Staatsausgaben und das Defizitniveau die Aussichten für die Renditen.

Anleger setzen bereits auf kurzfristige Staatsanleihen

Viele Investoren haben diese Einschätzung bereits vor Dimons Warnung in die Tat umgesetzt. Daten zu ETF-Mittelzuflüssen zeigen, dass der iShares 0-3 Month Treasury Bond ETF (SGOV) in diesem Jahr mehr Kapital angezogen hat als jeder andere Anleihen-ETF. Laut ETFAction.com verzeichnete der Fonds Nettozuflüsse von 47,5 Milliarden US-Dollar.

Mit einem verwalteten Vermögen von fast 100 Milliarden US-Dollar ist der SGOV inzwischen zum drittgrößten Anleihen-ETF überhaupt aufgestiegen. Nur der Vanguard Total Bond Market ETF (BND) und der iShares Core US Aggregate Bond ETF (AGG) sind noch größer. Im Gesamtranking aller ETFs nach Mittelzuflüssen belegt der SGOV den fünften Platz – übertroffen lediglich von den großen S&P-500-Kernfonds von Vanguard, iShares und State Street sowie dem Vanguard Total Stock Market ETF.

Diese Dynamik hielt das gesamte Jahr über an. Auch im Monat Juni belegte der SGOV den fünften Platz unter allen ETFs bei den Mittelzuflüssen. Im vergangenen Jahr waren der Vanguard Total Bond Market und der iShares 0-3 Month Treasury Bond ETF die einzigen Renten-ETFs unter den Top 10 der ETFs nach Mittelzuflüssen insgesamt.

Buffett als prominenter Fürsprecher kurzfristiger Anleihen

Die Strategie, kurzfristige Staatsanleihen als Puffer gegen Marktvolatilität einzusetzen, ist nicht neu. Prominentester Befürworter ist Warren Buffett, der in seinem Jahresbericht 2013 an die Berkshire-Hathaway-Aktionäre schrieb, sein Nachlassplan für seine Frau sehe eine Aufteilung von 90% im S&P 500 und 10% in kurzfristigen Staatsanleihen vor – was für die meisten langfristigen Anleger gut genug sei.

Für deutsche Privatanleger ist der Kontext bedeutsam: Wer sein Portfolio gegen einen möglichen Aktienmarktabschwung absichern möchte, greift klassischerweise auf den „Flight to Safety" in Staatsanleihen zurück. Dimons Warnung macht jedoch deutlich, dass dieser Schutz im aktuellen Umfeld nur bei kurzlaufenden Papieren greift. Langlaufende Anleihen bleiben angesichts von Zinsrisiken, Inflationsunsicherheit und Defizitsorgen unter Druck.

Parallel dazu fließen weiterhin Rekordsummen in Aktien-ETFs. Der US-ETF-Markt erreichte zur Jahresmitte ein verwaltetes Vermögen von über 1 Billion US-Dollar, wobei Aktien-ETFs fast die Hälfte dieser Summe ausmachten. Die Kombination aus hohen Aktienbewertungen und einem schwierigen Anleihenmarkt stellt Anleger damit vor eine anspruchsvolle Abwägung.

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