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IWF-Chefökonom warnt vor Risiken und globaler Handelsfragmentierung

Scheidender IWF-Chefökonom Gourinchas sieht hohe Unsicherheit, erschöpfte Ölreserven und sich wandelnde Handelsbeziehungen als zentrale Risiken.

IWF-Chefökonom warnt vor Risiken und globaler Handelsfragmentierung

Der scheidende Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Pierre-Olivier Gourinchas, hat kurz vor seinem Abgang eindringlich vor den anhaltenden Risiken für die Weltwirtschaft gewarnt. In einem Interview mit Reuters erklärte er, dass die strategischen Ölreserven vieler Länder weitgehend erschöpft seien – und damit ein wichtiger Puffer wegfalle, falls der fragile Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran nicht halte. Gourinchas kehrt nächste Woche an die University of California, Berkeley, zurück.

Die Freigabe strategischer Ölreserven habe zwar dazu beigetragen, einen noch stärkeren Preisanstieg zu verhindern. Lediglich 3 Prozent des weltweiten Öls seien vom Markt genommen worden – statt der ursprünglich prognostizierten 10 bis 15 Prozent. Dennoch sei die Lage fragil: US-Präsident Donald Trump beschuldigte den Iran am Freitag eines Angriffs auf ein Schiff nahe Oman, was den Waffenstillstand gefährde.

Szenarien statt Basisprognose

Gourinchas deutete an, dass der IWF bei seiner nächsten Prognose am 8. Juli möglicherweise zu einer klassischen Basisprognose zurückkehren könnte – anstelle der drei Szenarien, die im April vorgelegt worden waren. Es war das zweite Mal in seiner Amtszeit, dass der Fonds auf eine Basisprognose verzichtete; das erste Mal war im April 2025, nachdem Trump den Welthandel mit weitreichenden Zöllen erschüttert hatte.

Für 2025 und 2026 gebe es kaum historische Präzedenzfälle, auf denen eine glaubwürdige Basisprognose basieren könnte, so Gourinchas. Ökonomen müssten daher „bescheiden sein" und stattdessen Szenarien abbilden. Solche Ausnahmen sollten jedoch selten bleiben: „Wir wollen das nicht zu oft machen", sagte er. Im negativsten Szenario, das der IWF im vergangenen Monat skizziert hatte, lag das Wachstum für 2026 bei lediglich 2,5 Prozent – verglichen mit 3,1 Prozent im günstigeren Referenzszenario.

Neue Handelsabkommen ohne die USA

Ein weiteres zentrales Thema des Interviews war die sichtbare Verschiebung globaler Handelsströme infolge der US-Zollpolitik. Gourinchas verwies auf den Abschluss von Handelsabkommen der Europäischen Union mit Lateinamerika und Indien – nach jahrzehntelangen Verhandlungen. „Plötzlich, in weniger als einem Jahr, sind beide unterzeichnet. Das ist kein Zufall", sagte er. Viele dieser neuen Abkommen schließen die Vereinigten Staaten nicht ein.

Gourinchas äußerte sich auch grundsätzlich skeptisch gegenüber dem Einsatz von Zöllen und Wirtschaftssanktionen als politisches Druckmittel. Solche Instrumente hätten kurzfristig zwar einen Hebel, doch die betroffenen Akteure reagierten schnell: Sie umgingen Beschränkungen, beschleunigten eigene Innovationen und knüpften neue Handelsbeziehungen. „Mittel- bis langfristig funktionieren sie fast nie", sagte er.

Die Weltwirtschaft zeige damit eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit – auch wenn diese Anpassung mit erheblicher Unsicherheit und strukturellen Verschiebungen verbunden sei. Für Anleger und Unternehmen bedeutet das: Die globale Handelsordnung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, dessen Ausgang noch offen ist.

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