Ivonescimab senkt Sterberisiko bei Lungenkrebs um 34 Prozent
Das experimentelle Lungenkrebsmedikament Ivonescimab überzeugt in einer chinesischen Phase-3-Studie mit beeindruckenden Überlebensdaten.

Das experimentelle Krebsmedikament Ivonescimab von Akeso und Summit Therapeutics hat in der Phase-3-Studie Harmoni-6 das Sterberisiko bei Lungenkrebspatienten um 34 Prozent gesenkt. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt. In Kombination mit einer Chemotherapie verlängerte das Medikament das Leben von Patienten mit plattenepithelialem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom im Median um vier Monate gegenüber der Standardkombination aus Immun- und Chemotherapie. Das Ergebnis gilt laut dem veröffentlichten Abstract als statistisch signifikant.
Ivonescimab ist ein sogenannter bispezifischer Antikörper – ein Wirkstoff, der gleichzeitig zwei verschiedene Zielstrukturen im Körper angreift. Er richtet sich gegen PD-1, ein Protein, das Krebszellen hilft, sich vor dem Immunsystem zu verstecken, sowie gegen VEGF, ein Protein, das das Wachstum neuer Blutgefäße fördert und Krebszellen beim Gedeihen helfen kann. Damit kombiniert Ivonescimab die Wirkmechanismen zweier bewährter Therapieansätze in einem einzigen Molekül. PD-1-Hemmer wie Mercks Blockbuster Keytruda und VEGF-Hemmer wie Rochs Avastin gehören zu den meistgenutzten Krebsmedikamenten weltweit.
Experteneinschätzung: Ermutigend, aber mit Vorbehalten
Dr. Suresh Ramalingam, Exekutivdirektor des Winship Cancer Institute der Emory University, kommentierte die Daten mit vorsichtigem Optimismus. „Die Tatsache, dass es eine Verbesserung des Gesamtüberlebens in einer schwer zu behandelnden Patientenpopulation zeigt, ist sehr ermutigend", sagte er. Gleichzeitig wies er auf eine wichtige Einschränkung hin: „Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass diese Studie ausschließlich in China durchgeführt wurde. Das wirft die Frage auf, wie diese Daten auf Patientenpopulationen außerhalb Chinas übertragbar sind, was künftige Untersuchungen erfordern wird."
Die Studie Harmoni-6 wurde vollständig in China durchgeführt. Eine globale Phase-3-Studie ist derzeit im Gange, deren Ergebnisse für die internationale Zulassung entscheidend sein dürften. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Ivonescimab Tumoren wirksam kontrollieren kann – ein Endpunkt, der als progressionsfreies Überleben bekannt ist. Die nun vorgelegten Daten zum Gesamtüberleben gelten in der Onkologie als deutlich aussagekräftiger.
Heiß diskutiert: Zwischen Euphorie und Skepsis
Ivonescimab ist Gegenstand intensiver Debatten – sowohl in der medizinischen Fachwelt als auch in der Investment-Community. Einige Experten sehen in dem Wirkstoff und ähnlichen PD-1/VEGF-Medikamenten einen potenziellen Nachfolger für Mercks äußerst erfolgreiches Krebsmedikament Keytruda. Andere warnen hingegen, dass das Medikament wie andere einst vielversprechende Ansätze – etwa Wirkstoffe gegen den Immunrezeptor TIGIT – enttäuschen könnte.
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Zur AktienanalyseDiese gegensätzlichen Einschätzungen spiegeln sich deutlich im Aktienkurs von Summit Therapeutics wider. Das US-Unternehmen hält die Lizenzrechte an Ivonescimab außerhalb Chinas, die es von Akeso erworben hat. Seit Summit vor rund zwei Jahren bekanntgab, dass Ivonescimab Tumoren in einer separaten China-Studie wirksamer kontrollierte als Keytruda, ist die Aktie um fast 600 Prozent gestiegen. Im vergangenen Monat gab der Kurs jedoch nach, da Bedenken aufkamen, das Medikament könnte in einer globalen Patientenpopulation weniger wirksam sein.
Für deutsche Anleger und Patienten bleibt die Entwicklung von Ivonescimab ein wichtiges Thema zu beobachten. Die Klasse der PD-1/VEGF-Bispezifika gilt als einer der spannendsten Bereiche der modernen Onkologie. Ob Ivonescimab sein Versprechen auch in globalen Studien einlösen kann, wird die laufende internationale Phase-3-Studie zeigen müssen.


