Israel-Streit spaltet Demokraten tief vor Vorwahlen 2028
Der Nahostkonflikt dominiert die innerparteiliche Debatte der US-Demokraten und verdrängt Wirtschaftsthemen vollständig.
Die Demokratische Partei der USA erlebt einen tiefen innerparteilichen Riss – und der Auslöser ist nicht die Wirtschaft, nicht Einwanderung, nicht einmal Donald Trump. Es ist die Haltung zu Israel und dem Gazakrieg, die die Partei in zwei unversöhnliche Lager treibt. Die laufenden Vorwahlen haben sich, wie die Financial Times analysiert, von einem klassischen „It's the economy, stupid" in ein „It's Israel, stupid" verwandelt.
Der Konflikt erinnert Beobachter an die Spaltung der Demokraten über den Vietnamkrieg in den 1960er und 1970er Jahren. Damals wie heute fungiert die Außenpolitik als moralischer Lackmustest – besonders für jüngere, progressive Wähler. Wer diesen Test nicht besteht, verliert in ihren Augen seine politische Glaubwürdigkeit.
Michigan als Brennpunkt des Parteistreits
Das deutlichste Warnsignal kommt aus Michigan. Dort liefern sich Abdul El-Sayed und Haley Stevens einen erbitterten Kampf um die Senatsnominierung des Bundesstaates. Das Rennen hat sich zu einem Stellvertreterkrieg entwickelt: auf der einen Seite der jüngere, pro-palästinensische Flügel der Partei, auf der anderen das ältere, pro-israelische Establishment.
El-Sayed, ein progressiver Gesundheitsbeamter, positioniert Stevens als Instrument des einflussreichen American Israeli Public Affairs Committee (AIPAC). Das Lobbying-Komitee soll rund 30 Millionen US-Dollar in Stevens' Kampagne investiert haben. Stevens wiederum geht scharf zurück: „Jeder in Amerika versteht, dass Sie alle Ihre Probleme den jüdischen Amerikanern in die Schuhe schieben wollen", sagte sie zuletzt über El-Sayed – eine Aussage, die ihn faktisch des Antisemitismus bezichtigt.
Trotz des Rückenwinds für El-Sayed deuten Umfragen darauf hin, dass er im November eher gegen einen republikanischen Kandidaten verlieren könnte als Stevens. Das hätte direkte Konsequenzen für die Chancen der Demokraten, die Kontrolle über den US-Senat zurückzugewinnen – ein strategisch entscheidendes Ziel für die Partei.
Aktivisten ignorieren Wählbarkeitsargumente
Solche Wählbarkeitsargumente stoßen bei Aktivisten und progressiven Wählern jedoch weitgehend auf taube Ohren. Viele sind überzeugt, dass Kamala Harris die Präsidentschaftswahl 2024 gegen Trump verlor, weil sie in der Israel-Frage nicht klar genug mit Joe Biden gebrochen hatte. Die Tatsache, dass Harris nur 107 Tage als Nominierte zur Verfügung hatte und in Wirtschaftsfragen wenig überzeugend wirkte, wird in dieser Lesart als nachrangig betrachtet.
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Zur AktienanalyseDas Israel-Thema hat im Vorwahlkampf mehr Raum eingenommen als Bezahlbarkeit, Einwanderung, Demokratie, Trump und alle anderen Themen zusammen. Obwohl sich die Kandidaten in den meisten Sachfragen kaum unterscheiden, dominiert diese eine außenpolitische Frage das gesamte Rennen.
Die Entwicklung in Michigan gilt als Vorgeschmack auf die Präsidentschaftsvorwahlen der Demokraten im Jahr 2028. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Haltung zu Israel und Palästina die entscheidende Trennlinie innerhalb der Partei sein wird – mit ungewissem Ausgang für die Geschlossenheit und Wahlkampffähigkeit der Demokraten.


