Israel greift Tyros an: Mindestens acht Tote im Südlibanon
Nach erstmaligem Evakuierungsbefehl für die gesamte Stadt bombardiert Israel die historische Hafenstadt Tyros und tötet mindestens acht Menschen.

Israel hat am Dienstag die historische Hafenstadt Tyros im Südlibanon angegriffen und dabei mindestens acht Menschen getötet. Das libanesische Gesundheitsministerium bestätigte die Opferzahlen. Zuvor hatte das israelische Militär erstmals einen Evakuierungsbefehl für die gesamte Stadt herausgegeben.
Die Todesfälle gehen auf einen einzelnen Angriff am östlichen Rand der Stadt zurück. Es handelte sich um einen der tödlichsten israelischen Bombenangriffe auf Tyros seit dem Ausbruch des Krieges zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz am 2. März. Das Gesundheitsministerium erklärte, dass Rettungskräfte in den Trümmern weiterhin nach Überlebenden suchen.
Ein von Reuters verifiziertes Video aus dem betroffenen Viertel zeigte Trümmer, die über die gesamte Länge einer Straße verstreut waren. In einer rauchgefüllten Gasse war ein Kran im Einsatz an einem beschädigten Gebäude zu sehen.
Evakuierungsbefehl auch für christliches Viertel
Der israelische Evakuierungsbefehl vom Dienstagmorgen umfasste diesmal auch das nordwestliche christliche Viertel der Stadt. Dieses Viertel war bislang von früheren Evakuierungsbefehlen ausgenommen gewesen und hatte Vertriebenen aus anderen Stadtteilen als Zufluchtsort gedient. In der vergangenen Woche hatte das israelische Militär ohne Angabe von Beweisen erklärt, dass sich Kämpfer der vom Iran unterstützten Hisbollah in dem Gebiet versteckt hielten.
Israel hatte die Christen in der Stadt aufgefordert, den Abzug der Hisbollah zu verlangen, und mit der Evakuierung des Bezirks gedroht, sollten die Kämpfer nicht abziehen. Libanesische Staatsmedien berichteten, dass die Menschen am Dienstag aus der Stadt flohen. Zivilschutzteams brachten ältere Bewohner, die zurückgeblieben waren, in Notunterkünfte.
Ärzte ohne Grenzen stellt Krankenhausbetrieb ein
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) erklärte, sie sei zutiefst besorgt über die sogenannten „Praktiken der Zwangsvertreibung". Die Organisation bezog sich dabei auf Israels Warnung an die Bevölkerung, das Gebiet vor den Angriffen zu verlassen. MSF kritisierte, diese Praktiken würden „Menschen weiteren Gefahren aussetzen, indem sie sie zwingen, unter unsicheren und chaotischen Bedingungen zu fliehen".
Als direkte Konsequenz gab MSF bekannt, dass die medizinischen Aktivitäten in mehreren nahegelegenen Krankenhäusern sowie der Betrieb der mobilen Kliniken für diesen Tag eingestellt werden mussten. Dies verschärft die humanitäre Lage in der ohnehin stark betroffenen Region erheblich.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseHintergrund: Krieg im Libanon seit März
Der aktuelle Krieg im Libanon brach aus, als die Hisbollah zur Unterstützung ihres Verbündeten Teheran Raketen auf Israel abfeuerte. Israel reagierte mit schweren Angriffen und einer Bodeninvasion, die weite Teile des Südens besetzt hat. Die USA kündigten am 16. April einen Waffenstillstand an, der die Kämpfe im Südlibanon jedoch nicht stoppen konnte.
Israel hat seither fortlaufend Evakuierungsbefehle für den Südlibanon erlassen. Diese haben faktisch ein Fünftel des Landes entvölkert – einschließlich Gebieten weit jenseits der eigentlichen Frontlinien. Tyros gilt als eine der ältesten und historisch bedeutendsten Städte der Region und steht seit der Antike als Hafenstadt an der östlichen Mittelmeerküste.


