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IRS-Chef Bisignano soll bei JPMorgan Kollegen ausspioniert haben

Frank Bisignano, heute Chef von IRS und Social Security Administration, soll bei JPMorgan Chase Führungskräfte systematisch überwacht haben.

IRS-Chef Bisignano soll bei JPMorgan Kollegen ausspioniert haben

Frank Bisignano steht heute an der Spitze zweier mächtiger US-Behörden: des Internal Revenue Service (IRS), der amerikanischen Steuerbehörde, und der Social Security Administration. Beide Organisationen speichern riesige Mengen sensibler Finanzdaten über jeden Steuerzahler. Nun berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass Bisignano in seiner früheren Karriere bei JPMorgan Chase Kollegen bespitzelt haben soll.

Bisignano war bei der US-Großbank JPMorgan Chase als Co-Chief Operating Officer tätig – eine Position, die ihm weitreichenden Einblick in alle Bereiche des Finanzinstituts verschaffte. Laut Berichten soll er diese Autorität genutzt haben, um ohne erkennbare geschäftliche Rechtfertigung auf sensible Informationen und interne Kommunikation anderer Führungskräfte zuzugreifen. Dabei soll er seine Kontrolle über die Sicherheitsabteilung der Bank gezielt eingesetzt haben.

Konkret soll Bisignano sein Sicherheitspersonal angewiesen haben, Software einzusetzen, um die E-Mails konkurrierender Führungskräfte zu durchsuchen. Zu den Betroffenen soll Charlie Scharf gehört haben – damals Leiter des Privatkundengeschäfts bei JPMorgan und heute CEO von Wells Fargo. Eine der betroffenen Führungskräfte soll die Überwachung sogar vermutet und eine Code-Phrase in seine E-Mails eingebaut haben, die Bisignano ihm gegenüber später tatsächlich wiederholte.

Zugriff auf vertrauliche Regulierungsdokumente

Die Vorwürfe gehen noch weiter: Bisignano soll auch auf den Entwurf einer Beschwerde der Federal Energy Regulatory Commission (FERC) über ein fragwürdiges Derivategeschäft zugegriffen haben. Dieses vertrauliche Dokument soll nur wenigen Mitgliedern der Rechtsabteilung vorgelegen haben. Darüber hinaus soll er Mitarbeiter angewiesen haben, Software zur Überwachung von Angestellten einzusetzen – teilweise mit dem Versuch, Tastenanschläge zu verfolgen, was Entwurfsfassungen von Dokumenten offenlegen kann.

Den Informanten zufolge verfolgte Bisignano mit diesen Maßnahmen ein klares Ziel: Er wollte Mitarbeiter streng kontrollieren und die gewonnenen Informationen nutzen, um Rivalen zu untergraben, während er seinen eigenen Verantwortungsbereich innerhalb der Bank ausweitete. Vorwürfe eines unbefugten Zugriffs auf Kundendaten sind in diesem Zusammenhang nicht bekannt.

Vertrauensverlust bei Jamie Dimon

Gegen Ende des Jahres 2012 eskalierte die Situation. Nach jahrelangen Beschwerden über Bisignanos Verhalten – darunter Vorwürfe wegen respektlosen Umgangs mit Kollegen und Untergebenen sowie Verstöße gegen Unternehmensnormen bei der Datenerhebung – verlor JPMorgan-Chef Jamie Dimon das Vertrauen in ihn. Dimon soll Bisignano daraufhin mitgeteilt haben, dass er ihn bei der Suche nach einer Stelle außerhalb des Unternehmens unterstützen würde.

Die Enthüllungen sind besonders brisant, weil Bisignano heute als Chef des IRS und der Social Security Administration Zugang zu den sensibelsten Finanzdaten von Millionen amerikanischer Steuerzahler hat. Für deutsche Anleger und Beobachter des US-Finanzmarktes wirft der Fall grundlegende Fragen über Datenschutz, Aufsicht und die Eignung von Führungspersönlichkeiten für hochsensible Regierungsämter auf.

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