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Iran und USA schlittern erneut in einen gefährlichen Krieg

Ein Experte der Johns Hopkins University analysiert, warum das Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran gescheitert ist.

Iran und USA schlittern erneut in einen gefährlichen Krieg

Die USA und der Iran befinden sich erneut im Krieg. Nicht weil eine der beiden Seiten das unterzeichnete Memorandum of Understanding (MoU) falsch verstanden hätte – sondern weil das Abkommen von Anfang an auf einem Machtgleichgewicht basierte, das Washington verändern und Teheran verteidigen wollte. So lautet die zentrale These von Alex Vatanka, Professor an der Johns Hopkins University und Autor von „Iran's Grand Strategy".

Die USA hatten den Krieg im Februar mit dem Ziel begonnen, die Islamische Republik zu stürzen oder sie zumindest zu einem amerikanischen Diktat zu zwingen, das ihr Atomprogramm und ihre regionale Rolle einschränkt. Doch der Krieg verlief anders als geplant: Der Iran errang einen strategischen Sieg und sicherte sich die Kontrolle über die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Dieser Rückschlag zwang Washington, dem MoU zuzustimmen.

Teherans Misstrauen gegenüber dem Waffenstillstand

Die iranische Führung betrachtete das MoU von Beginn an mit Skepsis. Sie vermutete, dass es sich lediglich um einen vorübergehenden taktischen Rückzug der USA handelte – eine Atempause, um den Druck auf die Weltwirtschaft zu lindern und sich auf eine weitere Kriegsphase vorzubereiten. US-Vizepräsident JD Vance verstärkte diesen Verdacht, als er öffentlich andeutete, dass Präsident Donald Trump das Abkommen begrüßte, weil es Amerika Zeit verschaffen würde, seine schwindenden strategischen Ölreserven wieder aufzufüllen.

Teheran sah sich durch eine Reihe konkreter Maßnahmen in seinem Misstrauen bestätigt: Iranische Vermögenswerte wurden nicht freigegeben, ein von den USA vermitteltes Abkommen zwischen Israel und dem Libanon ignorierte iranische Forderungen nach einem Waffenstillstand, weitere US-Militärkapazitäten trafen in der Golfregion ein, und Washington ermutigte Handelsschiffe, die Anweisungen Teherans zur Koordinierung bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ignorieren. Einige Schiffe passierten daraufhin Fahrrinnen nahe der omanischen Küste.

Jede dieser Maßnahmen für sich genommen mochte kein schwerwiegender Verstoß gegen das MoU gewesen sein. Zusammen aber stellten sie nach iranischer Lesart eine konzertierte Anstrengung dar, den Einfluss zu untergraben, den der Iran im Krieg gewonnen hatte.

Die Straße von Hormus als entscheidendes Druckmittel

Für die iranische Führung ist die Kontrolle über die Straße von Hormus das einzige Druckmittel, auf das sie nicht verzichten kann. Ein Verlust der Dominanz in der Meerenge würde den Iran in künftigen Verhandlungen ohne jegliche Verhandlungsmacht zurücklassen. Teheran ist überzeugt, dass nur eine aggressive Eskalation die USA zu ernsthaften Verhandlungen über ein umfassendes Atomabkommen zwingen kann – eines, das dem Iran die ersehnte Sicherheit und wirtschaftliche Entlastung bringen würde.

Auch innenpolitische Faktoren spielen eine Rolle: Die enorme Beteiligung an der Trauerfeier für das getötete Staatsoberhaupt Ali Chamenei überzeugte die iranische Führung, dass die Bevölkerung einen harten Kurs in Bezug auf die Meerenge unterstützen würde, die zu einem populären nationalistischen Anliegen geworden ist.

In diesem Kontext entschied der Iran, die US-Pläne zur Öffnung der Meerenge zu vereiteln, indem er zwei Tanker angriff, die nahe der omanischen Küste fuhren. Die USA reagierten mit einer ausgedehnten Bombenkampagne zur Zerstörung iranischer Drohnen- und Raketenbatterien entlang der Golfküste sowie militärischer und ziviler Infrastruktur im ganzen Land.

Irans Kalkül: Eskalation als Verhandlungsstrategie

Der Iran hatte mit einer Wiederaufnahme des Krieges gerechnet. Teheran sieht sogar einen taktischen Vorteil darin, dass der Konflikt früher als erwartet wieder aufgenommen wurde: Wenn ein Krieg ohnehin unvermeidlich ist, ist es besser, ihn zu führen, bevor die USA sich vollständig neu formieren konnten und bevor sich die Weltwirtschaft von den Energie- und Lieferkettenschocks erholen konnte.

Der Iran wird daher versuchen, den militärischen Druck der USA abzufangen und seine Angriffe auf US-Militärziele sowie Energie- und zivile Infrastruktur am Golf zu intensivieren. Gleichzeitig will Teheran die wirtschaftlichen Härten einer erneuten US-Seeblockade akzeptieren – in der Überzeugung, dass der eigene Druck auf die Weltwirtschaft durch die Schließung der Straße von Hormus und potenziell der Meerenge von Bab el-Mandeb und des Roten Meeres Trump dazu zwingen wird, zuerst einzulenken.

Der Analyst warnt jedoch, dass die iranische Führung ihre eigene Stärke möglicherweise überschätzt. Dennoch glaubt sie, dass ihre Eskalationsbereitschaft dem Land in der ersten Phase des Konflikts gute Dienste geleistet hat. Das iranische Regime befindet sich in einem existenziellen Kampf und setzt darauf, dass seine Bereitschaft, größeres Leid zu ertragen, ihm einen entscheidenden Vorteil am künftigen Verhandlungstisch verschaffen wird.

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