Iran-Krise treibt Ölpreise – KI begeistert die Märkte
Während Iran-Gespräche scheitern und Ölpreise sprunghaft steigen, sorgen Nvidia, Anthropic und SoftBank für KI-Euphorie an den Börsen.

Die Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahostkonflikt schwinden rapide. Der Iran hat den Nachrichtenaustausch mit den USA eingestellt und droht damit, die Straße von Hormus vollständig zu schließen – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für Öltransporte. US-Präsident Donald Trump zeigte sich davon wenig beeindruckt und erklärte gegenüber CNBC, es sei ihm „egal", wenn die Gespräche scheitern. Die Verhandlungen seien „sehr langweilig" geworden, so Trump.
Die Reaktion an den Rohstoffmärkten ließ nicht lange auf sich warten. Die Futures für West Texas Intermediate (WTI), die US-amerikanische Ölsorte, stiegen um mehr als 5 Prozent und schlossen bei 92,16 US-Dollar pro Barrel. Die internationale Referenzsorte Brent legte ebenfalls deutlich zu – um mehr als 4 Prozent auf 94,98 US-Dollar pro Barrel. Solche Preissprünge beim Öl gelten normalerweise als Belastung für die Aktienmärkte, da sie Inflationsängste schüren und die Unternehmenskosten erhöhen.
KI-Euphorie überschattet geopolitische Risiken
Doch diesmal verhielten sich die US-Märkte ungewöhnlich: Trotz der geopolitischen Eskalation kletterten die amerikanischen Leitindizes auf neue Rekordwerte. Der Grund dafür liegt im Technologiesektor, der mit einer Reihe bedeutender KI-Nachrichten für Aufmerksamkeit sorgte. Die asiatischen Märkte hingegen eröffneten am Dienstag schwächer – ein Zeichen dafür, dass die Risikobereitschaft der Anleger regional unterschiedlich ausgeprägt ist.
Nvidia-CEO Jensen Huang präsentierte auf der Computex-Konferenz in Taiwan einen neuen PC-Prozessor namens RTX Spark Superchip, der in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelt wurde. Der Chip soll im Herbst auf den Markt kommen und laut Huang eine „Neuerfindung" des PCs einläuten. Auf allen neuen Computern mit dem neuen Chip werde sogenannte „Agentic AI" laufen – also KI-Systeme, die eigenständig Aufgaben ausführen können.
Parallel dazu sorgte das KI-Unternehmen Anthropic für Aufsehen: Das Startup gab bekannt, den Prospekt für seinen Börsengang vertraulich eingereicht zu haben. Damit bereitet sich Anthropic auf einen potenziell historischen Aktienverkauf vor. Das Unternehmen verzeichnete zuletzt explosives Wachstum: Im Mai gab Anthropic bekannt, dass seine annualisierte Umsatzrate auf 47 Milliarden US-Dollar angestiegen ist, verglichen mit einem Umsatz von 10 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Zuletzt schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde mit einer Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar ab.
SoftBank setzt Milliarden auf KI-Infrastruktur
Zum allgemeinen KI-Optimismus trug auch SoftBank-CEO Masayoshi Son bei. Im Gespräch mit CNBC erklärte er, die KI-Revolution sei 50-mal größer als die Dotcom-Ära der 2000er-Jahre – eine gewagte Aussage, die jedoch die Stimmung vieler Technologieinvestoren widerspiegelt. SoftBank kündigte zudem an, 45 Milliarden Euro (rund 53 Milliarden US-Dollar) zu investieren, um eine KI-Infrastruktur in Frankreich aufzubauen. Dies ist Teil eines umfassenderen 75-Milliarden-Euro-Programms zur Schaffung von 5 Gigawatt an KI-Rechenzentrumskapazität in dem Land.
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Zur AktienanalyseDie Begeisterung für KI-Aktien wirft jedoch auch kritische Fragen auf. Der S&P 500 schloss am letzten Handelstag im Mai auf einem Rekordhoch, doch nur eine Handvoll Aktien – hauptsächlich aus dem KI-Bereich – erreichten dabei ihre eigenen Allzeithochs. Marktbeobachter erinnert dieses Muster an die Situation vor 26 Jahren, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Michael Hartnett von der Bank of America kommentierte, dass die „spekulative Preisbewegung" wahrscheinlich noch nicht vorbei sei – sieht darin aber zugleich ein Anzeichen dafür, dass sie sich dem Ende nähert.
Für Anleger ergibt sich damit ein zwiespältiges Bild: Einerseits liefert der KI-Sektor weiterhin beeindruckende Wachstumszahlen und Innovationen. Andererseits mahnen historische Vergleiche zur Vorsicht – und die geopolitischen Risiken rund um den Iran und die Straße von Hormus sind keineswegs vom Tisch.


