Iran-Krise: Ölkonzerne melden starke Gewinne trotz Kriegsrisiken
Steigende Ölpreise bescheren BP und Shell Rekordgewinne – doch ExxonMobil und Saudi Aramco leiden unter Produktionsausfällen am Persischen Golf.

Die Iran-Krise zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich sich ein geopolitisches Ereignis auf einzelne Branchen auswirken kann. An der Börse entstehen dabei klare Gewinner und Verlierer – je nachdem, wie stark ein Unternehmen von steigenden oder fallenden Rohstoffpreisen profitiert oder leidet. Öl und Gas sind in diesem Konflikt die entscheidenden Güter, die die Börsenwelt spalten.
Zu den Profiteuren zählen vor allem jene Ölkonzerne, die weniger stark in der Golfregion engagiert sind und gleichzeitig von den massiv gestiegenen Rohölpreisen profitieren. Der Preis für die Nordseesorte Brent kletterte nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar auf ein Mehrjahreshoch von knapp 120 Dollar pro Barrel. Im ersten Quartal lag der Durchschnittspreis bei rund 78 Dollar – gegenüber 63 Dollar im Vorquartal ein deutlicher Sprung.
BP und Shell: Starke Quartalszahlen dank hoher Ölpreise
Der britische Energiekonzern BP hat für das erste Quartal ein außergewöhnlich starkes Handelsergebnis in Aussicht gestellt. Auch die sogenannten Raffineriemargen legten zu: Sie stiegen laut BP von 15,2 auf 16,9 Dollar, was das Ergebnis im Produktgeschäft um 100 bis 200 Millionen Dollar verbessern dürfte. Die Öl- und Gasförderung selbst werde im Vergleich zum Vorquartal voraussichtlich stagnieren.
Bemerkenswert ist dabei die strategische Neuausrichtung des Konzerns: BP-Chefin Meg O'Neill will den Umbau des Unternehmens zwar fortsetzen, aber wieder stärker in das klassische Öl- und Gasgeschäft investieren, um die Profitabilität zu steigern. Die hohen Energiepreise scheinen die Ambitionen im Bereich Erneuerbare Energien vorerst zu dämpfen.
Bereits in der Vorwoche hatte Shell als einer der ersten Großkonzerne ein deutliches Gewinnplus angekündigt. In der Marketing-Sparte – zu der insbesondere das weltweite Tankstellennetz gehört – dürften die bereinigten Gewinne des ersten Quartals laut Shell „deutlich höher ausfallen" als im gleichen Zeitraum des Jahres 2025. Shell ist gemessen am Umsatz der fünftgrößte Ölkonzern der Welt.
Allerdings drohen Shell Einbußen im Flüssigerdgas-Geschäft (LNG). Der Konzern hat langfristige Verträge mit Katar abgeschlossen, dessen LNG-Produktion durch iranische Angriffe auf dortige Anlagen erheblich eingeschränkt wurde. Zusätzlich ist die strategisch wichtige Straße von Hormus für den Seetransport von LNG blockiert – ein Nadelöhr für den globalen Energiehandel.
ExxonMobil und Saudi Aramco: Produktionsausfälle belasten
Nicht alle Ölmultis profitieren gleichermaßen von der Krise. Die geographische Präsenz in der Golfregion entscheidet maßgeblich über Gewinn oder Verlust. Der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco ist besonders stark betroffen: Konzernchef Amin Nasser bezeichnete den Iran-Krieg und seine Folgen im März als die größte Krise, der die Öl- und Gasindustrie der Region jemals ausgesetzt war.
Auch der US-Ölriese ExxonMobil spürt die Auswirkungen deutlich. Der texanische Konzern hat im ersten Quartal wegen des Krieges am Persischen Golf sechs Prozent seiner weltweiten Produktion eingebüßt. Die Hälfte dieser Ausfälle konzentriert sich auf einen Flüssiggaskomplex in Katar, an dem Exxon beteiligt ist. Zwei Produktionslinien für Flüssiggas wurden beschädigt – die Reparatur könnte nach katarischen Schätzungen mehrere Jahre dauern.
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Zur AktienanalyseNormalerweise entfällt rund ein Fünftel der weltweiten Produktion von ExxonMobil auf die Region um den Persischen Golf. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise spülen dem Konzern zwar rund 2,5 Milliarden Dollar zusätzlich in die Kasse, doch das reicht laut Exxon nicht aus, um die Produktionsausfälle vollständig zu kompensieren. Unterm Strich dürfte ExxonMobil im ersten Quartal etwas weniger verdienen als zuvor.
DAX profitiert von Hoffnung auf Friedensgespräche
Für Anleger am deutschen Aktienmarkt gibt es derweil einen vorsichtigen Lichtblick: Die Hoffnung auf neue Friedensgespräche zwischen dem Iran und den USA beflügelt die Kurse. Der DAX legte bis zum frühen Nachmittag rund ein Prozent zu und überschritt zeitweise sogar die Marke von 24.000 Punkten. Die Entwicklung zeigt, wie sensibel die Märkte auf geopolitische Signale reagieren – in beide Richtungen.


