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Iran-Krieg: Wie Entscheidungsträger die globalen Wirtschaftsrisiken bewerten

Auf der IWF-Frühjahrstagung in Washington offenbarte sich tiefe Unzufriedenheit über die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts.

Iran-Krieg: Wie Entscheidungsträger die globalen Wirtschaftsrisiken bewerten

Die Straße von Hormus – nur 24 Meilen breit und südlich des Iran gelegen – steht im Zentrum einer globalen Wirtschaftskrise. Rund 7.000 Meilen entfernt, im Weißen Haus in Washington D.C., werden die Entscheidungen getroffen, die die Welt in Atem halten. Die IWF- und Weltbank-Frühjahrstagung bot diese Woche eine seltene Gelegenheit: Führende Finanzminister und Zentralbanker konnten ihre wirtschaftlichen Bedenken direkt gegenüber der Regierung von US-Präsident Donald Trump vorbringen.

In Gesprächen mit der Mehrheit der G7-Finanzminister, mehreren Zentralbankern und führenden internationalen Finanziers zeichnete sich ein klares Bild ab: tiefe Unzufriedenheit darüber, dass der Rest der Welt die unbeabsichtigten, aber vorhersehbaren Kosten der US-Entscheidung für einen Krieg tragen muss. Besonders deutlich äußerte sich die britische Schatzkanzlerin Rachel Reeves, die von der „Torheit" und dem „Fehler" eines Krieges sprach, „der nicht der unsere ist".

Die Stimmung bei den Treffen der Finanzminister – darunter ein G20-Frühstück – war gedrückt. Laut Teilnehmern waren die Vereinigten Staaten die einzige Stimme im Raum, die kurzfristige Zuversicht ausstrahlte. Besonders asiatische Finanziers zeigten sich besorgt über „echte Energieknappheit". Kurz nach diesen Bedenken trat US-Finanzminister Scott Bessent im amerikanischen Finanzfernsehen auf und erklärte, es gebe keinen Grund zur Sorge – Märkte und Wirtschaft würden sich schnell erholen.

Warnung vor einem „sich langsam entwickelnden Schock"

Der kanadische Finanzminister François-Philippe Champagne, der an allen wichtigen Treffen teilnahm und an vorderster Front mit Trumps Zollkrieg konfrontiert war, sah die Lage deutlich anders. „Die Geografie ändert sich nicht. Auch die Menschen ändern sich nicht so sehr, daher wird die weltweite Energieversorgung ein Risiko bleiben, das wir noch über Jahre hinweg bewältigen müssen, selbst wenn der Konflikt beendet ist", sagte er.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa warnte vor einem „sich langsamer entwickelnden Schock". Weltbank-Präsident Ajay Banga verwies auf die besonders schwerwiegenden Folgen für wirtschaftlich schwächere Länder. Die Blockade der Meerenge von Hormus legt dabei die extreme Fragilität globaler Lieferketten schonungslos offen.

Konkrete Folgen für vulnerable Länder

Die Auswirkungen sind bereits jetzt greifbar und betreffen Länder auf der ganzen Welt:

  • Der Irak verschifft und produziert derzeit kein Öl – Einnahmen, die normalerweise für 85 Prozent der Staatseinnahmen verantwortlich sind.
  • Bangladesch, das für den privaten Bedarf erheblich auf Gas zum Kochen angewiesen ist, ist von seinen Lieferanten aus dem Nahen Osten abgeschnitten.
  • Pazifische Inselstaaten mit geringen Energiespeicherkapazitäten warten am Ende sehr langer Schifffahrtsrouten auf Tanker und Containerschiffe.

Als Reaktion auf diese Notlage hat die Weltbank Hilfsfonds in Höhe von bis zu 100 Milliarden US-Dollar – umgerechnet rund 74 Milliarden Pfund – bereitgestellt. Damit übertrifft das Hilfsvolumen sogar jenes, das während der Covid-Lockdowns mobilisiert wurde. Ziel ist es, wirtschaftlich schwächeren Ländern bei der Bewältigung steigender Energie- und Lebensmittelkosten zu helfen.

Die Kluft zwischen der Zuversicht Washingtons und der Besorgnis des Rests der Welt könnte kaum größer sein. Während US-Finanzminister Bessent Entwarnung gibt, warnen internationale Institutionen und Verbündete vor langfristigen Schäden für die globale Wirtschaft – Schäden, die weit über das Ende eines möglichen Konflikts hinausreichen könnten.

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