Iran-Krieg verschärft Schuldendruck auf G7-Staaten massiv
Steigende Öl- und Gaspreise, höhere Refinanzierungskosten und wachsende Schuldenberge: Der Iran-Krieg setzt Staatsfinanzen weltweit unter Druck.

Der Iran-Krieg hat die Inflationsrisiken erneut angefacht und die Staatsfinanzen der G7-Länder unter erheblichen Druck gesetzt. Bereits im März löste der Konflikt den stärksten Anstieg der Refinanzierungskosten in Europa seit Jahren aus. Besonders Länder, die stark von Energieimporten abhängig sind, spüren die Folgen steigender Öl- und Gaspreise unmittelbar in ihren Haushaltskassen.
Eine hohe Schuldenlast birgt dabei weitreichende Risiken für die Bevölkerung: Sie schränkt staatliche Ausgaben ein, deckelt das Wirtschaftswachstum und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein Land Schwierigkeiten bekommt, seinen Schuldendienst zu leisten. Das sind keine abstrakten Szenarien – sie bedrohen direkt den Lebensstandard der Bürgerinnen und Bürger.
Steigende Refinanzierungskosten seit der Pandemie
Die Renditen von Staatsanleihen in den G7-Staaten sind seit der COVID-19-Pandemie und dem russischen Einmarsch in die Ukraine stark gestiegen. Zentralbanken hoben die Zinssätze aggressiv an, um die Inflation zu bekämpfen – mit direkten Folgen für die Kreditkosten der Staaten. Anleger fordern zudem höhere Renditen, um das gestiegene Risiko des Haltens von Staatsschulden zu kompensieren.
Großbritannien ist besonders stark betroffen: Die Renditen für 10-jährige britische Staatsanleihen erreichten im März den höchsten Stand seit 2008. Im Vergleich zu seinen G7-Partnern zahlt das Vereinigte Königreich die höchsten Zinsen. Gleichzeitig hat sich die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Anleiherenditen deutlich vergrößert, was langfristige Kreditaufnahme relativ teurer macht.
Viele Regierungen reagieren darauf, indem sie vermehrt Anleihen mit kürzeren Laufzeiten ausgeben. Doch auch diese Strategie ist riskant: Die Schulden müssen früher zurückgezahlt oder umgeschuldet werden, sodass jeder Renditeanstieg sich schneller in höheren Zinskosten niederschlägt.
Schuldenstände nahe oder über der Wirtschaftsleistung
Mit Ausnahme Deutschlands entspricht die Staatsverschuldung in den G7-Ländern in etwa der jeweiligen Wirtschaftsleistung oder übersteigt sie sogar. Die globale Finanzkrise 2008, die Eurozonen-Schuldenkrise 2011–12 und die Pandemie 2020 haben die Schuldenstände erhöht, das Wachstum gebremst und die Ausgaben in die Höhe getrieben. Japan weist den höchsten Schuldenstand auf – die Verbindlichkeiten betragen mehr als das Doppelte der Wirtschaftsleistung des Landes.
Selbst Deutschland, lange ein Verfechter der Haushaltsdisziplin, weitet seine Kreditaufnahme aus, um Verteidigung und öffentliche Investitionen zu finanzieren. Langfristig werden alternde Bevölkerungen, steigende Zinsrechnungen sowie erhöhte Ausgaben für Verteidigung und den Klimawandel die Schuldenniveaus ohne politische Korrekturen weiter ansteigen lassen.
Die höheren Kreditkosten der Post-Pandemie-Ära schlagen sich bereits in den Zinszahlungen der Regierungen nieder, da zinsgünstige Altschulden zu höheren Marktzinsen umgeschuldet werden. Besonders in den USA sind die Zinszahlungen als Anteil an der Wirtschaftsleistung zuletzt stark gestiegen. In den OECD-Ländern überstiegen die Zinszahlungen im Jahr 2024 bereits die Verteidigungsausgaben – ein historisch bemerkenswerter Schwellenwert.
Laufzeitprämien auf höchstem Stand seit über zehn Jahren
Die sogenannte Laufzeitprämie (Term Premium) für US-Staatsanleihen – ein Maß dafür, wie viel Entschädigung Anleger für das Risiko längerfristiger Anleihen verlangen – ist seit der Pandemie deutlich gestiegen. Hinter diesem Anstieg stehen Sorgen über die US-Fiskalpolitik, der Abbau von Anleihebeständen durch die Federal Reserve, Zweifel an deren Unabhängigkeit sowie langfristige Inflationsunsicherheit.
Es handelt sich dabei um ein globales Phänomen: Die Laufzeitprämie in den wichtigsten OECD-Ländern erreichte kürzlich den höchsten Stand seit über zehn Jahren, wie die Organisation selbst feststellte.
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Zur AktienanalyseEinen positiven Trend gibt es hingegen bei den Risikoaufschlägen innerhalb der Eurozone. Die Differenz zwischen den Renditen einzelner Euro-Länder und deutschen Bundesanleihen – dem als sicherste europäische Anlage geltenden Referenzwert – hat sich seit der Schuldenkrise deutlich verringert. Italien, einst das Sorgenkind der Eurozone, profitiert von wachsendem europäischen Zusammenhalt, politischer Stabilität und einem gesunkenen Haushaltsdefizit: Die Risikoprämie für italienische Schulden fiel zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 2008.
Japan und Frankreich im Fokus der Anleger
Im Gegensatz dazu wächst das Misstrauen der Anleger gegenüber Frankreich. Ein zersplittertes politisches Umfeld seit der überraschenden Wahl im Jahr 2024 bremst die Bemühungen zur Eindämmung des Haushaltsdefizits – und das schlägt sich in höheren Risikoprämien nieder.
Japan steht als am stärksten verschuldetes Land der entwickelten Welt besonders im Rampenlicht. Die Ausgabenpläne von Premierministerin Sanae Takaichi haben fiskalische Sorgen neu entfacht. Nach einem desaströsen Verkauf langfristiger Anleihen im vergangenen Mai stiegen die Renditen 20-jähriger japanischer Staatsanleihen auf Rekordwerte – die Nachfrage war die geringste seit 2012. Ein weiteres Maß für die Anlegerstimmung erreichte den zweitschlechtesten Wert seit mindestens 1987. Japan reduzierte daraufhin die Verkäufe längerfristiger Anleihen, was zur Stabilisierung der Nachfrage beitrug – doch der Aufwärtsdruck auf die Kreditkosten bleibt bestehen.

