Iran-Krieg und Ölschock: Warum die Rezession ausblieb
Trotz geschlossener Straße von Hormus und fast verdoppelten Ölpreisen blieb eine globale Rezession aus – Ökonomen suchen Erklärungen.

Als der Iran die Straße von Hormus schloss, schlug die Stunde der Pessimisten. Zahlreiche Ökonomen warnten eindringlich: Eine anhaltende Blockade des strategisch bedeutsamen Nadelöhrs könnte eine globale Rezession auslösen. Schließlich haben Ölschocks in der Vergangenheit genau das bewirkt – man denke an die Ölkrisen der 1970er-Jahre, die weite Teile der Weltwirtschaft in die Knie zwangen.
Doch die befürchtete Rezession blieb aus. Selbst nachdem die Ölpreise auf fast das Doppelte ihres Vorkriegsniveaus gestiegen waren, hielt die Weltwirtschaft stand. Für viele Beobachter ist das eine der überraschendsten wirtschaftlichen Entwicklungen der jüngsten Zeit – und eine, die grundlegende Fragen über die Widerstandsfähigkeit moderner Volkswirtschaften aufwirft.
Warum blieb die Rezession aus?
Mit genau dieser Frage beschäftigt sich eine neue Folge des FT-Podcasts, moderiert von Soumaya Keynes. Zu Gast ist Tyler Goodspeed, Autor des Buches „Recession: The Real Reasons Economies Shrink and What to Do About It". Goodspeed analysiert darin, warum Volkswirtschaften schrumpfen – und warum sie es manchmal eben nicht tun, obwohl alle Vorzeichen darauf hindeuten.
Im Gespräch diskutieren Keynes und Goodspeed, warum die Weltwirtschaft widerstandsfähiger gegen Rezessionen geworden ist als früher. Ein weiteres Thema: Warum die USA historisch mehr Abschwünge verzeichnen als das Vereinigte Königreich – eine Beobachtung, die gängige Annahmen über die Stärke der amerikanischen Wirtschaft in Frage stellt.
Rezessionsprognosen und ihre Grenzen
Goodspeed geht in der Diskussion auch mit Rezessionsprognostikern ins Gericht. Wer Rezessionen vorhersagen wolle, so die pointierte Einschätzung im Podcast, wäre womöglich besser beraten, stattdessen Horoskope zu lesen. Diese Aussage verdeutlicht, wie schwierig es selbst für ausgewiesene Experten ist, wirtschaftliche Einbrüche zuverlässig vorherzusagen.
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Zur AktienanalyseDer Kontext ist dabei auch für deutsche Anleger und Sparer relevant: Der IWF hatte gewarnt, dass der Iran-Krieg das globale Wachstum auf den schwächsten Stand seit der Pandemie bremsen könnte. Gleichzeitig zeigen Berichte, dass die britischen Staatsfinanzen dem Konflikt bislang trotzen – ein weiteres Indiz dafür, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts bislang geringer ausfielen als befürchtet.
Die Frage, ob die Weltwirtschaft bereits „über den Berg" ist, bleibt laut dem Podcast offen. Die Diskussion zwischen Keynes und Goodspeed liefert jedoch wertvolle Einblicke, warum klassische Rezessionsmuster in der heutigen globalisierten und diversifizierten Wirtschaft möglicherweise nicht mehr so zuverlässig greifen wie einst. Für Anleger, die Portfoliorisiken im Blick behalten, ist das eine wichtige Erkenntnis: Ölschocks allein sind kein automatischer Rezessionsauslöser mehr.


