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Iran-Krieg trifft europäische Chemiebranche mit sinkenden Gewinnen

Gestörte Energie- und Rohstoffmärkte belasten BASF, Evonik und Co. zu Beginn des Jahres 2026 besonders stark.

Iran-Krieg trifft europäische Chemiebranche mit sinkenden Gewinnen

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die globalen Energie- und Rohstoffmärkte erheblich destabilisiert. Besonders hart trifft es die europäische Chemieindustrie, die in hohem Maße auf Öl und Gas als Rohstoffe angewiesen ist. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt: „Im Vergleich zu anderen Branchen ist der Chemiesektor besonders stark von dem dramatischen Anstieg der Energie- und Rohstoffkosten betroffen, da er überwiegend auf Öl und Gas als Rohstoffe angewiesen ist."

Der kriegsbedingte Preisanstieg trifft eine Branche, die sich ohnehin in einer schwachen Ausgangslage befindet. Seit Jahren kämpfen europäische Chemieunternehmen mit verhaltener Nachfrage, hohen Energiekosten, Lieferkettenstörungen und einer schleppenden Gesamtwirtschaft. Der Beginn des Jahres 2026 brachte damit keine Erleichterung, sondern eine weitere Verschärfung der bestehenden Probleme.

Preiserhöhungen als Reaktion auf steigende Kosten

Um die höheren Kosten zumindest teilweise aufzufangen, haben mehrere große Chemieunternehmen ihre Verkaufspreise angehoben – in einigen Fällen sogar mehrfach für verschiedene Produktgruppen. Zu den Unternehmen, die Preiserhöhungen durchgesetzt haben, zählen:

  • Brenntag
  • Wacker Chemie
  • Lanxess
  • BASF
  • Evonik
  • EMS Chemie
  • Sika

Der Finanzvorstand von BASF äußerte sich auf einer JPMorgan-Chemiekonferenz im März zuversichtlich: Er erwarte, dass die Preisgestaltung die Kosteninflation im zweiten Quartal mehr als ausgleichen werde. Auch der CFO von Brenntag zeigte sich vorsichtig optimistisch und erklärte, dass die Preiserhöhungen von den Kunden bislang akzeptiert worden seien.

Dennoch warnen Analysten zur Vorsicht. Etwaige Gewinne könnten fragil sein, und die Preisgestaltung allein werde kurzfristig nicht zu einer nennenswerten Erholung der Gewinne führen, so die Einschätzung aus der Branche. Anna Wolf vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung bringt ein weiteres strukturelles Problem auf den Punkt: „Höhere Preise schwächen die Wettbewerbsposition europäischer Produzenten gegenüber chinesischen Anbietern weiter."

Europäische Produzenten im Nachteil gegenüber Asien

Während steigende Energiekosten ein globales Phänomen sind, treffen sie Europa besonders hart. Martin Gornig, Forschungsdirektor beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), erklärt, dass höhere Energierechnungen in Verbindung mit einer bereits verzögerten wirtschaftlichen Erholung die Nachfrage in Deutschland und anderen europäischen Ländern stärker belasten als anderswo. Asiatische Konkurrenten profitieren derweil von ihrer strukturell niedrigeren Kostenbasis, die ihnen hilft, die Auswirkungen der schwachen Nachfrage besser abzufedern – so mwb Research in einer aktuellen Mitteilung.

Die Rückmeldungen der Unternehmen an den VCI sind gemischt: Sorgen über Versorgungsengpässe haben die Nachfrage in einigen Segmenten zwar angekurbelt, während andere Bereiche eine gedämpfte Kaufaktivität aufgrund der höheren Preise verzeichnen. Anna Wolf vom ifo Institut warnt zudem, dass volatile Preise und zunehmende Unsicherheit die Nachfrage weiter schwächen könnten. „Die jüngsten Preiserhöhungen waren angesichts der allgemein schwachen Nachfrage und des schleppenden Geschäftsklimas unerwartet deutlich", so Wolf.

Waffenstillstand mildert Druck – Normalisierung bleibt unwahrscheinlich

Ein kürzlich angekündigtes zweiwöchiges Waffenstillstandsabkommen hat den unmittelbaren Druck auf die Energiemärkte zwar etwas gemildert. Dennoch bleibt das Kostenniveau strukturell hoch und die Volatilität erhöht. Der VCI gibt sich wenig optimistisch: „Selbst wenn die Krise vorübergehend gelöst wird, ist eine schnelle Normalisierung der Energiepreise unwahrscheinlich."

Berenberg-Analyst Sebastian Bray skizziert ein mögliches Positivszenario: In einem Szenario eines länger anhaltenden Waffenstillstands, das eine verbesserte Verfügbarkeit von Rohstoffen und niedrigere Ölpreise voraussetzt, wäre eine gewisse Umkehrung der Chemiepreise plausibel. Bis dahin bleibt die Lage für europäische Chemieunternehmen angespannt – mit sinkenden Gewinnen im ersten Quartal als unmittelbarer Folge.

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