Iran-Krieg trifft Dubais Restaurants: Lieferketten brechen ein
Gesperrte Meeresrouten und teure Luftfracht zwingen Dubais Köche zu drastischen Anpassungen bei Speisekarten und Einkauf.

Der zwei Monate alte Krieg im Iran trifft Dubais florierende Restaurantszene hart. Gesperrte Seewege, steigende Kerosinpreise und einbrechende Touristenzahlen zwingen Küchenchefs in der Golfmetropole zu drastischen Maßnahmen – von verkleinerten Speisekarten bis hin zu Personalabbau.
Shaw Lash, Küchenchefin im mexikanischen Restaurant Lila Molino in Dubai, lässt Avocados und Tomatillos – kleine, säuerliche grüne Früchte aus Zentralamerika und ein Grundnahrungsmittel der mexikanischen Küche – einfliegen. Seit Kriegsbeginn ist das deutlich schwieriger und teurer geworden. „Die Realität ist, dass die Fracht teurer geworden ist, die Benzinpreise gestiegen sind und die Straße von Hormus immer noch blockiert ist", sagte Lash gegenüber Reuters in ihrem Restaurant in der Alserkal Avenue, Dubais trendigem Kunst- und Kulturviertel. „Das stellt uns vor echte Probleme bei unserer Versorgung."
Lash hat die Produktion gedrosselt, Personal abgebaut und kauft Zutaten vorerst nur noch in kleineren Mengen ein. Sie setzt verstärkt auf ihre Fajita-Sets für zu Hause sowie auf ihre Lebensmittel-Produktlinie – Maßnahmen, von denen sie hofft, dass sie nur vorübergehend sind.
Straße von Hormus bleibt faktisch geschlossen
Der Hintergrund: Nachdem die USA und Israel Ende Februar Angriffe auf den Iran gestartet hatten, kam es am Golf mehrere Wochen lang zu iranischen Raketen- und Drohnenangriffen. Obwohl am 8. April ein Waffenstillstand in Kraft trat, bleibt die Straße von Hormus – der einzige Meereszugang zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) – faktisch geschlossen. Die VAE importieren mehr als 80 Prozent ihrer Lebensmittel für den Eigenverbrauch, was die Abhängigkeit von dieser Route besonders gravierend macht.
Auch Kelvin Cheung, Küchenchef im Fusionsrestaurant Jun's Dubai, spürt die Folgen deutlich. Die Suche nach alternativen Transportrouten für verderbliche Zutaten wie norwegische Jakobsmuscheln oder bestimmte japanische Meeresfrüchte sei zur kostspieligen Herausforderung geworden. „Die einzige Option war dann die Luftfracht, was unsere Kosten um etwa dreißig bis fünfunddreißig Prozent erhöhte", sagte er. Cheung ist deshalb dazu übergegangen, lokalen Fisch auf seiner Speisekarte zu verwenden. Die Luftfrachtraten sind auf einigen Strecken sogar um bis zu 70 Prozent gestiegen.
Nachfrage bricht um 27 Prozent ein
Die wirtschaftlichen Folgen für die Branche sind erheblich. Eine Umfrage von Juniper Strategy und dem Global Restaurant Investment Forum ergab, dass Gastronomiebetreiber in den VAE einen durchschnittlichen Nachfragerückgang von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten. Die Kostensteigerungen bei den Lieferanten beliefen sich laut dem Bericht auf durchschnittlich 13 Prozent. Für die Umfrage wurden zwischen dem 1. und 8. April 30 Branchenführer befragt, die rund 400 Restaurants betreiben.
Besonders unter Druck stehen touristisch geprägte Standorte und Geschäftsviertel. Betriebe in Wohngebieten zeigten dagegen eine größere Widerstandsfähigkeit und in einigen Fällen sogar Wachstum. Der breitere Full-Service-Restaurantmarkt der VAE hatte laut dem Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence im vergangenen Jahr einen Wert von 9,5 Milliarden US-Dollar. Vor Kriegsbeginn wurde für dieses Jahr ein Wachstum von 20 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar prognostiziert – eine Rechnung, die der Krieg nun verändert haben dürfte.
„Der Tourismus hat einen schweren Schlag erlitten", sagte Cheung. „Dieser massive Zustrom von Touristen, der für diesen zusätzlichen wirtschaftlichen Schub und die Ausgaben in allen Branchen sorgt, ist das, was uns jetzt fehlt." Um gegenzusteuern, hat Cheung ein Sechs-Gänge-Menü für 225 Dirham (rund 61 US-Dollar) eingeführt, das auf lokal bezogenen Zutaten basiert. Das gesamte Personal des Restaurants wurde bisher gehalten.
Marktkorrektur war laut Experten überfällig
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Zur AktienanalyseFood-Journalistin Courtney Brandt, die seit 2007 in der Region lebt, sieht in dem Konflikt einen Verstärker bereits bestehender Probleme. „Eine Korrektur war überfällig", sagte sie. Der Markt sei bereits vor dem Krieg gesättigt gewesen. Hohe Fixkosten, die starke Abhängigkeit vom Tourismus und anfällige Lieferketten seien strukturelle Schwächen, die der Krieg nun schonungslos offenlege. Internationale Marken mit größeren finanziellen Polstern könnten besser abschneiden, so Brandt – doch auch für sie stellten die steigenden Kosten eine Herausforderung dar. „Es müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden, wenn Unternehmen überleben wollen."
Die Behörden von Dubai haben umfassende wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen, Gebührenerleichterungen und Kampagnen eingeleitet, um die Menschen zum Essengehen zu bewegen. Das Ministerium für Wirtschaft und Tourismus in Dubai erklärte, dass einige Betreiber eine „Phase gestörter Besucherströme" durchliefen und kreative Wege fänden, darauf zu reagieren. Andere Lokale planen, im Mai vergünstigte Menüs zum Festpreis für die „Restaurant Week" anzubieten.
Trotz der schwierigen Lage blicken die Köche Lash und Cheung vorsichtig optimistisch nach vorne. „In den letzten Wochen, insbesondere mit dem Waffenstillstand und der Wiederaufnahme des Schulbetriebs, haben wir einen positiven Aufschwung im Geschäft und eine allgemeine Belebung in der Stadt festgestellt. Es kehrt langsam ein Gefühl der Normalität zurück", sagte Cheung.


