Iran-Krieg erschüttert Ölmärkte und globale Finanzmärkte
Trumps Eskalation gegen den Iran treibt Ölpreise auf 110 Dollar und stürzt Investoren in tiefe Unsicherheit.

Die Finanzmärkte stehen unter massivem Druck. Nachdem US-Präsident Donald Trump die Hoffnungen auf ein rasches Ende des Konflikts mit dem Iran zunichtegemacht und noch aggressivere Angriffe angekündigt hat, brachen die Aktienkurse ein, während die Renditen von Staatsanleihen wieder stiegen. Händler, die Anfang April auf eine baldige Beilegung des Konflikts gewettet hatten, wurden kalt erwischt – ein schmerzhafter Weckruf zu Beginn des zweiten Quartals.
Der Ölpreis ist das dominierende Thema an den Finanzmärkten. Im März verzeichnete er bereits einen Rekordsprung von 60 Prozent, am Donnerstag näherte er sich der Marke von 110 US-Dollar pro Barrel. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass durch den Krieg bereits rund 12 Millionen Barrel Öl pro Tag aus der Produktion genommen wurden – das entspricht etwa 12 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Dieser massive Angebotsschock gilt als der heftigste in der Geschichte des Ölmarktes.
OPEC+ mit wenig Spielraum
Die OPEC+-Minister kommen am Sonntag zusammen, doch die acht Mitglieder – darunter Saudi-Arabien, Russland, Irak, Oman, Algerien, Kasachstan, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate – haben kaum Handlungsspielraum. Die Golfstaaten hatten die Förderung vor Ausbruch des Konflikts schrittweise erhöht, mussten nun aber drastische Produktionskürzungen hinnehmen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate leiten zwar einige Ölströme über alternative Häfen um, die nicht von der Straße von Hormus abhängen. Irak und Kuwait hingegen kämpfen weiterhin mit erheblichen Exportbeschränkungen.
Die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft sind bereits spürbar: Der landesweite Durchschnittspreis für Benzin überstieg in dieser Woche erstmals seit mehr als drei Jahren die Marke von 4 US-Dollar pro Gallone. In einem wichtigen Wahljahr dürfte das in Washington für erheblichen politischen Druck sorgen. Für die US-Notenbank Federal Reserve ergibt sich daraus ein schwieriges Dilemma: Sie muss gleichzeitig steigende Inflation und wachsende Risiken für den Arbeitsmarkt abwägen. Die Wetten der Händler auf eine Zinssenkung in diesem Jahr sind vorerst vom Tisch.
US-Inflationsdaten im Fokus
Entscheidend für die nächste Woche werden die US-Verbraucherpreisdaten am Freitag sein. Laut einer Reuters-Umfrage dürften die Preise im Monatsvergleich um 0,9 Prozent gestiegen sein – der stärkste Anstieg seit 2022. Die Kernrate, bei der Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, soll hingegen mit einem Plus von 0,3 Prozent deutlich moderater ausgefallen sein. Ebenfalls veröffentlicht wird der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator, der PCE-Preisindex – allerdings noch für den Monat Februar, bevor die Eskalation des Konflikts einsetzte.
Besonders stark trifft der Ölpreisschock Asien, das rund 60 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten bezieht. Inflationsdaten aus den Philippinen, Thailand, Taiwan und China werden in der kommenden Woche zeigen, wie stark die Belastung für diese Volkswirtschaften ist. Asiatische Währungen stehen zudem unter starkem Abwertungsdruck gegenüber einem erstarkenden US-Dollar, was Importe weiter verteuert. Investoren setzen allerdings darauf, dass China dank umfangreicher Rohölreserven, seiner Stärke im Bereich erneuerbarer Energien und des gedämpften Verbraucherpreisdrucks vergleichsweise gut abgeschirmt bleibt.
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Zur AktienanalyseIndiens Zentralbank (Reserve Bank of India) steht vor einer besonders heiklen Situation. Sie dürfte ihren Leitzins am Mittwoch bei 5,25 Prozent belassen, befindet sich jedoch im Spannungsfeld zwischen sinkenden Wachstumsprognosen und steigendem Inflationsdruck durch die hohen Energiepreise. Die Rupie hat zuletzt Rekordtiefs markiert, was die RBI zu milliardenschweren Devisenmarktinterventionen und einer Reihe unorthodoxer Maßnahmen veranlasst hat. Auch die neuseeländische Zentralbank trifft sich am Mittwoch – eine Zinserhöhung gilt als unwahrscheinlich, doch der Zentralbankchef hat vor weiteren geldpolitischen Straffungen gewarnt, sollte der Energieschock anhalten.
Das Narrativ an den Rentenmärkten verschiebt sich nach einem brutalen März langsam von Inflationsängsten hin zu Wachstumssorgen. Analysten warnen, dass globale Aktienmärkte weiterhin anfällig für eine tiefere Korrektur bleiben – selbst wenn der Konflikt beigelegt werden sollte. Die Schäden an der Energieinfrastruktur im Nahen Osten und die hohen Energiepreise werden die Weltwirtschaft noch lange belasten.


