Iran-Krieg belastet US-Geldmärkte: Erste Spannungszeichen sichtbar
Der anhaltende Konflikt mit dem Iran trifft die US-Geldmärkte: Kreditspreads weiten sich aus, Liquiditätsrisiken steigen spürbar.

NEW YORK – Ein langwieriger Krieg im Nahen Osten beginnt auf die US-Geldmärkte überzugreifen. Erste Anzeichen von Spannungen zeigen sich in einem Markt, der als wichtiger Frühindikator für Kreditprobleme gilt. Die Spreads für kurzfristige Kredite haben sich in den vergangenen Wochen ausgeweitet – ein Zeichen wachsender Nervosität unter Investoren.
Der Iran zeigte keine Bereitschaft, das Ultimatum von US-Präsident Donald Trump zur Öffnung der Straße von Hormus bis Dienstag, 20:00 Uhr EDT, zu akzeptieren. Trump bekräftigte seine Drohung mit massiven Angriffen und erklärte, eine „ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben", sofern Teheran nicht in letzter Minute ein Abkommen erziele. Diese Eskalation verunsichert Anleger, die auf ein rasches Ende des Konflikts gehofft hatten.
Billionen-Markt für Commercial Paper unter Druck
Besonders im rund 1,5 Billionen US-Dollar schweren Markt für Commercial Paper (CP) – einer kritischen kurzfristigen Finanzierungsquelle für Unternehmen und Banken – bauen sich Spannungen auf. Dieser Markt gilt als wichtiger Barometer für Finanzierungs- und Kreditprobleme. Zunächst ignorierte er den Konflikt im Nahen Osten, doch mit zunehmender Dauer wächst die Besorgnis.
„Die Kreditspreads haben sich generell über die gesamte Kurve und über fast alle Branchen hinweg ausgeweitet", sagte Jan Nevruzi, US-Zinsstratege bei TD Securities in New York. „Die gesamte Kurve wurde einfach höher bepreist. Man muss also etwas mehr für die Finanzierung bezahlen." Die Aussage verdeutlicht, dass die Spannungen nicht auf einzelne Sektoren beschränkt sind, sondern den gesamten Markt erfassen.
Auch im rund 2 Billionen US-Dollar umfassenden US-Markt für variabel verzinsliche Bankanleihen (Floating Rate Notes, FRN) baut sich allmählich Druck auf. Dieser Sektor wird oft unterschätzt, da er zwischen dem kurzfristigen Refinanzierungsbereich – in dem CPs und Einlagenzertifikate dominieren – und dem Markt für längerfristige Unternehmensanleihen angesiedelt ist.
Spreads auf höchstem Stand seit Kriegsbeginn
Konkrete Zahlen belegen die Verschlechterung der Kreditbedingungen: Der Spread zwischen den 30-Tage-Sätzen für AA-geratete Non-Financial-CPs gegenüber der einmonatigen Secured Overnight Funding Rate (SOFR) weitete sich auf 6 Basispunkte aus. Vor Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar lag dieser Spread noch bei null. Diese Differenz misst die zusätzliche Entschädigung, die Anleger verlangen, um hochwertigen Unternehmen Kapital zu leihen, anstatt Kredite gegen Staatsanleihen zu vergeben.
Noch deutlicher ist die Bewegung bei Kreditnehmern mit niedrigerem Rating: Der Spread für 30-Tage-Sätze von A2/P2-Non-Financial-Emittenten gegenüber der SOFR stieg auf 44 Basispunkte – verglichen mit lediglich 17 Basispunkten vor Beginn des Konflikts. „Es kostet die Emittenten von Commercial Paper etwas mehr, ihre Bücher zu refinanzieren", erklärte Teresa Ho, Leiterin der US-Strategie für kurzfristige Laufzeiten bei J.P. Morgan in Boston.
Investoren warten auf Stabilität – Geldmarktfonds unter Druck
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Zur AktienanalyseAuf der Investorenseite halten sich CP-Käufer laut Ho derzeit zurück und warten auf deutlichere Anzeichen von Stabilität, bevor sie wieder in den Markt einsteigen. Die vorherrschende Unsicherheit mache sie vorsichtig, da „wir nicht wissen, wie die Liquidität in den nächsten Wochen aussehen wird." Diese Zurückhaltung verschärft die Situation für Emittenten, die auf kurzfristige Finanzierung angewiesen sind.
Prime-Geldmarktfonds, die zu den größten Käufern von CPs gehören, verzeichneten in den letzten Wochen schwankende Vermögenswerte. Ihr Gesamtvermögen sank in der Woche bis zum 1. April um 2 Prozent auf 1,246 Billionen US-Dollar, wie Daten des Investment Company Institute zeigen. Analysten erklärten, dass ein Rückgang des Geldmarktvermögens wahrscheinlich bedeutet, dass die Fonds kurzfristige Bestände wie CPs auslaufen lassen, anstatt sie zu verlängern – die Erlöse würden möglicherweise verwendet, um etwaige Rücknahmen zu bedienen.
Marktteilnehmer beobachten zudem besonders aufmerksam den Spread zwischen Papieren geringerer Qualität (A2/P2) und denen von Top-Emittenten (A1/P1). Im Allgemeinen werden A2/P2-Papiere mit einem moderaten Spread-Aufschlag gegenüber A1/P1 gehandelt, um Anleger für das zusätzliche Herabstufungs- oder Ausfallrisiko zu entschädigen. Das A2/P2-Segment gilt dabei als erster Bereich des Marktes, in dem sich Kreditstress zeigt – ein Signal, das Anleger und Analysten derzeit genau im Blick behalten.


