Iran-Konflikt und Tech-Rotation belasten Börsen weltweit
Geopolitische Spannungen im Nahen Osten und eine anhaltende Umschichtung aus Technologieaktien setzen Dax und Wall Street unter Druck.

Die Eskalation im Iran-Konflikt und eine breite Sektorrotation aus Technologiewerten heraus belasten die internationalen Aktienmärkte. Der DAX notierte am Montag gegen Mittag kaum verändert bei 25.075 Punkten, der EuroStoxx50 hielt sich bei 6.265 Zählern. Die Futures auf die wichtigsten US-Indizes lagen derweil im Minus.
Jochen Stanzl, Chefanalyst des Brokers CMC Markets, bringt die aktuelle Marktlage auf den Punkt: „Je spezialisierter die Indizes sind, desto höher fallen die Verluste aus; je breiter sie gestreut sind, desto besser stehen sie da." Anleger versuchen demnach, ihre seit April aufgelaufenen, teils erheblichen Gewinne in Technologieaktien durch eine breitere Streuung ihrer Portfolios abzusichern.
Widersprüchliche Signale aus dem Nahen Osten
Am Wochenende griffen sich die USA und der Iran gegenseitig mit Raketen und Drohnen an. Zuvor hatte Teheran die erneute Schließung der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus angekündigt, zudem wurden mehrere Handelsschiffe attackiert. US-Präsident Donald Trump betonte jedoch am Sonntag in einem NBC-Interview, die Meerenge sei für den kommerziellen Schiffsverkehr weiterhin geöffnet. Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets, fasst die Lage zusammen: „Diese widersprüchlichen Signale sorgen für Nervosität an den Märkten."
Der Verkehr durch die Straße von Hormus fiel am Sonntag auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen. Die Analysten der ANZ Bank erklären: „Die Durchfahrten haben sich aufgrund der erhöhten Sicherheitsbedenken verlangsamt." Dennoch hält sich der Ölpreisanstieg in Grenzen: Die Nordsee-Rohölsorte Brent verteuerte sich um rund drei Prozent auf 78,22 Dollar je Barrel, US-Leichtöl WTI zog ebenfalls um drei Prozent auf 73,51 Dollar an.
IG-Marktanalyst Tony Sycamore wertet den vergleichsweise moderaten Ölpreisanstieg als Signal: Der relativ geringe Anstieg deute darauf hin, dass Anleger die aktuellen Spannungen nicht als vollständigen Zusammenbruch des US-Iran-Waffenstillstands bewerteten. Er fügt jedoch mahnend hinzu: „Es bleibt abzuwarten, wie zutreffend diese Einschätzung ist."
Bilanzsaison und Inflationsdaten im Blick
Neben der Geopolitik richten Anleger ihren Blick auf zwei wichtige Termine am Dienstag: den Start der US-Bilanzsaison mit Geschäftsberichten bedeutender Banken sowie den US-Inflationsbericht für Juni. Timo Emden vom Analysehaus Emden Research warnt: „Sollten die Quartalszahlen und Ausblicke die hohen Erwartungen verfehlen, könnte sich die ohnehin gestiegene Unsicherheit zusätzlich verstärken." Umgekehrt hätten überzeugende Unternehmensberichte das Potenzial, geopolitische Sorgen zumindest kurzfristig zu überlagern.
Der Inflationsbericht soll Aufschluss darüber geben, wie stark die gestiegenen Ölpreise die Teuerung antreiben. Die Erwartung möglicher Zinserhöhungen durch die Notenbanken drückte den Goldpreis um 1,5 Prozent auf 4.053 Dollar je Feinunze. Gold verliert tendenziell an Attraktivität, wenn die Zinsen steigen, da das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft.
Tech-Werte unter Druck, Telekom und K+S gefragt
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Zur AktienanalyseBei den Einzelwerten setzte sich die Sektorrotation aus Technologieaktien fort. In Frankfurt verlor Infineon rund zwei Prozent, der europäische Technologieindex gab knapp ein Prozent nach. Profiteure der Umschichtung waren hingegen Deutsche Telekom und K+S, deren Aktien jeweils um rund 2,5 Prozent zulegten.
In Amsterdam gewann Akzo Nobel rund zwei Prozent. Hintergrund: Der japanische Farbenhersteller Nippon Paint hat nur einen Monat nach dem Rückzug einer Übernahmeofferte einen neuen Anlauf gewagt – diesmal mit dem Ziel, lediglich die Dekorationssparte des niederländischen Konzerns zu übernehmen. Akzos Verwaltungsrat lehnte auch dieses Angebot ab, da es die Sparte erheblich unterbewerte.
An der Wall Street hatte der Dow Jones am Freitag mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 52.637,01 Punkten geschlossen. Der S&P 500 gewann 0,4 Prozent auf 7.575,39 Zähler, der technologielastige Nasdaq legte 0,3 Prozent auf 26.281,61 Punkte zu.


