Iran-Konflikt: Diese Autohersteller trifft es am härtesten
Chinesische Hersteller und Stellantis drohen massive Verluste durch die Schließung der Straße von Hormus.

Der Iran-Konflikt und die drohende Schließung der Straße von Hormus treffen den globalen Automobilmarkt mit voller Wucht. Laut einer Research-Note des Analysehauses Bernstein steht der Nahe Osten vor einer massiven Destabilisierung – ein Markt, der 2025 rund drei Millionen Neuwagen umfasste. Allein der Iran machte 38% der regionalen Verkäufe aus.
Die US-israelischen Angriffe, die Teheran zur Sperrung der Meerenge veranlassten, verlängern Schifffahrtsrouten um geschätzte 10 bis 14 Tage. Schiffe müssen nun das Kap der Guten Hoffnung umfahren, was Lieferketten und Kosten erheblich belastet.
Chinesische Hersteller mit dem größten Risiko
Der Nahe Osten absorbierte 2025 rund 17% aller chinesischen Pkw-Exporte – ein Anteil, der laut chinesischen Zolldaten mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 59% über fünf Jahre gestiegen war. Jianghuai ist mit 9% seines Gesamtabsatzes in der Region am stärksten exponiert, gefolgt von SAIC mit 7% und Chery mit 6%. Changan und Great Wall kommen jeweils auf 3%.
Besonders Chery steht im Fokus: Der Hersteller hält einen Marktanteil von 6% im Iran und ist gemessen am Gesamtvolumen der größte chinesische Exporteur in die gesamte Region. Ein Wegfall des iranischen Marktes würde das Unternehmen empfindlich treffen.
Stellantis: Einer der wenigen profitable Märkte bricht weg
Unter den europäischen Herstellern trifft es Stellantis besonders hart. Der Konzern erzielte im Nahen Osten und in Afrika 2025 einen Umsatz von 9,71 Milliarden Euro, ein bereinigtes Betriebsergebnis von 1,36 Milliarden Euro und eine Marge von 14%. Diese Region war einer der wenigen profitablen Märkte des Unternehmens – während Stellantis konzernweit einen bereinigten Betriebsverlust von 911 Millionen Euro verbuchte. Die Aktie verlor seit Freitagsschluss bereits rund 11%.
Bernstein kritisiert zudem das schlechte Timing des Stellantis-Schwenks hin zu benzinbetriebenen HEMI-V8-Motoren. Angesichts steigender Kraftstoffpreise durch den Konflikt erscheint diese strategische Entscheidung besonders ungünstig.
Ferrari lieferte 2025 insgesamt 626 Fahrzeuge in die Region – ein Plus von 31% gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht 4,6% der weltweiten Auslieferungen des Luxusherstellers.
Japanische Hersteller und breitere Folgewirkungen
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Zur AktienanalyseToyota führt mit 17% Marktanteil die Liste aller internationalen Hersteller in der Region an, Hyundai folgt mit 10%. Für japanische Hersteller halten sich die direkten Auswirkungen jedoch in Grenzen: Langjährige Sanktionen haben sie bereits vom iranischen Markt ausgeschlossen. Saudi-Arabien bleibt der Haupttreiber ihrer regionalen Umsätze.
Die Folgewirkungen reichen weit über den Automobilmarkt hinaus. Europäische Lkw-Bestellungen könnten sich verlangsamen, falls steigende Dieselpreise – Kraftstoff macht 20 bis 30% der Betriebskosten aus – die Wirtschaftlichkeit der Spediteure drücken. Reifenhersteller wie Michelin und Bridgestone, die für Anfang 2026 mit Rückenwind durch niedrigere Rohstoffpreise gerechnet hatten, riskieren eine Umkehr dieser Vorteile. Zwischen Rohölpreisen und ihrer Kostenbasis liegt eine Verzögerung von drei bis sechs Monaten.
Das größte Risiko sieht Bernstein in einem lang anhaltenden Konflikt: Steigende Ölpreise könnten das globale Verbrauchervertrauen untergraben und die Automobilnachfrage weit über die Golfregion hinaus belasten.


